Sozial ist, was Arbeit schafft …?

So oder ähnlich versucht uns die Parteipropaganda mit ihren Wahlplakaten einzufangen.

Unterstellt wird bei einer solchen Aussage, man hätte das grösste Glück der Erde erreicht, wenn man den ganzen Tag arbeiten darf. Schon seit frühester Kindheit wurde uns eingeimpft: «Wer Geld verdienen will, muss arbeiten!» Warum gibt es Menschen, die ihr ganzes Leben lang nur schuften und niemals auf einen grünen Zweig kommen, während andere Personen niemals gearbeitet haben und immer in Saus und Braus leben können? Erben haben bekanntlich ungleich bessere Chancen auf ein sorgenfreies Leben, als die, die in der x-ten Generation nur durch Arbeit ihren Lebensunterhalt bestreiten müssen. Erben können systembedingt völlig rechtens ihr Leben ohne Arbeit verbringen. Trotzdem muss man auch einmal das System an sich auf Gerechtigkeit überprüfen. Vorhandenen Reichtum aufzuzehren ist eine legitime Angelegenheit.

Doch der permanente Geldfluss, der von der arbeitenden Bevölkerung zu den Systembezügern stattfindet und immer stärker wird muss dringend hinterfragt werden. Etwa 20% der Bevölkerung sind im Erwerbsleben. Die restlichen 80% leben von diesen fleissigen Menschen. Sie leben von einem bedingungslosen Einkommen, wie Rente, Ergänzungsleistung, Arbeitslosenhilfe, Sozialhilfe, Kinder- und Familienzulagen, Transferbezüge (Partner/Familie, die vom Einkommen des Anderen leben) oder von Zinsen auf Guthaben [...].

Der oft zitierte Satz, dass die Reichen das Geld von den Armen nehmen ist falsch. Die Armen haben ja nichts, das man ihnen wegnehmen könnte! Richtig ist: Reiche und Arme nehmen das Geld von den Fleissigen! Arbeitslos sind die bis ca. 20. Jährigen, Pensionierte, Transferbezüger sowie Diejenigen, die aufgrund ihrer körperlichen oder sozialen Voraussetzungen arbeitsunfähig sind. Also ca. 50% der Bevölkerung. Die Restlichen 30% sind arbeitsfähige Wohlhabende, die sich vorzeitig in den Ruhestand begeben konnten und/oder sich ein Leben durch Zinsen leisten, Zinsen, die wiederum durch die Fleissigen zwangsweise erwirtschaftet wurden. Ausserdem sind viele Menschen in Ämtern, die sinnlose Arbeiten ohne Wertschöpfung verrichten. Menschen die Formulare verschieben, Ressourcen verschwenden für Dinge die Niemand braucht und bei dieser Arbeit auch noch unzufrieden sind.

Erfolg kommt von «erfolgen». Durch Leistungen (geistig und körperlich) entsteht Wohlstand und irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem die Bedürfnisse zur Abdeckung der Notwendigkeit (Wärme, Nahrung, soziale Sicherheit) der Menschen weitgehend befriedigt sind. Unser Problem ist, dass wir Geld an Arbeit koppeln. Aber es wird nicht mehr genügend Arbeit geben und es wird auch nie wieder so sein, weil die Maschinen uns die Arbeit wegnehmen! Gut so, da können wir Menschen endlich die Dinge tun, die nur wir Menschen tun können. Es gibt doch Arbeit genug. Wenn wir aber Arbeit an Geld koppeln, dann bedeutet das, dass jemand der keine Arbeit mehr hat, einfach ins Elend abrutscht. Menschen und Maschinen erwirtschaften Gewinne. Aber die Gewinne werden einseitig an die Kapitaleigner verteilt, die diese Profite in technischen Fortschritt investieren, um danach die Menschen, die den Erfolg erst ermöglicht haben, auf die Strasse zu setzen.

