Kapitel 43

Der zionistische Staat

Nachdem sich die Revolution dank der Komplizenschaft der Westallierten in der östlichen Hälfte Europas eingenistet hatte, streckte sie nach Schlangenart ihre Zunge aus – über das Mittelmeer hinweg in jenes kleine Land, das den Namen Palästina trägt. Für die finanzielle und logistische Unterstützung des zionistischen Projekts kam der Westen auf, doch die beiden unentbehrlichsten Dinge zu seiner Verwirklichung lieferte die Revolution: Die Menschen, welche die Invasion durchführten, und die Waffen, die den Eindringlingen den Sieg sicherten.

So wichtig die Hilfe aus dem Westen für die Zionisten auch war - dass sie ihren Staat gründen und so die levitische Doktrin von der „Rückkehr“ verwirklichen konnten, war in erster Linie der Revolution zu verdanken. Da die anglo-amerikanischen Staatsoberhäupter schon in der ersten Phase des Zweiten Weltkriegs öffentlich jeden Gedanken an territoriale Expansion von sich gewiesen und somit dieselbe Politik wie nach dem Ersten Weltkrieg verfolgt hatten, waren die UdSSR und der internationale Zionismus die einzigen Mächte, die ihren Sieg in territorialen Gewinn umzumünzen vermochten. Das Ergebnis waren ein gespaltenes Europa und ein gespaltenes Palästina, zwei permanente Krisenherde, von denen aus jederzeit ein dritter Weltkrieg provoziert werden kann.

Wie dem Leser erinnerlich sein dürfte, steckte der Zionismus in den Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg in Palästina in einer lebensbedrohlichen Krise. Anno 1939 hatte das britische Parlament angesichts des augenscheinlichen Scheiterns des Projekt zur Schaffung einer „jüdischen Heimstatt“ beschlossen, das nicht lebensfähige „Mandat“ aufzugeben, in Palästina Parlamentswahlen durchzuführen, an denen sich alle Bevölkerungsgruppen (Araber, Juden und andere) beteiligen durften, und das Land anschliessend zu räumen. Doch als Winston Churchill 1940 Premierminister geworden war, teilte er Chaim Weizmann (laut dessen eigener, unbestrittener Darstellung) mit, er unterstütze die zionistischen Bestrebungen, nach dem Krieg in Palästina einen Staat für drei bis vier Millionen Juden zu gründen.

Im allgemeinen hat Churchill die parlamentarische Regierungsform voll und ganz respektiert, aber in diesem Fall setzte er sich eigenmächtig über politische Beschlüsse hinweg, die nach einer ausführlichen Debatte vom Unterhaus gefällt worden waren. Seine aussergewöhnlichen Befugnisse als Kriegspremier machten dies möglich. Nachdem sich Weizmann der britischen Schützenhilfe versichert hatte, begab er sich in die USA, wo er gemeinsam mit seinen Helfern so viel Druck auf die amerikanischen Politiker ausübte, dass sie seiner Forderung nach Bewaffnung der jüdischen Siedler schliesslich zustimmten.

Wie erinnerlich lehnten die britischen Behörden in Palästina eine solche Politik strikt ab, während Churchill sie entschieden befürwortete.

In seinen Memoiren macht Churchill kein Hehl daraus, dass er den Zionisten das ganze Jahr 1944 hindurch eifrig Schützenhilfe leistete. „Es ist allgemein bekannt, dass ich unter keinen Umständen bereit bin, die Versprechen zu brechen, welche die britische Regierung den Zionisten in der Balfour-Deklaration gemacht hat und die ich als Kolonialminister im Jahre 1921 modifiziert habe. Ohne vorherige ausführliche Diskussion im Kabinett kommt kein Kurswechsel in Frage“, erklärte er am 29. Juni 1944. In der Tat war dem 1939 eingeläuteten Kurswechsel eine „ausführliche Diskussion im Kabinett“ (sowie im Parlament) vorausgegangen.

Churchill zog es jedoch vor, die damals gefassten Beschlüsse zu ignorieren und zu der früheren Palästina-Politik zurückzukehren. Sein Vorgehen wirkt wie ein Echo des vielsagenden Ausspruchs, den ein anderer ehemaliger Kolonialminister, Leopold Amery, dereinst getan hatte: „Diese Politik darf nicht geändert werden.“

Hier noch einige aufschlussreiche Zitate Churchills aus dem Jahre 1944:

„Es unterliegt keinem Zweifel, dass dies [die Behandlung der ungarischen Juden] wahrscheinlich das grösste und grässlichste Verbrechen der ganzen Menschheitsgeschichte ist… Alle Beteiligten an diesem Verbrechen, die in unsere Hände geraten, einschliesslich jener, die lediglich Befehle befolgten, indem sie die Schlächterei durchführten, haben ihr Leben verwirkt, wenn ihre Beteiligung an den Morden nachgewiesen ist… Es sollten öffentliche Erklärungen erfolgen, damit jeder, der mit diesen Dingen etwas zu tun hat, zur Strecke gebracht und hingerichtet wird.“ (11. Juli 1944.) Wie sein Aussenminister Anthony Eden und der amerikanische Präsident Roosevelt dachte Churchill, wenn er von Tötungen sprach, einzig und allein an solche von Juden und schwieg sich über das Schicksal anderer Opfergruppen aus, mit dem Ergebnis, dass kein Hahn nach diesen krähte. Wie wir im letzten Kapitel nachgewiesen haben, gehörten die Juden übrigens nicht nur zu den Opfern, sondern stellten auch eine erhebliche Zahl von Tätern.

Hier zwei weitere Churchill-Zitate: „Es ist mir sehr daran gelegen, unverzüglich auf Dr. Weizmanns Bitte um die Aufstellung einer kämpfenden jüdischen Truppe zu antworten, die er in seinem Brief vom 4. Juli geäussert hat.“ (12. Juli 1944.) „Ich bin voll und ganz dafür, dass den Juden die Möglichkeit geboten wird, es den Mördern ihrer Stammesgenossen in Mitteleuropa heimzuzahlen, und ich bin mir sicher, dass dies auch in den USA auf Beifall stossen wird. Meiner Ansicht nach hegen die Juden selbst den Wunsch, überall gegen die Deutschen zu kämpfen. Schliesslich sind es die Deutschen, an denen sie Vergeltung üben wollen.“ (26. Juli 1944.) Wenn Dr. Weizmann die Wahrheit gesagt und Churchill wirklich die Gründung eines Staates in Palästina befürwortet hat, der „drei oder vier Millionen Juden“ aufnehmen konnte, muss er sich bewusst gewesen sein, dass sich die Wucht der jüdischen „Vergeltung“ nicht in erster Linie gegen die Deutschen, sondern gegen die palästinensischen Araber richten und dass eine „kämpfende jüdische Truppe“ mit weitaus grösserer Wahrscheinlichkeit ihr Mütchen an den Arabern kühlen als sich den Deutschen auf dem Schlachtfeld stellen würde.

Churchills letzte dokumentierte Äusserung als Kriegspremier erfolgte nach dem Ende der Kampfhandlungen: „Die ganze Palästinafrage muss am Konferenztisch gelöst werden. Ich glaube nicht, dass wir die Verantwortung für diesen schwierigen Ort auf uns nehmen sollten, während die Amerikaner die Hände in den Schoss legen und nichts weiter tun, als zu meckern. Haben Sie sich je gefragt, ob wir sie nicht darum ersuchen sollten, die Sache selbst in die Hände zu nehmen?... Ich bin mir nicht bewusst, dass Grossbritannien aus dieser schmerzlichen und undankbaren Aufgabe je auch nur der geringste Nutzen erwachsen wäre. Jetzt sollte jemand anderes den Laden schmeissen.“ (6. Juli 1945.)

