Negativpreis

Am Rande des Weltwirtschaftsforums stemmen sich Aktivisten gegen die Doppelmoral vieler Konzerne. Mit einem Schmähpreis küren sie die unsozialsten und umweltschädlichsten Firmen des Jahres.

Axpo

Foxconn

Apple

AngloGold Ashanti

Philip Morris

BP

Neste Oil

Diese Trophäe stellen sich die Manager von AngloGold Ashanti wohl eher nicht in die Vitrine. Der „Public Eye Global Award“, den der südafrikanische Minenkonzern am Freitag in Davos verliehen bekam, berechtigt zum Tragen des Titels „Übelstes Unternehmen des Jahres“. Herzlichen Glückwunsch!

Verantwortlich für die zweifelhafte Ehre sind die globalisierungskritischen Organisationen „Erklärung von Bern“ (EvB) und Greenpeace Schweiz. Sie wollen mit dem Preis ein Zeichen gegen besonders krasse Menschenrechtsverstöße und Umweltsünden von Unternehmen setzen. Dafür haben sie sich den Ort ausgewählt, an dem sich einmal im Jahr besonders viele Wirtschaftsbosse versammeln: das Weltwirtschaftsforum in Davos.

Der Schweizer Energieversorger Axpo landete bei der Online-Abstimmung auf dem sechsten Platz. Dem Unternehmen wird vorgeworfen, Uran „aus dem verstrahltesten Ort der Erde“, der russischen Wiederaufbereitungsanlage Majak, zu beziehen und dies zu verschleiern. Das animierte die Public-Awards-Macher zu dieser ironischen Werbeparodie.

Der fünfte Rang für die Arbeitsbedingungen bei Foxconn. Der taiwanesische Elektronikkonzern arbeitet unter anderem für Sony Ericsson, was zu dieser Montage im Sony Ericsson-Stil verleitete.

Auch Apple gehört zu den Kunden von Foxconn. Diese Parodie ist ebenso stylish wie böse – spielt sie doch auf Selbstmorde in der Arbeiterschaft an.

Der südafrikanische BergbaukonzernAngloGold Ashanti landete wegen seiner Methoden in Ghana bei der Online-Abstimmung auf dem vierten Rang.

Philip Morris erreichte den dritten Platz im Negativranking. Grund war die angebliche Beeinflussung der uruguayischen Regierung bei der Verabschiedung eines Raucherschutzgesetzes. Demenstsprechend bissig fällt der ausgedachte „Warnhinweis“ aus.

Eine andere Art von Nachhaltigkeit: Die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko spült BP auf den zweiten Platz der Rangliste.

Der Negativ-Favorit des Publikums: Mehr als 17 000 User stimmten für Neste Oil als fiesestes Unternehmen des Jahres. Der finnische Energiekonzern, der bald auch Treibstoff für Lufthansa herstellen soll, steht unter dem Verdacht mit Firmen zusammenzuarbeiten, die den Regenwald abholzen.

Gift in Flüssen und Brunnen

Die Jury, die sich aus Mitgliedern von EvB und Greenpeace zusammensetzt, verlieh dem Bergbauunternehmen AngloGold Ashanti den Preis „für die Vergiftung von Land und Menschen beim Goldabbau in Ghana“ mit Zyanid-Abfällen. Der Präsident der Betroffenenorganisation WACAM berichtete bei der Laudatio von Minenabfällen, die Flüsse und Brunnen kontaminieren, aus denen ganze Dörfer trinken müssen, sowie der Folter von Anwohnern. Auf Anfrage von FOCUS Online erklärte AngloGold Ashanti, in Ghana seien in der Vergangenheit Methoden angewandt worden, die „nach heutigen Standards unzureichend“ gewesen seien. Inzwischen engagiere sich das Unternehmen aber sehr für die Lebensqualität der Bewohner, unter anderem mit einem Programm zur Bekämpfung von Malaria.

AngloGold Ashanti ist nicht das einzige Unternehmen, das die Organisatoren des Negativpreises an den Pranger stellen. Bereits im August riefen sie weltweit dazu auf, sozial oder ökologisch besonders verantwortungslose Firmen zu nominieren. Daraus wählte die Jury dann sechs Vorschläge aus. Weitere für den Preis Nominierte waren der Agrotreibstoffproduzent Neste Oil, BP als Verursacher der Ölpest im Golf von Mexiko und der Tabakkonzern Philip Morris, wegen dessen angeblicher Intervention gegen ein Raucherschutzgesetz in Uruguay. Außerdem dabei: Der taiwanesische Elektronikhersteller Foxconn, der unter anderem für Apple, Dell, HP, Nintendo, Nokia, Sony Ericsson und Motorola produziert und bei dem die Arbeitsbedingungen so schlecht sein sollen, dass sich Mitarbeiter das Leben nahmen. Und schließlich der Schweizer Stromversorger Axpo, dem vorgeworfen wird, Uran aus der russischen Wiederaufbereitungsanlage Majak zu beziehen und diese Praxis zu verschleiern.

Treibstoffkonzern Neste Oil „gewinnt“ den Publikumspreis

Neben dem Jurypreis gab es auch einen Publikumspreis. Mehr als 50'000 Menschen stimmten online ab und wählten Neste Oil zum schlimmsten Übeltäter. Der finnische Konzern kauft in großem Stil Palmöl in Indonesien und Malaysia ein und produziert daraus Biodiesel, der in Europa verkauft wird. Die Bezeichnung „Green Diesel“ ist den Organisatoren des Preises zufolge aber schwer irreführend, da bei der Palmölgewinnung Regenwälder zerstört würden. Neste Oil weist die Vorwürfe zurück. Das Unternehmen stelle sich gegen die Zerstörung von Regenwald und die schlechte Behandlung der Ureinwohner und verwende nur verantwortlich hergestelltes Palmöl, heißt es in einer Pressemitteilung.

Bei der Verkündung der Preise mit dabei war auch Daniel Domscheit-Berg. Der ehemalige Wikileaks-Mitarbeiter und Gründer des Projekts OpenLeaks warb für mehr Transparenz und Ethik bei Unternehmen. Wer Transparenz nicht von oben etabliere, laufe zunehmend Gefahr, dass sie von unten durch Whistleblower (Indiskretionen von Mitarbeitern) geschaffen werde, sagte Domscheit-Berg.


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