Die Akteure:

Folgende Personen treten auf (in der Reihenfolge):

  • Alicia, Journalistin in Buenos Aires, chattet mit Sophía, Historikerin in Washington, über Wahrheit und Macht.
  • Puffmutter in Kairo (1937).
  • William Mosetti, der Mann für alle Fälle. 1914: geboren in einer oberitalienischen Patrizierfamilie. 1935: Offizier Mussolinis im Abessinienkrieg. 1939: Standard Oil (ab 1940 für Rockefeller im neutralen Argentinien). 1943: Geheimdienst der US Army, danach US-Militärregierung in Stuttgart. 1949: Mobil Oil (ab 1955 in Belgisch Kongo), bis ihn Daimler-Benz engagiert. 1960: Generaldirektor von Mercedes Benz Argentina (mit Nazigeldern gegründet und 1955 beschlagnahmt). Mosetti hilft. Zu erst den Deutschen, dann Israel. Die CIA ärgert sich bis heute über ihn.
  • Adolf Eichmann, der erst mit den Zionisten die Auswanderung der Juden nach Palästina betreibt, dann Buchhalter des Holocausts wird und 1950 nach Argentinien geht. Im Naziexil hat sein Wort Gewicht, aber er begeht Fehler. Er redet zu viel, überschätzt sich selbst und glaubt, er könne bei einem großen Geschäft mitreden. Der Bundesnachrichtendienst liefert ihn der CIA ans Messer, Eichmann droht mit seinen „friends“, und am Ende stopft man ihm das Maul.
  • Vertreter der Jewish Agency, die in Eichmanns „Zentralstelle für Auswanderung“ im besetzten Wien zu retten versuchen, wer zu retten war.
  • Jorge Antonio, rechte Hand von General Perón, Schlitzohr, Strohmann der deutschen Industrie und Gründer von Mercedes Benz Argentina (1951). Vier Jahre später wird Perón aus dem Amt geputscht, Antonio verhaftet und das Mercedes-Imperium beschlagnahmt. Antonio erzählt, wie Eichmann nach Israel befördert wurde.
  • Ingenieur von Daimler-Benz, der in Argentinien Nazigeld wäscht und an sensiblen Technologien arbeitet, die in Deutschland verboten sind.
  • Beamter aus dem Bonner Wirtschaftsministerium, der unter der Anleitung von Ludwig Erhard das Geldwäsche-Unternehmen koordiniert.
  • Willem Sassen, ein niederländischer Kriegsverbrecher, der Eichmann zur „Endlösung“ interviewt.
  • Direktor von Daimler-Benz, der 1960 ein Dreiecksgeschäft vorbereitet. Benötigt werden Patente zur „Uranmaschine“, schweres Wasser und Natururan.
  • Vertreter der israelischen Regierung, der 1960 nach Argentinien fährt, um das israelische Atomprogramm zu retten. (Was ihm dort auch gelingt).

Es sprechen (u.a.):

  • Carry und Franzi, Brüder des Hauptdarstellers William Mosetti. Carry ist Goebbels' persönlicher Adjutant beim Hitlerbesuch 1938 in Neapel. Danach an der italienischen Botschaft in Berlin. Franzi leitet in Alessandria das Office des Lloyd Triestino und ist bis heute äußerst charmant.
  • William Negley, Anfang der vierziger Jahre bei Standard Oil of New Jersey. Danach Tierschützer in Uruguay. Im Mai 1960 leiht er einem Kumpel das Flugzeug seines texanischen Schwiegervaters.
  • Tom Flores, der Station Chief der CIA in Montevideo.
  • Eliyahu Cohen, israelischer Geheimagent, 1965 in Syrien aufgehängt.

Die Dialoge sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig, ließen sich aber nicht vermeiden.

Einleitung:

Meine Recherche begann 1999, als ich für eine Hörfunk-Sendung Informationen sammelte, wie Mercedes Benz Argentina während der Militärdiktatur (1976-83) vierzehn Betriebsräte verschwinden ließ. Sie führte mich zu den Anfängen der Firma, die 1951 mit Nazigeldern von der rechten Hand Peróns, Jorge Antonio, gegründet worden war. Dort war der Kriegsverbrecher Adolf Eichmann angestellt.

Ich erkannte, dass die Darstellung des israelischen Geheimdienstes Mossad, Eichmann wegen der Gerechtigkeit aus Argentinien entführt zu haben, nicht wahr sein kann.

Adolf Eichmann ist der rote Faden der Aufführung. Und immer wieder stoße ich auf den geheimnisvollen William Mosetti. Ihre Wege kreuzen sich in Kairo, Bariloche und Buenos Aires. Beide hatten, zu verschiedenen Zeitpunkten, dieselben Arbeitgeber: Erst Standard Oil und dann Daimler-Benz.