Ebenso wie Roosevelts scherzhafte Bemerkung gegenüber Stalin, die einzige Konzession, zu der er gegenüber König Ibn Saud bereit sei, bestehe darin, ihm die sechs Millionen amerikanischen Juden zu schenken, enthüllen diese Worte, was die Mächtigen der westlichen Welt, die sich als gehorsame Laufburschen der Zionisten betätigten, im Grunde ihres Herzens dachten. Churchill wünschte sehnsüchtig, den Schwarzen Peter an die Amerikaner weitergeben zu können; Roosevelt hätte sich das Problem ebenso gerne vom Hals geschafft, wenn er dies gekonnt hätte. Die entlarvenden Aussagen, zu denen sich diese beiden Staatsmänner unbedachterweise hinreissen liessen, zeigen, dass sie in derselben Lage waren wie ein Zirkusclown, dem es einfach nicht gelingen will, den ihm angeklebten Fliegenfänger abzustreifen. Seinem eigenen Eingeständnis zufolge war sich Churchill „nicht bewusst, dass Grossbritannien aus dieser schmerzlichen und undankbaren Aufgabe je auch nur der geringste Nutzen erwachsen wäre“. Doch bei seinen öffentlichen Auftritten, die von den Zionisten natürlich mit Argusaugen verfolgt wurden, steuerte - und steuert er bis zum heutigen Tage [d.h. 1956; der Übersetzer] - einen so extrem prozionistischen Kurs, dass sich sogar gewisse jüdische Kritiker verwundert nach seinen Beweggründen fragten. (Auf dieses Thema kommen wir noch zurück.)

Zum Zeitpunkt, wo Churchill in seinem letzten Memorandum als Kriegspremier für eine Lösung der Palästinafrage „am Konferenztisch“ warb, war dies längst nur noch eine hohle Phrase, die beinahe komisch wirkte. Die Sache war längst entschieden, denn die Zionisten verfügten mittlerweile über genügend nach Palästina geschmuggelte Waffen. Sowohl in Grossbritannien als auch in den Vereinigten Staaten von Amerika waren die beiden grössten Parteien bereit, jeden beliebigen Terror- und Aggressionsakt zu bejubeln, der mit diesen Waffen verübt wurde.

Dies galt insbesondere für die Sozialistische Partei Englands, die im Sommer 1945 die Regierungverantwortung übernommen hatte und von der die Entwicklung in Palästina deshalb in erster Linie abhing. Im englischen Mutterland hat sich die Labour Party seit jeher als Verteidigerin der Armen, der Wehrlosen und der Unterdrücken gebärdet; sie war von Anfang an für existenzsichernde Renten, Arbeitslosengeld, unentgeltliche medizinische Versorgung sowie staatliche Unterstützung der Mittellosen eingetreten. Als sich der Zweite Weltkrieg seinem Ende zuneigte, erkannte diese Partei, dass sich ihr realistische Chancen auf einen Wahlsieg boten. Wie ihre Rivalen von der Konservativen Partei (und auch die beiden grössten Parteien in den USA, die Demokraten und die Republikaner) waren die englischen Sozialisten offenbar der Meinung, das Ergebnis der kommenden Wahlen sei noch offen, und eine bedingungslose Unterstützung der Zionisten werde ihre eigenen Chancen schlagartig erhöhen. Somit machten sie es zum Kernpunkt ihrer aussenpolitischen Agenda, Menschen, die noch ärmer, verlassener und rechtloser waren als die britischen Arbeiter zu den dunkelsten Zeiten der Industriellen Revolution, aus einem fernen kleinen Land zu vertreiben. 1944 proklamierte Sozialistenführer Clement Attlee das neue Glaubensbekenntnis des britischen Sozialismus: „Die Araber sollen zum Wegziehen und die Juden zum Einwandern ermutigt werden. Man soll den Arabern eine anständige Entschädigung für ihr Land zahlen und ihre Umsiedlung an einen anderen Ort sorgfältig organisieren und grosszügig finanzieren.“ Zwölf Jahre später haust annähernd eine Million dieser Vertriebenen in den Nachbarstaaten ihrer verlorenen Heimat immer noch unter erbärmlichen Bedingungen in Flüchtlingslagern, aber den britischen Sozialisten reicht dies offenbar nicht, spenden sie jedem neuen Aggressionsakt gegen die Palästinenser doch eifrigen Beifall.

Als Attlee den erwähnten Ausspruch tat, wussten er und seine Partei sehr wohl, dass die Zionisten unter dem Vorwand, sie wollten sich am Krieg gegen Deutschland beteiligen, grosse Mengen an Waffen horteten, um Palästina gewaltsam erobern zu können. Der damalige Oberbefehlshaber über die britischen Truppen in Palästina, General Archibald Wavell, hatte Churchill geraume Zeit zuvor darüber in Kenntnis gesetzt, dass die Juden in einem Krieg, in den sich keine fremden Mächte einmischten, den Sieg über die Araber davontragen würden, weil diesen niemand Waffen lieferte. Wavells Auffassung spiegelte diejenige der gesamten britischen Verwaltung in Palästina wider. Dass Chaim Weizmann den General nicht ausstehen konnte, ist wahrlich kein Wunder, und wie wir im Zusammenhang mit den Geschehnissen des Ersten Weltkriegs gesehen haben, war es selbst für hochgestellte Persönlichkeiten gefährlich, den Ingrimm des Herrn Dr. Weizmann zu erwecken.

In der offiziösen britischen History of the War in the Middle East wird Wavell als „einer der grössten Befehlshaber der Militärgeschichte“ gerühmt. Dieser Quelle zufolge litt der General unter der erdrückenden Verantwortung, die auf seinen Schultern lastete, und das Gefühl, dass ihm Churchill nicht vollständig vertraute, machte diese Last noch schwerer. In der Tat bombardierte der Premierminister den Oberbefehlshaber seiner Streitkräfte im Nahen Osten pausenlos mit „irritierenden“ und „überflüssigen“ Telegrammen über „Detailfragen“ Wavells Versetzung nach Indien, die de facto einer Bestrafung gleichkam, könnte sehr wohl auf zionistische Intrigen zurückzuführen gewesen sein (beweisen lässt sich dies nicht, doch spricht vieles für diese Hypothese). Auf die Schlagkraft der britischen Truppen in Palästina wirkte sich Wavells Abberufung sehr negativ aus.

Andere Kritiker der zionistischen Pläne und Methoden kamen nicht mit einer Strafversetzung davon, sondern wurden schlicht und einfach ermordet. Einer von ihnen war Lord Moyne, der 1944 einem Attentat zum Opfer fiel. Zum damaligen Zeitpunkt war er als Kolonialminister für Palästina verantwortlich (sein Vorgänger war der 1941 verstorbene Lord Lloyd gewesen, den Churchill rüde attackiert hatte, weil es ihm an Begeisterung für die Bewaffnung der Juden mangelte). Lord Moyne, ein ungeheuer populärer Mann, stand dem Judentum durchaus positiv gegenüber, war jedoch wie alle seine verantwortungsbewussten Vorgänger der Überzeugung, dass das zionistische Unterfangen in Palästina nur mit einer Katastrophe enden könne. Aus diesem Grund, sowie infolge seines Mitgefühls für die Unterdrückten, erwog er, den Uganda-Plan aus der Schublade zu holen und Juden, die tatsächlich eine neue Heimstatt benötigten, die Übersiedlung in jenes ostafrikanische Land zu ermöglichen.

Durch diese humane Haltung zog sich Lord Moyne den tödlichen Hass der Zionisten zu, die nicht gewillt waren, auch nur ein Deut von ihrem Plan zur Gründung eines Judenstaates in Palästina abzuweichen. Churchill behauptet, Lord Moyne habe seine Auffassung im Jahre 1943 revidiert. Damals hatte Churchill angeregt, Weizmann solle nach Kairo reisen, sich mit Lord Moyne treffen und sich persönlich von der verbesserten Situation überzeugen. Zu einer solchen Begegnung kam es allerdings nie: Am 6. November 1944 wurde Lord Moyne zusammen mit seinem Chauffeur von zwei Angehörigen der radikalen zionistischen Gruppierung Lechi, die aus Palästina gekommen waren, meuchlings ermordet*. Somit war ein weiteres Hindernis auf dem Weg zur Verwirklichung der zionistischen Pläne aus dem Weg geräumt. Der Mord scheint Churchill schockiert zu haben, denn für eine Weile versiegte der Strom seiner Memoranden, in denen er zur „Bewaffnung der Juden“ aufrief. Ein weiteres Mal forderten die britischen Behörden in Palästina zur Eindämmung der jüdischen Einwanderung, doch am 17. November antwortete Churchill, eine solche Massnahme werde lediglich „Wasser auf die Mühlen der Extremisten leiten“. Dies bedeutete de facto, dass die „Extremisten“ auch weiterhin walten und schalten konnte, wie es ihnen beliebte.

