Der Chef der Schweizer Zentralbank fürchtet das Zusammentreffen von mehreren Krisen: Wirtschafts-, Finanz- und Immobilienkrisen könnten langfristig Schäden anrichten.

„Wie befinden uns im permanenten Krisen-Modus seit eineinhalb Jahren“, sagte der Chef der Schweizer Nationalbank (SNB), Phillipp Hildebrand, dem Schweizer Radio DRS1. Die Nationalbank müsse andauernd auf neue Entwicklungen reagieren, diese so gut als möglich abfedern und sich gleich wieder auf neue Maßnahmen einstellen.

Hildebrand erwartet, dass die Folgen der europäischen Staatsschuldenkrise schon sehr bald die Schweiz erreichen werden. Außerdem befürchtet er eine Krise auf dem Immobilienmarkt.

Hildebrand sagte: „Die Kombination einer wirtschaftlichen Krise mit einer Finanzkrise und gleichzeitigen Problemen auf dem Immobilienmarkt würden uns langfristig schaden.“

Anders als die Schweizer Nationalbank geht der Bund eher von einer Entspannung der wirtschaftlichen Lage aus. Schweizer Bankenvertreter staunen ob des Optimismus der Politiker.

Die Expertengruppe für die Konjunkturprognose des Bundes rechnet für das Jahr 2012 mit einem schwachen Wachstum des Bruttoinlandsproduktes. Sie geht davon aus, dass die Schweizer Wirtschaft im kommenden Jahr um 0,5 Prozent wachsen wird. In Zuge dessen wird sich der Expertengruppe zufolge auch die Arbeitslosigkeit im kommenden Jahr spürbar erholen. Im Jahr 2013 soll die heimische Wirtschaft dann um 1,9 Prozent zulegen. Diese Prognose geht davon aus, dass sich die Krise im Euroraum nicht weiter ausweitet.

Doch genau das hält der Chefökonom der Bank Bär, Janwillem Acket für möglich. Wie die Schweizer Depeschenagentur berichtet, riet er der Schweizer Nationalbank „ihr Pulver trocken zu halten“, um den aktuellen Frankenkurs halten zu können. Denn sollte sich die europäische Schuldenkrise wieder verschärfen, würde eine neue Flucht in den Franken einsetzt. Dann hätte die SNB alle Hände voll zu tun, die 1,20-Franken-Marke zu verteidigen, meinte Acket.

Selbst die Experten des Bundes relativierten ihre verhalten optimistische Prognose mit einem Blick auf die aktuelle Situation der Märkte: „Die hohe Nervosität an den Finanzmärkten ist ein Beleg, dass bezüglich des Risikos einer unkontrollierten Ausweitung der Krise noch keine Entwarnung gegeben werden kann.“, heisst es in Ihrer Mitteilung.

Inzwischen ist die Forderung aufgetaucht, die SNB solle den Frankenkurs noch weiter zu drücken. In einem Kommentar fordert der Ökonom vom UBS Investment Research, Reto Hünerwadel, die SNB solle den Mindestwechselkurs auf 1,25 Franken pro Euro anheben. Dies sei nötig, weil sich die Wachstumsaussichten weiter verschlechtert hätten. Er sehe dabei kein Problem, immerhin hätte die Nationalbank den derzeitigen Wechselkurs recht mühelos halten können.

Alessandro Bee von der Bank Sarasin ist anderer Meinung. Er glaubt nicht, das eine Anhebung des Wechselkurses auf 1,25 Franken viel bewirken würde. Der Franken würde zuletzt sowieso im Bereich zwischen 1,23 und 1,24 gehandelt werden. Der Effekt einer so geringen Anhebung würde wohl für die exportierende Wirtschaft kaum einen Unterschied bringen, sagte er der Nachrichtenagentur AWP.

Von der Nationalbank selbst kam bisher noch kein Hinweis auf ein weiteres Anheben des Mindestwechselkurses. Bei der Verkündung des Leitzinses hieß es lediglich, man sei weiterhin mit aller Konsequenz bereit, den Mindestwechselkurs von 1,20 Franken zu verteidigen und unbegrenzt Devisen zu kaufen. Ob auch eine Anhebung des Mindestwechselkurses zu den „weiteren Massnahmen“ zählt, welche die SNB stets in Aussicht stellt, ist unklar.


Deutsche Mittelstands Nachrichten

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