Ich beschreibe Eichmann in den verschiedenen Etappe n seines Lebens. Als überzeugter SD-Funktionär organisiert er, in Kooperation mit Repräsentanten des Zionismus, die Auswanderung der Juden nach Palästina. Ab 1938 leitet er in Wien die „Zentralstelle für Auswanderung“; von „freiwilliger“ Emigration ist keine Rede mehr, Terror steht auf der Tagesordnung. Wenige Jahre später koordiniert er, als effizienter Buchhalter, den Abtransport in die Vernichtungslager. Im zweiten Teil geht es um sein argentinisches Exil.

Ich habe die Form des Theaterstückes gewählt. Sie erlaubt mir, Szenen im Dialog zu kommentieren, wie das Interview mit dem Kriegsverbrecher Sassen, das zwar gekürzt aber fast unverändert in einem Akt dargestellt ist. Für das Verständnis der Ereignisse muss Eichmanns subjektive Perspektive dargestellt werden: das Unvermögen, seine Schuld zu ermessen und die völlige Fehleinschätzung seiner eigenen Person und der Weltlage.

1960, als Eichmann verhaftet wurde, verjährte Mord nach zwanzig Jahren. Spätestens 1965 wollten Eichmann und seine Kameraden heim ins Reich, das inzwischen die Bundesrepublik geworden war.

Was war der Grund für seine Verhaftung, wenn nicht seine Rolle im Holocaust?

Meine Recherchen führten mich zur israelischen Atombombe. Sie hätte ohne Hitlers Wissenschaftler, die Technologie des „Uranprojekts“ und das argentinische Uran nicht gebaut werden können.

Die Bühne ist zweigeteilt. Links das Arbeitszimmer der Journalistin und davor, als virtuelle Kulisse, eine Leinwand. Für das kleine Theater tut's ein Fernseher. Das Zimmer ist spärlich ausgestattet: ein Schreibtisch, ein Telefon und ein Computer samt Mikrophon, Scanner und Webcam. Die Zuschauer sehen auf der Leinwand Alicia, die von ihr eingescannten Dokumente und die Chats mit Sophía.

In der anderen Hälfte der Bühne wird gespielt – historische Szenen, die auf Archivmaterial beruhen aber hier der Vorstellungskraft Alicias entspringen.

Beleuchtet wird die Szene, die gerade gespielt wird. Wenn Alicia chattet, wird historische Teil von einem Vorhang verdeckt. Die Schauspieler der historischen Szenen sind schwarz gekleidet. Einige bleiben anonym. Sie vertreten Regierungen oder Konzerne. Andere tragen Namen von Personen, die es real gegeben hat.

Warum kein Drehbuch für einen Film? Ich fürchtete, niemand würde ihn produzieren. Ich lege mich mit „Big Car“ (Daimler AG) an, mit „Big Oil“ (Standard Oil, ExxonMobil) und „Big Money“ (Deutsche Bank und Rockefeller) sowie mit Israel. Die Regierung in Tel Aviv benutzt die „Entführung“ Eichmanns, um ihre (späteren) Verletzungen internationalen Rechts zu rechtfertigen. Und nun stellt sich ein großer Teil ihrer Behauptungen als Lüge heraus.

Wird eine Lüge zur Wahrheit, in dem sie tausend mal wiederholt wird?

Was ist Wahrheit?

Wie können wir uns der Wahrheit nähern?

Werden wir am Ende die Beteiligten zur Wahrheit zwingen?

Historische Prozesse sind selten gradlinig, schwarz oder weiss. Die Akteure haben unterschiedliche Interessen und Perspektiven, und sie ändern sich im Verlauf der Geschehnisse. Deshalb ist der „timetable“ von zentraler Bedeutung: was war zu welchem Zeitpunkt passiert? Und was war von dem, was wir heute wissen, damals noch nicht passiert?

Der Gegenstand der Recherche ist komplex. Das macht die Darstellung schwierig. Kann die Komplexität im Theater gezeigt werden? Wollen die Zuschauer die Widersprüchlichkeit wissen oder ziehen sie einfache Weltbilder vor?

Sophía fragt: was weisst du, was glaubst du zu wissen? Benutz deinen Verstand, um herauszufinden, was war. Dann wirst du wissen, wo sich die Dokumente befinden. Such sie dort!

Macht uns die Wahrheit frei oder fürchten wir uns vor ihr, weil wir sie nicht ertragen? Weil sie zum Handeln auffordert? Oder weil wir seit Sokrates wissen, dass die konsequente Anwendung der Logik bestraft wird? Manchmal mit dem Giftbecher.

ISBN: 978-3-00-025223-5
Erste Auflage: Oktober 2008

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