Diese Ungerechtigkeit ist einfach und verständlich, auch wenn sie unsere Denkweise auf den Kopf stellt. Die Menschen wollen in erste Linie keine Arbeit, sondern ein Einkommen. Aus Angst vor Arbeitslosigkeit sind deshalb mittlerweile extrem viele «Einkommensplätze» entstanden, die keinen Sinn machen. Jobs, die man in einem neuen System einfach abschaffen könnte, ohne die Teilhabe am gesellschaftlichen Wohlstand zu gefährden. Denken wir nur an die vielen Menschen in der Steuerverwaltung, Wirtschaftsprüfung, Finanzindustrie usw., die eigentlich nur unproduktive Arbeiten erledigen. Aber auch z.B. die Krankheitsindustrie, deren Hauptaugenmerk darauf liegen muss(!), die Menschen langfristig krank zu halten, um die Arbeit dieser Branche unersetzbar zu machen.

Mit ein wenig Vorstellungskraft wird klar, dass dann mit wesentlich weniger Arbeit für alle gleichzeitig mehr Wohlstand möglich ist. Eine tatsächliche Neuordnung würde ein bedingungsloses Grundeinkommen beinhalten, welches nicht als Sozialleistung gemeint ist.

Es ist ein kollektiver Anspruch auf Werte, die von vorherigen Generationen geschaffen wurden und von denen alle nun teilhaben sollen.

Das Ziel der wirtschaftlichen Aktivitäten sollte die Befreiung von der Arbeit sein!

Nun kommt natürlich gern der Einwand, dass ein bedingungsloses Grundeinkommen gar nicht finanzierbar sei.

Unser heutiges Soziales-Geldsystem hat die Aufgabe, eine gigantische Transferleistung von Fleissig nach Reich zu finanzieren. Manch einer hat sein Geld zusammengespart – war einmal fleissig – und will nun davon leben. Menschen, die ihr Erspartes in der Matratze oder im Kühlschrank versteckt haben können davon aber nicht lange leben. Unser Erspartes ist auf der Bank nicht real vorhanden. Reales Geld ist lediglich das, was wir am Geldautomaten oder am Bank-/ Postschalter in Noten und Münzen erhalten. Dieses reale Geld reicht aber nicht, allen Menschen ihr Erspartes auszuzahlen! Angelegtes Geld, wird mittels Verzinsung bei der Kreditvergabe durch die Banken vermehrt. Die Zinsen dafür zahlen wiederum die Fleissigen. Wir zahlen mit den Produkten einen Zinsanteil zurück.

Die Zinsen, die von den Produzenten und Händlern bezahlt werden müssen, machen schon über 30% des Verkaufspreises aus! Ein nie endendes Schneeballsystem ist im Gange. Die Schweizerische Nationalbank hat keine Kontrolle über das virtuelle Geld. Es sind die Banken die ganz legal virtuelles Geld herzustellen können und in fast beliebiger Menge verteilen. Geld entsteht nicht aus Arbeit, sondern aus «Giralgeld». Geld, das auf den Bank- und Postkonten verbucht ist und bei Bedarf von Konto zu Konto transferiert wird. Das meiste Geld steckt heute in «Finanzprodukten», es ist virtuelles Geld, das keinen realen Wert präsentiert und bei einem Finanz-Crash vernichtet wird. Die Vernichtung des virtuellen Geldes hat aber schliesslich für den Anleger reale Folgen!

Ein weiterer Einwand ist, dass dann keiner mehr arbeiten will. Wir sprechen aber nicht von einem bedingungslosen Spitzeneinkommen! Es heisst Grundeinkommen und wird von der Höhe her so bemessen, dass niemand mehr zur Arbeit gezwungen sein wird.

Unser existierendes Sozialsystem ist nicht bedingungslos. Denn erst ein bedingungsloses Grundeinkommen befreit die Menschen, mind. teilweise vom Arbeitszwang sowie von der Ausgrenzung als Bedürftige. Wer innerlich gekündigt hat, der kann es dann auch äusserlich tun. Der Mensch ist von Natur aus ehrgeizig und wird weiterhin mehr erreichen wollen, auch wenn er es nicht muss. Umfragen bestätigen, dass die meisten Menschen weiterhin arbeiten würden. Auch die Kreativität der Menschen wird stark ansteigen, wenn die heutigen Existenzängste verschwinden würden. Es gibt kein Grund anzuzweifeln, dass genau so viele Menschen ihre Eigenverantwortung wahrnehmen werden wie heute.