Als in Europa das Kriegsende nahte, verblassten Churchills Hoffnungen auf einen gütlichen Vergleich, der die friedliche Integration der Chasaren in Arabien ermöglichen würde. Wenn sein Vorschlag, König Ibn Saud zum Herrscher des Nahen Ostens zu machen, sofern er sich mit Weizmann einigen könne, von Weizmann je an Roosevelt weitergeleitet wurde, könnte eine Episode, die sich im Jahre 1944 abspielte, die unmittelbare Folge hiervon gewesen sein. Ein US-Oberst namens Hoskins, laut Weizmann „Präsident Roosevelts persönlicher Vertreter im Nahen Osten“, stattete dem saudiarabischen Monarchen damals einen Besuch ab. Wie alle einsichtigen Männer seiner Zeit lehnte Hoskins den Plan zur Gründung eines zionistischen Staates ab, war aber durchaus dafür, Juden, welche dies wünschten, nach Palästina einreisen zu lassen, falls die Araber dieser Politik zustimmten. Bei seinen Unterredungen mit Ibn Saud musste der Oberst feststellen, dass sich dieser von Weizmann aufs ärgste brüskiert fühlte. Weizmanns eigener Darstellung zufolge äusserte sich der König über ihn „zornig und verachtungsvoll“: Er teilte Oberst Hoskins mit, Weizmann habe versucht, ihn mit zwanzig Millionen Pfund zu bestechen, damit er den Ausverkauf Palästinas an die Juden absegne, doch er, Ibn Saud, habe einen solchen Kuhhandel entrüstet zurückgewiesen.

Somit zerstoben alle Hoffnungen auf eine „gütliche Übereinkunft“, und Oberst Hoskins trat von der Bühne ab. Wie viele andere anständige Männer war auch er beim Versuch gescheitert, einen Weg aus der Sackgasse zu finden, in die Arthur Balfour die Welt geführt hatte.

Angesichts dieser Ausgangslage standen der britischen Regierung zwei Monate vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs nur noch zwei Möglichkeiten offen: Entweder widerrief sie den 1939 getroffenen Entscheid, versuchte die Rolle des ehrlichen Maklers zu spielen und unparteiisch zwischen den angestammten Bewohnern Palästinas und den fremden Eindringlingen zu vermitteln, oder aber sie verabschiedete sich vom Konzept des „Mandats“ und zog ihre Truppen ab, mit dem Ergebnis, dass die Zionisten die Araber mit Hilfe der Waffen, die sie vom europäischen sowie vom afrikanischen Kriegsschauplatz abgezweigt hatten, aus Palästina vertrieben.

Somit stand das zweite Akt des Palästina-Dramas unmittelbar bevor. Roosevelt hatte sich von Weizmann darüber belehren lassen müssen, dass die Zionisten ihre Politik „unter keinen Umständen von der Zustimmung der Araber abhängig machen“ konnten, vermied aber jede klare Aussage zu diesem Thema. Wenn Weizmanns Behauptungen stimmen, hatte Churchill ihm privat seine Unterstützung zugesichert, und als das Jahr 1944 hereinbrach, pochte der Zionistenboss immer ungeduldiger auf eine öffentliche Stellungnahme des britischen Premierministers in Form einer verbesserten Balfour-Deklaration, in der den Zionisten konkrekt ein bestimmtes Gebiet (und nicht nur „eine nationale Heimstatt“, unter der jeder verstehen konnte, was er wollte) zugesagt wurde. Weizmann war äusserst ungehalten darüber, dass sich Churchill unter dem Vorwand, zuerst müsse der Krieg gewonnen werden, weigerte, dem zionistischen Ansinnen öffentlich zuzustimmen.

Wie Shakespeares Macbeth wussten die beiden führenden Politiker des Westens keinen Rat mehr, als der Augenblick nahte, wo sie Farbe bekennen mussten. Weder Churchill noch Roosevelt waren bereit, ihre Soldaten offen für zionistische Interessen zu verheizen, und die Zionisten warfen ihnen erbost Wankelmut vor. Dann begab sich Roosevelt nach Jalta. Die während der Konferenz von ihm hergestellten Aufnahmen lassen das Ausmass seiner Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit angesichts der bevorstehenden Teilung Europas, der er soeben seinen Segen erteilt hatte, drastisch erkennen. Gegen Ende der Konferenz teilte er Churchill (der laut seinem Sicherheitsberater Harry Hopkins „bestürzt“ und „zutiefst beunruhigt“ über die Nachricht war) mit, er werde Ibn Saud an Bord des amerikanischen Kreuzers Quincy treffen.

Die Einzelheiten der folgenden Unterredungen liegen bis heute im dunkeln. Weder Roosevelt noch Churchill waren befugt, den Lobbyisten, die sie in Washington und London förmlich belagerten, arabisches Land abzutreten – und genau das wurde von ihnen verlangt. Im Vergleich zu dem gigantischen Verrat, den sie soeben in Jalta begangen hatten, schien diese Forderung freilich so unbedeutend, dass es für niemanden eine Überraschung gewesen wäre, wenn sich Roosevelt dem zionistischen Druck gebeugt und Ibn Saud eine Abfuhr erteilt hätte. Doch unerwarteterweise fiel er aus der Rolle und verhielt sich wie ein echter Staatsmann. Genau zwei Monate später war er tot.

Präsident Roosevelt verliess Jalta am 11. Februar 1945 und verbrachte anschliessend drei Tage an Bord der Quincy, wo er sich mit Ibn Saud traf. Er bat diesen, „mehr Juden nach Palästina zu lassen“, doch der Monarch zeigte ihm die kalte Schulter. In Palästina, wandte er ein, gebe es eine Armee bis an die Zähne bewaffneter Juden, die augenscheinlich gar nicht daran dächten, gegen die Deutschen zu kämpfen, sondern ihren Feind ausschliesslich in den Arabern sähen. Am 28. Februar kehrte Roosevelt nach Amerika zurück. Genau einen Monat später, am 28. März, wiederholte Ibn Saud brieflich seine (durch die seitherigen Ereignisse bestätigte) Warnung vor den Konsequenzen, die sich aus einer amerikanischen Unterstützung für die zionistische Sache ergeben würden. Am 5. April bekräftigte der US-Präsident das Versprechen, das er dem saudiarabischen Monarchen zuvor mündlich erteilt hatte: „In meiner Eigenschaft als Vorsteher der Exekutive der Regierung werde keinerlei feindselige Handlungen gegen die arabische Nation unternehmen.“ Eine Woche später, am 12. April, segnete er das Zeitliche.

Die Welt hätte niemals von dem Versprechen Roosevelts gegenüber Ibn Saud erfahren, hätte der damalige Aussenminister James G. Byrnes dieses ein halbes Jahr später (am 18. Oktober 1945) nicht veröffentlicht – in der vergeblichen Hoffnung, Roosevelts Nachfolger Truman von jenen „feindseligen Handlungen gegen die arabische Nation“ abzuhalten, von denen Roosevelt gelobt hatte, dass er sie niemals begehen werde. Letzterer hatte sein Gelöbnis praktisch auf dem Totenbett abgelegt; ob es ernst gemeint war, wird man nie erfahren. Sollte dies tatsächlich der Fall gewesen sein, kam Roosevelts Ableben für die Zionisten wie gerufen. Sein Vertrauter Harry Hopkins, der bei dem Treffen mit Ibn Saud zugegen war und einen Bericht darüber anfertigte, spottete über die Vorstellung, Roosevelt könnte es womöglich ernst gemeint haben, denn dieser sei der zionistischen Sache „sowohl öffentlich als auch privat voll und ganz ergeben“. Immerhin hielt Hopkins in seinem Bericht eine Bemerkung Roosevelts fest, die nachdenklich stimmt. Der Präsident sagte nämlich, er habe von Ibn Saud innerhalb von fünf Minuten mehr über Palästina erfahren als während seines ganzen Lebens zuvor. Dies ruft einen legendären Ausspruch des saudiarabischen Monarchen in Erinnerung: „Wir wissen seit zweitausend Jahren, was ihr erst in zwei Weltkriegen gelernt habt.“ Man mag allerdings einwenden, Harry Hopkins sei in dieser Frage kein zuverlässiger Zeuge, denn unmittelbar nach dessen Begegnung mit Ibn Saud verliess er, eben noch Roosevelts Schatten, seinen Präsidenten, schloss sich für drei Tage in seiner Kabine ein, ging anschliessend in Algier an Land und liess seinem Chef ausrichten, er werde auf anderem Wege nach Amerika zurückkehren. Der Bruch zwischen dem Präsidenten und seinem Faktotum kam so jäh und war so radikal wie weiland der zwischen Woodrow Wilson und Oberst House.

