Konflikt zwischen dem Iran und seinen Nachbarn

Zwischen dem Iran und den Vereinigten Arabischen Emiraten ist der Streit um drei strategisch wichtige Inseln im Persischen Golf neu entfacht: Auslöser war ein Besuch von Irans Präsident Ahmadinedschad auf einer der Inseln. Auch Saudi-Arabien warnte Teheran vor einer Eskalation.

Von Reinhard Baumgarten, ARD-Hörfunkstudio Teheran

Die drei Inseln sind beschaulich und spärlich bewohnt. Mitte April besuchte mit Mahmud Ahmadinedschad erstmals ein irani­scher Präsident die größte der drei Inseln, Abu Musa. Der 40 Jahre schwelende Konflikt gelangte unvermittelt an die Oberfläche. In Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten verschärft sich seitdem der Ton. Die sechs Länder des Golf-Kooperationsrates proben den Schulterschluss.

Audio: Streit um Inseln im Persischen Golf

AudioReinhard Baumgarten, ARD-Hörfunkstudio Istanbul 06.05.2012 10:23 | 3'07
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Saudi-Arabien gibt sich empört

Kronprinz Nayef aus Saudi-Arabien gibt die Richtung vor: "Jeglicher Schaden, der über eines unserer Länder kommt, betrifft jedes einzelne Land. Saudi-Arabien verurteilt deshalb die inakzeptable Behandlung, die die Vereinigten Arabischen Emirate durch ein Nachbarland erfahren. Dieses Land ignoriert beständig die legalen Rechte der Emirate, deren Inseln durch den Iran besetzt wurden."

Straße von Hormus Großansicht des Bildes
In der Straße von Hormus liegen die drei Inseln, die seit Jahren der Iran und die Vereinigten Arabischen
Emirate jeweils für sich beanspruchen.


Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad während seines Besuchs auf Abu Musa im April 2012 (Foto: AFP) Großansicht des Bildes
Machtdemonstration auf Abu Musa: Irans Präsident Ahmadinedschad besuchte im April die Insel
im Persischen Golf.

Iranische Truppen besetzten Inseln vor mehr als 40 Jahren

1971 nahmen iranische Truppen nach der Unabhängigkeit der Emirate von Großbritannien die drei Inseln als historisch zu Iran gehörend in Beschlag. Die Golf-Araber waren schwach und machtlos, der Westen war einverstanden. Die drei Inseln liegen mitten in der Straße von Hormus und grenzen an deren südliche Fahrrinne.

Der Iran unter Schah Mohammed Reza Pahlevi galt als vom Westen akzeptierte Ordnungsmacht. Davon kann seit 33 Jahren keine Rede mehr sein. Auch wenn Ahmadinedschad die tiefe Friedensliebe seine Volkes betont: "Sollte es irgendeine Aggression gegen das iranische Volk, dessen Interessen oder Würde geben, dann wird unsere Entschlossenheit Grund für jeden Angreifer sein, das feindliche Gebaren zutiefst zu bedauern", warnt er mit Blick nach Westen über den Golf.

 

Waffen-Geschäfte für mehr als 30 Milliarden Dollar

Saudi-Arabien kontert: "Wir betonen, dass Saudi-Arabien und der Rest des Golf-Kooperationsrats vereint mit den Vereinigten Arabischen Emiraten stehen, um deren Sicherheit und Souveränität zu schützen." Gesagt, getan. Saudi-Arabien kaufte kürzlich für mehr als 30 Milliarden Dollar Flugzeuge in den USA. Panzer aus Deutschland und Kriegsgerät aus anderen westlichen Ländern sollen folgen.

Zur Freude westlicher Waffenschmieden gibt Riad Unsummen für die Aufrüstung aus. Die Emirate ziehen mit: Allein im ver­gangenen Dezember orderten sie Waffen für 3,5 Milliarden Dollar. Die USA stationierten Anfang der Woche erstmals F22-Tarnkappenbomber in den Emiraten.

Außerdem durchpflügen zwei US-Flugzeugträger mit Begleitflotten die regionalen Gewässer. Die Inseln sind nicht nur wegen ihrer strategischen Lage wichtig, sondern auch weil große Rohstoffvorkommen dort vermutet werden.

Der Außenminister der Emirate, Abdallah bin Zayid Al Nahyan, warnt, der Konflikt könne den "regionalen Frieden und die Sicherheit der Welt" gefährden. Er ruft Teheran zu Verhandlungen oder zur Überweisung der Frage an den Internationalen Gerichtshof auf. Beides lehnt der Iran bislang ab.


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