Ein bedingungsloses Grundeinkommen bietet eine reale Freiheit. Mehr Chancengleichheit und grössere Leistungsgerechtigkeit. Diese Befreiung kann innovative Kräfte entfalten. Ein Mehr an Autonomie würde wegen des Verwirklichungs-Charakters einen neuen Umgang mit ökologisch zweifelhafter Arbeit ermöglichen. Auch könnte die Frage neu beantwortet werden, ob und wie man zwischen Erwerbs- und Erziehungsarbeit, Ehrenamt, künstlerischer Betätigung oder Pflegetätigkeiten hin- und herwechseln kann. Erst durch ein garantiertes Grundeinkommen können Menschen wirklich frei entscheiden, was sie tun wollen. Bedingungsloses Einkommen ist also Geld für wirkliche Freiheit.

Vor allem Mütter und Erziehende, die wohl die wichtigste Aufgabe in einer Gesellschaft erfüllen, können dann, wenn sie es wollen, bei den Kindern bleiben, wobei gerade diese Leistungsträger aus meiner Sicht einen zusätzlichen Bezug erhalten müssten. Eine Mutter braucht ohnehin in unserer Gesellschaft wieder eine höhere Anerkennung.

Würdest du dich für die Faulheit entscheiden, wie Kritiker des Grundeinkommens behaupten? Diese Frage bleibt bis zur Einführung offen – und ist bis dahin vom jeweiligen Menschenbild abhängig. Denn es gibt viele weitere Gründe zu arbeiten, etwa soziale Integration, Selbstverwirklichung, Stolz oder Anerkennung. Ein bedingungsloses Grundeinkommen würde den meisten wohl nicht reichen. Die Furcht vor einer Horde Sozialschmarotzer, die die Gemeinschaft ausbeuten, ist jedenfalls unbegründet. Und die wenigen, die mit einem Grundeinkommen wirklich nicht arbeiten wollten, sollten trotzdem essen können – bedingungslos. Das ist zutiefst humanistisch und damit in gewissem Sinne auch liberal, weil es den einzelnen Menschen in den Mittelpunkt stellt.

Die Frage: «Und wer macht dann die ganze harte Arbeit?» ist leicht zu beantworten. Diese Tätigkeiten werden dann eben höher bezahlt und erreichen schon allein dadurch das Ansehen, das sie verdienen. Es ist ja überhaupt nicht einzusehen, dass beispielsweise Pflegefachpersonal, Bau- und Gemeindearbeiter oder ein Ingenieur weniger verdienen und weniger Ansehen bekommen soll, als jemand, der im Glaspalast sitzt und sich durch Lug und Trug an seinen Mitmenschen bereichert.

Was unter den heutigen Rahmenbedingungen idealistisch klingen mag, ist in einer tatsächlichen Neuordnung real umsetzbar. Man muss nur die eingefahrenen Irrwege verlassen und darf sich das bisherige Finanz- und Sozialsystem nicht isoliert unter heutigen Rahmenbedingungen vorstellen. Die Vorstellungskraft ist gefragt, um diese gesamten Zusammenhänge vollständig zu erfassen.

Auch über die Finanzierung des Grundeinkommens wird heftig gestritten.

Doch aufgrund des hohen Produktionsniveaus und unter dem Eindruck etlicher seriöser Studien scheint dies eher eine Frage des politischen, denn des ökonomischen Willens. Die Studien gehen davon aus, dass das Grundeinkommen bei entsprechender Besteuerung und der Integration der bestehenden Sozialleistungen bezahlbar ist. Wir müssen darüber nachdenken, was wir unter der Idee der Freiheit verstehen. Wir brauchen einen völlig anderen Gesellschaftsvertrag! Wir brauchen ein anderes Wirtschaftssystem! Ich will nicht zum Sozialismus zurück! Ich will nicht zum Kommunismus zurück! Aber ich will raus aus dem einseitigen Kapitalismus!

«Um den Kreislauf des Geldes aufrecht zu erhalten, werden irgendwann die Konzerne gezwungen sein, das Geld, das sie mit dem Einsatz von Computern und Robotern erwirtschaften, wieder an Menschen zu verteilen, die durch die 4. industrielle Revolution arbeitslos geworden sind!»

Bedingungsloses Einkommen ist keine Neueinführung sondern lediglich eine Veränderung des Systems.

...bedenkenlos sicher nicht aber realisierbar.

Mensch erwache.


Kurt Spalinger-Røes, Aeschstrasse 13, CH-5610 Wohlen, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

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