Fest steht, dass die letzten Wochen in Roosevelts Leben vom Streit und Zion überschattet waren und nicht von amerikanischen oder europäischen Fragen. Hätte er noch eine Zeitlang gelebt, und wäre sein Versprechen gegenüber Ibn Saud ruchbar geworden, so wären die Zionisten, die ihn so massiv unterstützt und ihm geholfen hatten, zwölf Jahre lang Präsident zu bleiben, über Nacht zu seinen Todfeinden geworden. Sein Gelöbnis gegenüber dem saudiarabischen Monarchen war kategorischer Art gewesen: „Bezüglich der Lage in Palästina wird kein Entscheid ohne vorhergehende umfassende Konsultation sowohl mit den Arabern als auch mit den Juden gefällt werden.“ Dies war eine schallende Ohrfeige für Weizmann, der dem Präsidenten früher ins Gesicht gesagt hatte, die Juden seien nicht gewillt, ihre Politik nicht von der arabischen Zustimmung abhängig zu machen.

Somit ist auch Roosevelts Tod von einem Schleier des Geheimnisses umgeben. Mit was für Leuten er sich zwölf Jahre lang umgeben hatte, verrät der Bericht des Washington-Korrespondenten Merriman Smith; seine Schilderung der Totenwache zeigt, dass nach dem Ableben des Präsident gezecht wurde wie drei Monate zuvor in Jalta:
„Die meisten Leute im Zug waren Angehörige von Roosevelts Personal. Kaum hatte der Zug das mit Krepp behangene Depot im Hyde Park verlassen, begannen sie eine Art verspäteten Leichenschmaus. In jedem Abteil und jedem Salon flossen die starken Getränke. In sämtlichen Waggons waren die Storen heruntergelassen, und von aussen sah der Zug aus wie jeder andere, der Trauergäste nach Hause bringt. Doch hinter den Vorhängen schmissen die Angehörige von Roosevelts Personal eine Fete. Ihr Boss hätte dem zugestimmt… Ich sah einen der prominentesten Vertreter des New Deal ein Tablett mit leeren Gläsern in eine Toilette schütten und hörte ihn ausgelassen grölen: ‚Hinab in den Klo mit euch, wir brauchen euch nicht mehr.'Portiers und Klubstewarts rannten mit Tabletten, auf denen gurgelnde und schäumende Gläser standen, die Korridore hinab. Hätte man nicht gewusst, wer die Leute im Salon waren, so hätte man meinen können, sie seien auf dem Heimweg nach einem Fussballspiel. Einige Personen gossen sich Whisky hinter die Binde, um ihre Sorgen um ihren Arbeitsplatz zu ertränken. Ich hörte, wie ein Chor Beschwipster ‚Auld Lang Syne' anstimmte.“

So verhielten sich also die „Staatsmänner“ der dritten Garnitur, während die „Boys“ auf einen neuen „Sieg“ zueilten, die Rote Armee halb Europa unterwarf und die Zionisten aus Russland vom Westen nach Palästina geschleust wurden, um sich dieses Land unter die Nägel zu reissen.

In der Palästinafrage wurde Roosevelt durch den Tod aus seinem Dilemma befreit, aber Churchill schien dem Zwang, sich für eine klare Lösung zu entscheiden, nicht entgehen zu können. Seit den Wahlen von 1906 hatte er immer wieder um die Gunst der Zionisten gebuhlt. Er war 1917 britischer Regierungsminister gewesen, in jenem Jahr also, als ein anderer Minister, Leopold Amery, folgenden Ausspruch tat: „Als wir die Balfour-Deklaration verabschiedeten, glaubten wir, wenn die Juden in Palästina zur Mehrheit würden, würden sie einen jüdischen Staat gründen… Wir dachten nicht an ein geteiltes Palästina…“(zitiert nach einer zionistischen Zeitung im Jahre 1952).

Churchill hat öffentlich nie diesen Standpunkt vertreten, sondern sich im Gegenteil davon distanziert, doch wenn er privat dasselbe dachte wie Amery, hiess dies, dass selbst der nach dem Zweiten Weltkrieg gegründete zionistische Staat nach den Vorstellungen jener, welche die Balfour-Deklaration verabschiedet hatten, zu klein ist und dass noch weiteres arabisches Land mit Waffengewalt erobert werden muss.

In Amerys Satz „Wir glaubten, wenn die Juden in Palästina zur Mehrheit würden, würden sie einen jüdischen Staat gründen“ spielt das Wort „wenn“ eine Schlüsselrolle. Als das Jahr 1945 hereinbrach, hatten drei Jahrzehnte heftigen arabischen Widerstandes gegen die Eindringlinge bewiesen, dass die Zionisten nie und nimmer zur Mehrheit werden konnten – es sei denn, sie vertrieben die Araber zumindest teilweise aus ihrer angestammten Heimat. Unter diesen Umständen stellte sich die Frage, wer sie daraus vertreiben sollte. Roosevelt hatte sich feierlich verpflichtet, dies nicht zu tun. Weizmann, der wie Shakespeares Shylock eisern auf der Erfüllung des mit ihm abgeschlossenen Vertrags pochte, behauptete mit Vorliebe, Churchill sei entschlossen, so weit zu gehen, wie er, Weizmann, es wünschte. Doch auch Churchill konnte nicht tun, was die Zionisten von ihm erwarteten. Wie Roosevelt wurde er bald aus seinem Dilemma befreit, freilich nicht durch den Tod, sonder durch seine Wahlniederlage gegen Clement Attlees Sozialisten im Juli 1945. In seinen Memoiren macht er kein Hehl daraus, dass ihn das Verdikt der britischen Wähler bis ins Mark getroffen hatte: „Nachdem all unsere Feinde bedingungslos kapituliert hatten oder im Begriff waren, dies zu tun, wurde ich von der britischen Wählerschaft sofort von der weiteren Vertretung ihrer Interessen entbunden.“

Ganz so einfach lagen die Dinge jedoch nicht. Die Historiker der Zukunft werden sich auf solcherlei Aussprüche stützen, aber wer die damaligen Ereignisse als Zeitzeuge miterlebt hat, weiss es besser. Tatsache war nämlich, dass die britische Wählerschaft keinen Grund besass, in den Ergebnissen des Krieges (zu deren schärfsten Kritikern Churchill schon bald gehören sollte) einen besonderen Grund zur Dankbarkeit gegenüber diesem Mann zu sehen, doch gab es auch andere Gründe für Churchills Niederlage als die Enttäuschung der Bevölkerung.

Wie bei allen amerikanischen Präsidentschaftswahlen zeigte es sich auch bei den britischen Parlementswahlen 1945, welche Gruppierung die Macht hat, das Verhalten der Wähler in ihrem Sinne zu beeinflussen. Churchill hatte getan, was er nur konnte, um die Juden zu bewaffnen, und sich privat auf zionistischen Kurs festgelegt – doch nach Chaim Weizmanns Auffassung nicht energisch genug. In England war die Pressekontrolle in der Mitte des 20. Jahrhunderts annähernd total, und die zionistische Propaganda sorgte für einen Umschwung der öffentlichen Meinung zugunsten der Sozialisten, die den Zionisten die verlangte bedingungslose Unterstützung zugesagt hatten. (Wir erinnern daran, dass Attlee gefordert hatte, die Araber zum Wegzug aus ihrer Heimat zu veranlassen, damit die Juden nachrücken konnten.) Die jüdischen Parlamentsabgeordneten vollzogen geschlossen einen Schwenk zur Labour Party (sofern sie dieser nicht schon vorher angehört hatten), und zwar mehrheitlich zum linken Flügel, dem auch viele Krypto-Kommunisten angehörten. Mit unverhohlenem Jubel verfolgten die Zionisten die Niederlage des Mannes, der 1906, 1917 und 1939 so viel für sie getan hatte, und Weizmann kommentierte den Wahlausgang mit den Worten, der sozialistische Sieg (und Churchills Abwahl) habe„allen liberalen Elemente mit Entzücken erfüllt“. So lohnten die Zionisten Winston Churchill seinen jahrzehntelangen Einsatz für ihre Sache. Dass er nicht bereit gewesen war, Palästina mit Hilfe britischer Truppen von Arabern zu säubern, machte ihn – zumindest für eine Zeitlang – zu ihrem Feind.

Somit war Churchill endlich des Zwangs enthoben, in der Palästina-Frage eine verbindliche Entscheidung treffen zu müssen; seine untröstliche Enttäuschung darüber, dass ihn der Wähler gleich nach dem „Sieg“ mit dem Stimmzettel in die Wüste geschickt hatte, war also etwas übertrieben.

Kaum hatten die Sozialisten, die im Unterhaus jetzt über eine klare Mehrheit verfügten, die Regierungsverantwortung übernommen, wurden sie mit der Forderung konfrontiert, die Araber zum Verlassen Palästina zu zwingen. Als sie sich hierzu nicht durchringen wollten, bezichtigten die Zionisten sie des Verrats. Chaim Weizmann weiss sich in seinem Buch vor Empörung über den Rückzieher der Labour Party kaum zu fassen: Innerhalb von drei Monaten, klagt er, sei die sozialistische Regierung „ von dem Versprechen abgerückt, das sie gegenüber dem jüdischen Volk so oft und klar, ja leidenschaftlich wiederholt hatte“. In einem Zeitraum von 40 Jahren scheint Lord Curzon der einzige unmittelbar mit der Palästinafrage in Berührung gekommene englische Spitzenpolitiker gewesen zu sein, der begriff, dass schon eine beiläufige Sympathiebekundung gegenüber Weizmann von diesem später zum „Versprechen“ umgedeutet wurde, das feierlich erteilt und schmählich gebrochen worden sei.

Ein gestandener sozialistischer Parteigenosse, George Hall, wurde im August 1945 zum Kolonialminister ernannt und trat somit in die Fussstapfen seiner teils verstorbenen, teils in Verruf geratenen Vorgänger wie Lord Lloyd und Lord Moyne. Kaum hatte er sein Amt angetreten, machte ihm eine Delegation des Zionistischen Weltkongresses seine Aufwartung. Er schilderte die Atmosphäre, in der sich die Unterredungen abgespielt hatten, mit folgenden Worten: „Ich muss sagen, dass sich die Haltung der Mitglieder der Delegation von allem unterschied, was ich früher erlebt hatte. Sie baten die Regierung Seiner Majestät nicht, die Entschlüsse der Zionistischen Konferenz wohlwollend zu prüfen, sondern verlangten von der Regierung seiner Majestät, zu tun, was die Zionistische Organisation von ihr erwartete.“ (Zehn Jahre erinnerte sich ein amerikanischer Präsident, Harry Truman, an ähnliche Besuche während seiner Präsidentschaft und verlieh seinem Erstaunen über den Tonfall Ausdruck, den seine Gäste anzuschlagen pflegten.)

Dieses Spiel hatte bereits 1906 begonnen und war seither ununterbrochen weitergegangen, ohne George Hall aus seinem Tiefschlaf zu reissen. Schon im Oktober 1946 musste er als Kolonialminister seinen Hut nehmen, doch wurde ihm der Abschied vom Ministersessel durch seine Erhebung in den Adelsstand versüsst.

In innenpolitischer Hinsicht war die sozialistische Regierung, die 1945 ans Ruder gekommen war, so ziemlich die schlechteste, die ein vom Krieg heimgesuchtes und der Erholung bedürftiges Land hätte bekommen können, aber aussenpolitisch leistete sie Grossbritannien immerhin einen Dienst: Sie rettete von seiner Ehre, was noch zu retten war. Obgleich sie vom internationalen Zionismus stetig unter Druck gesetzt wurde, lehnte sie es ab, die palästinensischen Araber zu terrorisieren. Sie schützte sie zwar nicht hinreichend – dies wäre damals wohl auch gar nicht mehr möglich gewesen -, gab sich aber nicht dazu her, für die Zionisten die Dreckarbeit zu verrichten.

Dass England seine Ehre einigermassen gewahrt hat, war in allererster Linie das Verdienst von Ernest Bevin, den ich für den grössten britischen Politiker der ersten Hälfte unseres 20. Jahrhunderts halte. Es heisst, König George VI., der sich weniger in die Politik einzumischen pflegte als je ein anderer englischer König vor ihm, habe Clement Attlee nach dessen Wahlsieg aufgefordert, seinen besten und stärksten Mann zum Aussenminister zu ernennen; die Weltlage erfordere dies. Daraufhin überprüfte Attlee die bereits erstellte Liste seiner künftigen Minister, strich den Namen eines ehrenwerten „Liberalen“, von dem anzunehmen war, dass er eine rabiat antiarabische Politik betreiben würde, und ersetzte ihn durch Ernest Bevin.

1945 war Palästina eindeutig ein zu wichtiges Thema, um es einem Kolonialminister zu überlassen; es war die Sorge Nummer eins von Präsidenten, Premierministern und Aussenministern in den USA und Grossbritannien und wird es noch geraume Zeit lang bleiben. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Palästina ist ein Pulverfass, das jederzeit explodieren und neue Kriege auslösen kann. Unmittelbar nach dem „Sieg“ von 1945 übte die Palästina-Frage einen verderblichen Einfluss auf die Politik der führenden westlichen Nationalstaaten aus. Furchtlos hob Ernest Bevin, der Bauernsohn aus Somerset und Abgott der Hafenarbeiter, die Bombe auf und versuchte sie zu entschärfen. Hätte sich auch nur ein einziger westlicher Spitzenpolitiker auf seine Seite gestellt, so wäre ihm womöglich Erfolg beschieden gewesen. Doch alle fielen sie wie Wölfe über ihn her.

Bevin, ein robuster Bursche, dessen Knochen durch das Rindfleisch und die frische Luft seiner bäuerlichen Heimat gehärtet waren und der keine Furcht kannte, wurde innerhalb weniger Jahre zum gebrochenen Mann. Die Flut von Verwünschungen und Verleumdungen, die sich über ihn ergossen hatte, war zu viel gewesen. Nicht, dass er im Glauben an seine Aufgabe irre geworden wäre: Er begriff, dass er es mit einer gigantischen Verschwörung zu tun hatte, einer Verschwörung, deren beiden tragende Pfeiler die Revolution und der Zionismus waren, und scheute sich im Gegensatz zu allen anderen Politikern nicht, das Wort „Verschwörung“ offen auszusprechen. Er sagte Weizmann ins Gesicht, er werde sich zu keiner Aktion hinreissen lassen, welche britischen Interessen zuwiderlaufe. Seit 1904 hatte es Weizmann niemals erlebt, dass ihm ein Politiker kühn die Stirn bot, und seine Entrüstung, der sich sämtliche zionistischen Organisationen des Erdenrunds im Nu anschlossen, gab den Anlass zu der anschliessenden pausenlosen Hetzkampagne gegen Ernest Bevin.

Wäre Churchill Premierminister geblieben, so hätte er aller Wahrscheinlichkeit nach britische Waffen eingesetzt, um die Teilung Palästinas zu erzwingen. Dies scheint schlüssig aus einem Memorandum hervorzugehen, das er am 25. Januar 1944 an das Komitee der Stabschefs richtete und in dem es hiess: „Wenn man die Juden sich selbst überliesse, würden sie die Araber schlagen; es ist für uns also keine grosse Gefahr damit Verbundung, wenn wir mit den Juden zusammenarbeiten, um die Verwirklichung der vorliegenden Teilungsvorschläge zu erzwingen.“ Der Leser erkennt hier, wie sehr Churchills Moralvorstellungen von den jeweiligen Umständen abhingen. Die Teilung Europas war für ihn „eine grässliche Spaltung, die nicht andauern kann“, während die Teilung Palästinas es wert war, durch Zusammenarbeit mit den Juden erzwungen zu werden.

Ernest Bevin war für dergleichen Spitzfindigkeiten nicht zu gewinnen. Unter seiner Leitung verkündete die sozialistische Regierung, sie werde „die Vorstellung nicht akzeptieren, dass die Juden aus Europa vertrieben werden sollten, oder dass es ihnen verwehrt blieben sollte, wieder ohne jede Diskriminierung in diesen [europäischen] Ländern zu leben, wobei sie dank ihren Fähigkeiten und Talenten zum Wiederaufbau eines blühenden Europa beitragen können.“

Diese Worte lassen erkennen, dass Bevin das Wesen des zionistischen Chauvinismus, die durch ihn heraufbeschworenen Probleme sowie die einzige mögliche Lösung erkannte. Sie schildern, was eines Tages geschehen wird, aber dieser Tag ist infolge des verheerenden zionistischen Experiments in Palästina, das vermutlich die ganze Welt in Mitleidenschaft ziehen wird, in unbestimmte Ferne gerückt. Bevin war der erste britische Politiker, der die Tatsachen voll und ganz begriff, oder zumindest der erste, der sein Wissen in die Tat umsetzte.

Die 1945 an die Macht gekommene sozialistische Regierung sah sich genötigt, das zu tun, was alle Regierungen vor ihr hatten tun müssen: Eine oder mehrere Untersuchungskommissionen nach Palästina zu entsenden (die dann in ihren Berichten lediglich die Schlussfolgerungen wiederholten, zu denen alle früheren Kommissionen gekommen waren), die zionistische Einwanderung eindämmen und die Rechte der alteingesessenen arabischen Bevölkerung sichern, so wie es die Balfour-Deklaration vorsah.

In den Augen Chaim Weizmanns fand diese Politik freilich keine Gnade; er geisselte sie als „Rückfall in die alte, hinterlistige Taktik, die Verpflichtungen gegenüber den Arabern übermässig zu betonen“. Nun setzten die Zionisten Himmel und Erde in Bewegung, um Aussenminister Bevin in Verruf zu bringen. Die sorgsam orchestrierte Verleumdungskampagne gegen ihn dauerte zwei Jahre. Zuerst wurde die Konservative Partei ins Rennen geschickt. Die Sozialisten hatten ihr eine Wahlniederlage beigebracht, weil sie sich zu bedingungslosem Einschwenken auf den zionistischen Kurs verpflichtet und sich hierdurch die Unterstützung der kontrollierten Presse gesichert hatten. Nachdem die Konservativen von der Macht verdrängt worden waren, drehten sie den Spiess flugs um und vollzogen ihrerseits einen Kniefall vor den Zionisten. Daran liessen sie von Anfang an keinen Zweifel aufkommen: Sie erklärten nämlich, sie würden die Innenpolitik der Labour Party bekämpfen, ihre Aussenpolitik jedoch mittragen, doch kaum hatten die Sozialisten ihre zuvor erwähnte Erklärung bezüglich Palästinas abgegeben, distanzierten sich die Konservativen in diesem einen Punkt sogleich von der sozialistischen Aussenpolitik und liessen fortan kein gutes Haar an der Palästinapolitik der Regierung. Ihr Watschenmann Nummer eins war natürlich Aussenminister Ernest Bevin.

Churchill, der damals in der Opposition sass und keinerlei Verantwortung trug, entblödete sich nicht, Bevin „antijüdische Gefühle“ vorzuwerfen (ein Ausdruck aus der Mottenkiste der ADL, die ihr Arsenal von Schimpfwörtern damals um ein neues Wort, „Bevinismus“, bereicherte). Bevin selbst, Churchills fähiger Ministerkollege während der langen Kriegsjahre, liess sich hingegen nie dazu herab, Andersdenkende zu beschimpfen.

Resümieren wir: Bevin, der von allen Ministern die exponierteste Stellung innehatte, wurde von der konservativen Opposition in allen aussenpolitischen Fragen unterstützt ausser in einer, der Palästinafrage. Möglicherweise hätte er sich mit seinem Kurs trotz allem durchgesetzt, hätte ihm Harry Truman, der bis zu Roosevelts Tod amerikanischer Vizepräsident gewesen und durch den Hinschied des Präsidenten automatisch zu dessen Nachfolger geworden war, nicht die Suppe versalzen. Mit seinem Amtsantritt begann eine Episode, die man wahlweise als griechische Tragödie oder als Komödie der Irrungen bezeichnen kann. Zum selben Zeitpunkt, wo in England ein Mann, der entschlossen war, sein Land aus der palästinensischen Sackgasse herauszuführen und auch das notwendige Durchsetzungsvermögen hierfür besass, zum Aussenminister ernannt worden war, sorgte Truman dafür, dass sich die USA tief in diese Sackgasse verrannten.

Zweifellos gibt es Genies, die ein komplexes Problem im Nu begreifen, ohne es lange studiert zu haben, aber Harry Truman war kein solches Genie. Seine Geburtsstadt Lamar in Missouri sowie Kansas City, wohin er später übersiedelte, waren nicht eben die geeignetsten Orte, um sich mit weltpolitischen Fragen vertraut zu machen. Als er nach Roosevelts Tod über Nacht Präsident geworden war, litt er unter zwei schwerwiegenden Handicaps: Seinem gänzlichen Mangel an aussenpolitischer Erfahrung sowie seiner allzu grossen Vertrautheit mit den Gebräuchen der Lokalpolitik. In Kansas City hatte er miterlebt, wie man einen Kuhhandel einfädelt, sich bei den Mächtigen anbiedert und Wahlergebnisse fälscht. Unter diesen Umständen war Politik für ihn gleichbedeutend mit einem knallharten Geschäft, dessen Spielregeln keinen Raum für hehre Ideale liessen.

Harry S. Truman, ein Mann von mittlerem Wuchs, körperlich kerngesund und stets breit lächelnd, darf für sich die fragwürdige Ehre beanspruchen, Vernichtungsbefehle unterzeichnet zu haben, die in der Geschichte des Westens beispiellos dastehen. Schon bald nach seinem Erscheinen auf der weltpolitischen Bühne traf er einen folgenschweren Entscheid nach dem anderen. Bei der Potsdamer Konferenz vom Juli 1945 kam er zum Schluss, „Uncle Joe“ sei ein „netter Kerl“, und bestätigte die von seinem Vorgänger Roosevelt abgesegneten territorialen Veränderungen in Europa. Er erteilte den Befehl zum Abwurf von Atombomben auf zwei unverteidigte Städte, Hiroshima und Nagasaki. Noch nie zuvor in der Geschichte war es einem bankrottgegangenem Vertreter für Herrenkleidung, den das Schicksal über Nacht zum mit diktatorischen Befugnissen ausgestatteten Staatsoberhaupt gemacht hatte, beschieden gewesen, solch schicksalhafte Entscheide zu fällen.

Anschliessend wandte Truman sich innenpolitischen Fragen zu, zu denen auch die nächsten Kongress- sowie die nächsten Präsidentenwahlen gehörten. Er wusste, dass es in der Macht der Zionisten lag, über den Ausgang dieser Wahlen zu entscheiden, und machte auch kein Geheimnis hieraus.

Während sich Ernest Bevin in England redlich bemühte, den Gordischen Knoten zu durchhauen, versetzte ihm Truman einen Dolchstoss in den Rücken: Er forderte, 100.000 Zionisten unverzüglich eine Einwanderungsbewilligung nach Palästina zu erteilen, und sorgte dafür, dass zum ersten Mal eine parteiische Untersuchungskommission nach Palästina entsandt wurde. Es war dies der einzige Weg, um zu gewährleisten, dass eine Kommission einen Bericht erstellte, in dem die zionistischen Pläne in positivem Lichte dargestellt wurden. Zwei der vier amerikanischen Angehörigen dieser Kommission waren erklärte Zionisten; das einzige britische Mitglied war ein zionistischer Propagandist, der dem linken Flügel der Labour Party nahestand und Ernest Bevin dementsprechend feindlich gesinnt war. Als diese „anglo-amerikanische“ Kommission in Palästina eintraf, wurde sie von dem unvermeidlichen Chaim Weizmann empfangen, der – vielleicht zum zehnten Mal innerhalb dreier Jahrzehnte – der hauptsächliche Gesprächs- und Verhandlungspartner einer solchen Kommission war.

Die Kommissionsmitglieder empfahlen („vorsichtig“, wie sie sich ausdrückten), sofort 100.000 „Flüchtlinge“ nach Palästina zu lassen (der Ausdruck „Flüchtlinge“ war vermutlich zur Irreführung der Massen gedacht, doch in Wirklichkeit gab es kaum jüdische Flüchtlinge, die nach Palästina wollten).

Somit war die Lunte gelegt, die das Pulverfass zur Explosion bringen musste, und ein amerikanischer Präsident unterstützte de facto einen Krieg gegen die Araber.

Beim nächsten Zionistenkongress, der 1946 in Genf stattfand, wurden dieses neue „Versprechen“ sowie die parteiischen „Empfehlungen“ der Kommission mit freudiger Genugtuung zur Kenntnis genommen. Wie bereits bei früheren Kongressen dieser Art handelte es sich bei den Delegierten grösstenteils entweder um bereits nach Palästina ausgewanderte Zionisten oder um amerikanische Juden, die gar nicht daran dachten, ihren Wohnsitz in den Nahen Osten zu verlegen. Die jüdischen Massen, deren Verfrachtung nach Palästina auf der Agenda stand, waren nicht vertreten. Was Weizman über die bei diesem Kongress getroffenen Beschlüsse sagte, war von grosser Bedeutung: Der Kongress habe „einen speziellen Charakter“ aufgewiesen; es sei die Tendenz zutage getreten, sich auf Methoden zu verlassen, die mit Ausdrücken wie „Widerstand“, „Verteidigung“ und „Aktivität“ umschrieben würden. Trotz dieser terminologischen Unstimmigkeiten, hielt Weizmann fest, seien sich sämtliche Teilnehmer in der Überzeugung einig gewesen, dass „der Kampf gegen die britische Herrschaft in Palästina, aber auch anderswo, eine Notwendigkeit sei“.

Weizmanns vorsichtige Formulierungen müssen im Kontext seines Buches und vor dem Hintergrund der gesamten Geschichte des Zionismus betrachtet werden. Im Klartext sagte er nämlich, der Zionistische Weltkongress habe 1946 in Genf beschlossen, wieder zu den Mitteln des Terrorismus und des Meuchelmordes zu greifen, die sich in Russland während der Inkubationsphase des zweiköpfigen Monstrums als so ungemein erfolgreich erfolgreich erwiesen hatten. Dass die mit unterschiedlichen Ausdrücken umschriebene Methode in Wahrheit nichts weiter als nackter Terror war, wussten die Kongressteilnehmer bei ihren Diskussionen sehr genau, denn mit dem Mord an Lord Moyne und den zahlreichen terroristischen Anschlägen in Palästina war diese Methode bereits zur Anwendung gelangt. Dass der Kongress dieses Mittel absegnete (genau dies tat er nämlich), ging auf Präsident Trumans Empfehlung zurück, 100.000 Juden nach Palästina einwandern zu lassen. Die Zionisten deuteten diese Empfehlung sogleich zu einem neuen „Versprechen“ um, das die USA dazu verpflichte, ihnen durch dick und dünn beizustehen. Mit dieser Interpretation lagen sie nicht fehl.

Weizmann war sich durchaus bewusst, was auf dem Spiel stand. Angesichts seines vorgerückten Alters empfand er Beklemmung beim Gedanken an einen Rückfall in den Kult des blutigen Gottes Moloch. Er hatte miterlebt, wie im Namen des revolutionären Kommunismus und des revolutionären Zionismus – zweier Ideologien, die in seiner Heimatstadt, ja in seiner Familie um die Seelen der Juden rangen – Ströme von Blut vergossen wurden. In seiner Jugend hatten ihn Krawalle und Revolutionen mit stürmischer Begeisterung erfüllt, und er hatte den Mord für ein legitimes Mittel des politischen Kampfes gehalten. In reifem Mannesalter hatte er über den Untergang des alten Russlands frohlockt, trotz des jahrzehntelangen Blutvergiessens, das darauf folgte. Fünfundvierzig Jahre lang hatte er unermüdlich die Kriegstrommel gerührt und wiederholt die Hunde des Krieges von der Leine gelassen. Obwohl die nicht zuletzt dank ihm in zwei Weltkriege gehetzten Massen ihn kaum kannten, war er zu einem der mächtigsten Männer des Erdballs geworden. Seit 1906, als er sich erstmals an Balfour heranmachte, hatte er einen unaufhaltsamen Aufstieg zu verzeichnen gehabt, bis sein Wort in den Vorhallen der Macht schliesslich als Gesetz galt, er bei jedem beliebigen Monarchen eine Audienz erhalten und Präsidenten sowie Premierministern seinen Willen aufzwingen konnte. Nun, wo der Plan, für den er so lange gekämpft hatte, seiner Verwirklichung greifbar nahe gerückt war, schauderte er vor der Perspektive zurück, die sich ihm darbot: Blut, Blut und noch mehr Blut, und dann? Das Schicksal Sabbatai Zevis stand ihm als warnendes Beispiel vor Augen.

Abermals gab er gegenüber den „demoralisierenden Kräften in der Bewegung“ klein bei, jenen Leuten also, die Churchill als „Extremisten“ und die britische Verwaltung in Palästina als „Terroristen“ bezeichnete. Dies bedeutet, dass er seinen Standpunkt auf seine alten Tage hin noch überprüft hatte, denn ohne Terrorismus wäre der Zionismus überhaupt nie zu einer nennenswerten politischen Kraft geworden, und 1946 war es klar, dass ein zionistischer Staat einzig und allein mit Gewalt zu begründen war. Zu dieser späten Stunde wurde sich Dr. Chaim Weizmann bewusst, dass der „sanfte Druck hinter den Kulissen“, den er ein halbes Jahrhundert lang ausgeübt hatte, den Zionisten jetzt nicht mehr weiterhalf und dass die gewaltsame Errichtung eines zionistischen Staates über kurz oder lang mit einem totalen Fiasko enden musste. Vom psychologischen Standpunkt aus war dies einer der interessantesten Augenblicke in der Geschichte des Streits um Zion. Vielleicht werden die Menschen mit zunehmendem Alter tatsächlich weiser; sie werden der martialischen Sprüche und blutigen Taten, die ihnen in ihrer Jugend als Zaubermittel zur Lösung aller Probleme erschienen sind, allmählich überdrüssig und empfinden schliesslich Ekel darüber. So mag es auch Chaim Weizmann ergangen sein, doch einen Weg zurück gab es längst nicht mehr. Die in zäher Arbeit geschaffene Maschinerie war angelaufen und liess sich nicht mehr stoppen; sie würde nun in immer rasenderem Tempo weiterlaufen und alles niederwalzen, was sich ihr in den Weg stellte, bis sie schliesslich der Zerstörung anheimfiel. Die Zukunft des Zionismus lag in den Händen jener „demoralisierenden Kräfte in der Bewegung“, die Weizmann nun plötzlich kritisierte, nachdem er sie selbst in den Sattel gehoben hatte.

Die Delegierten des Zionistischen Weltkongresses verweigerten ihm ein Vertrauensvotum und wählte ihn nicht wieder zu ihrem Präsidenten. Vierzig Jahre nach Herzls Sturz ereilte ihn dasselbe Geschick wie diesen, und zwar aus ganz ähnlichen Gründen: Weizmann und seine Chasaren aus Russland hatten Herzl damals abgesetzt, weil dieser dem Uganda-Plan zugestimmt hatte, was einem Verzicht auf Palästina gleichkam. Nun wurde Weizmann selbst abgehalftert, weil er des Mordens und des Terrors müde geworden war – und ohne Mord und Terror war an die Gründung eines zionistischen Staates im Nahen Osten nicht zu denken.

Schon in Weizmanns Reaktion auf den Mord an Moyne hatte Resignation, ja Verzweiflung mitgeschwungen: „Die palästinensischen Juden werden… dieses Übel ausmerzen und aus ihrer Mitte verbannen… dieses durch und durch unjüdische Phänomen.“ Diese Worte richteten sich an eine westliche Zuhörerschaft und entsprachen natürlich nicht den Tatsachen: Politischer Mord war in den talmudistischen Zonen Russlands, wo Weizmann seine Jugend verbracht hatte und wo er zum Revolutionär und Verschwörer geworden war, beileibe kein „unjüdisches Phänomen“ gewesen, und er wusste dies sehr genau. Auch in früherer Vergangenheit hatten sich Juden zur Erreichung ihrer Ziele immer wieder blutiger Gewalt bedient. Wenn sich Weizmann an zionistische Zuhörer wandte, machte er aus alle dem kein Hehl: er räumte freimütig ein, dass politischer Mord durchaus kein „unjüdisches“, sondern im Gegenteil ein typisch jüdisches Phänomen war: „Was war der Terror in Palästina denn, wenn nicht ein altes Übel in neuer, fürchterlicher Gestalt!“

Das von Weizmann beim Genfer Zionistenkongress von 1946 angeprangerte „alte Übel“, das seinen Ursprung in Thora und Talmud hat, war offenbar der Grund dafür, dass die letzten Seiten seines Buchs Trial und Error, das er 1949 - ein Jahr nach der gewaltsamen Gründung Israels - schrieb, von düsteren Vorahnungen geprägt sind. Der Mord an Moyne, meinte er, habe „den Abgrund beleuchtet, in den der Terrorismus führt“. In seinen letzten Lebensjahren (er starb 1952) hatte Weizmann also begriffen, dass die lange Reise seines Lebens in einen Abgrund geführt hatte! Annähernd eine Million mit brutaler Gewalt aus ihrer Heimat vertriebene und ihres Habs und Guts verlustig gegangene Araber waren der Beweis dafür, und diesen Opfern sollten unzählige weitere folgen. Nach Weizmanns Absetzung als Chef der Zionistischen Weltorganisation übernahmen die „Terroristen“, wie er sie nannte, dort das Kommando, und seine verspäteten Warnungen stiessen auf taube Ohren. Die „Aktivisten“ (so nannten sie sich selbst) waren fortan in der Lage, nach Lust und Laune einen Weltkrieg zu entfesseln. Weizmann wurde zwar zum ersten Präsidenten des Staates Israel gewählt, doch wirkliche politische Macht war mit diesem dekorativen Amt nicht verbunden, und über den Kurs des Zionismus bestimmten längst andere.

Wie eben erwähnt, hatten die Terroristen ab 1946 in der zionistischen Bewegung das Sagen. Ihr erstes Ziel bestand darin, die Briten aus Palästina herauszuekeln; sie wussten, dass dies ihnen angesichts der politischen Konstellation nach dem Zweiten Weltkrieg unfehlbar gelingen würde. Wenn die Briten sich oder die arabischen Semiten ernsthaft verteidigten, würde ein ohrenbetäubendes Gejammer über ihren“Antisemitismus“ die Politiker in Washington auf antibritischen Kurs bringen. Sofort nach dem Abzug der Briten würden die zionistischen Terroristen dann die Araber vertreiben.

Der Terror hatte damals bereits jahrelang gewütet; der Mord an Moyne war lediglich die Spitze des Eisbergs gewesen. Oliver Stanley, der von November 1942 bis Juli 1945 das Amt des Kolonialministers bekleidete, sagte Ende 1944 vor dem Unterhaus, die Bluttat habe „die britischen Kriegsanstrengungen erheblich verlangsamt“ – in anderen Worten den Krieg verlängert. (Da Stanley nach seinem Tod von den Zionisten als „unerschütterlicher Freund“ gerühmt wurde, besteht kein Grund, den Wahrheitsgehalt dieser Aussage in Zweifel zu ziehen.) Nach dem Genfer Zionistenkongress von 1946 nahmen die terroristischen Aktivitäten der Zionisten an Heftigkeit zu. Hunderte britischer Soldaten wurden in Hinterhalte gelockt, im Schlaf erschossen, in die Luft gesprengt etc. Dass sich die Mörder an jener alttestamentarischen und talmudistischen Ideologie orientierten, die der betagte Chaim Weizmann damals als „altes Übel“ anprangerte, trat besonders deutlich zutage, als zwei englische Soldaten in einem Obstgarten viehisch gefoltert und dann an einen Baum gehängt wurden. (Erhängen ist laut dem Gesetz Mose die für die „von Gott Verfluchten“ vorgeschriebene Hinrichtungsart.)

Durch die Hetzkampagnen der gelenkten amerikanischen und britischen Presse eingeschüchtert, wagte es die Regierung in London nicht, wirksame Massnahmen zum Schutze ihrer Offiziere und Soldaten in die Wege zu leiten. Damals schrieb ein englischer Soldat in einem Leserbrief an die Times: „Was nützen der Armee die Beileidsbekundungen der Regierung? Weder werden die Mordopfer hierdurch gerächt, noch werden künftige Morde verhütet. Bringen wir als Nation nicht länger den Mut auf, Recht und Ordnung durchzusetzen, obwohl dies unsere Pflicht ist?“

Sie brachten ihn in der Tat nicht auf. Die beiden führenden Nationen des Westens, die Vereinigten Staaten von Amerika und Grossbritannien, hatten dem „unwiderstehlichen Druck“ nachgegeben und sich unter das zionistische Joch gebeugt; sie waren de facto keine souveränen Nationen mehr. Schliesslich wusste die Attley-Regierung keinen anderen Rat mehr, als die Lösung der Palästina-Frage einer neuen Organisation in New York zu überlassen, die sich UNO nannte und ebenso wenig wie ihr Vorgänger, der Völkerbund, dazu befugt war, über das Schicksal Palästinas zu entscheiden.

Aus Haiti, Honduras, Liberia und allen möglichen anderen Staaten der „freien Welt“ strömten Delegierte zum Lake Success, einem abgelegenen Teich in einer Vorstadt von New York. Die Schlange namens UNO hatte inzwischen zischend eine Brut in Gestalt von Tochterorganisationen geboren, die Namen wie COBSRA, UNRRA und UNESCO trugen. Eines Tages überreichte eine obskure Organisation namens UNSCOP („United Nations Special Committee on Palestine“) der UNO einen Bericht, in dem „die Teilung Palästinas“ vorgeschlagen wurde.

Obwohl die Zionistische Weltorganisation Chaim Weizmann zur Strafe für seine Kritik am Terrorismus nicht zu ihrem Vorsitzenden wiedergewählt hatte, waltete er bei den Verhandlungen mit der UNSCOP in Palästina als oberster Sprecher der Zionisten. Anschliessend kehrte er flugs nach New York zurück, wo er im Oktober und November 1947 als erfahrener Puppenspieler die Aktivitäten der zionistischen Lobby koordinierte. Der „unwiderstehliche Druck“ war diesmal ganz besonders unwiderstehlich; jene Delegierten, die sich im Rampenlicht der Öffentlichkeit auf der politischen Bühne ein Stelldichein gaben, waren nichts weiter als Marionetten, und das eigentliche Drama spielte sich hinter den Kulissen ab. Ohne dass die breiten Massen hiervon etwas erfahren hätten, liefen parallel zwei grosse Operationen ab, die über das Geschick des fernen Palästina entschieden. Einerseits wurden Hunderttausende von russischen und osteuropäischen Juden über Westeuropa nach Palästina geschleust, andererseits benutzten die Zionisten die nahenden amerikanischen Präsidentschaftswahlen als Hebel, um die beiden grossen Parteien so unter Druck zu setzen, dass sie sich gegenseitig an Servilität überboten. Hierdurch wurde sichergestellt, dass sich die USA bei der kommenden Abstimmung in den Vereinten Nationen für die Teilung Palästinas aussprechen würden.

Wie schon in den drei Jahrzehnten zuvor meldeten sich auch diesmal Männer zu Wort, die gegen die zionistischen Machenschaften aufmuckten. Einer von ihnen war Sir Frederick Morgan, ein britischer General, der massgeblich an den Plänen zur Landung in der Normandie mitgewirkt hatte und dem Eisenhower hierfür in seinen Memoiren hohes Lob zollen sollte. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs hatte das britische Kriegsministerium General Morgan zu ihrem Vertreter bei der UNRRA ernannt, einer Tochterorganisation der UNO, deren Aufgabe in der Unterstützung von Kriegsopfern bestand. Morgan waltete dort als Chef der Abteilung für „displaced persons“ („Entwurzelte“) und entdeckte schon bald, dass diese Organisation, die den britischen sowie den amerikanischen Steuerzahler einen Haufen Geld kostete, als Schirm zur Tarnung der massenhaften Einschleusung von Ostjuden nach Palästina diente. Bei diesen Leuten handelte es sich keinesfalls um „Entwurzelte“. Sie hätten ohne weiteres in ihren eben von der Roten Armee „befreiten“ Heimatländern bleiben können, wo sie durch Sondergesetze vor jeder Form des „Antisemitismus“ geschützt gewesen wären (nach dem Vorbild der „Befreier“ hatten die von den Sowjets in den Sattel gehobenen osteuropäischen Vasallenregime solche Gesetze erlassen). Sie waren nicht aus Deutschland „vertrieben“ worden, denn von einigen Ausnahmen abgesehen hatten sie niemals dort gelebt. Wie schon mehrfach in der Vergangenheit dienten diese chasarischen Ostjuden ihren talmudistischen Herren als Manövriermasse, der die Aufgabe oblag, im Nahen Osten eine zionistische Hochburg zu begründen.

Somit wurde auf den noch rauchenden Trümmerhaufen des Zweiten Weltkriegs die Saat eines künftigen dritten Weltenbrandes ausgestreut. Im Januar 1946 erklärte General Morgan öffentlich, eine „geheime Organisation“ fördere „eine Massenauswanderung von Juden aus Europa, einen zweiten Exodus“. Senator Herbert Lehman, ein prominenter Zionist, der zum damaligen Zeitpunkt Generaldirektor der UNRRA war, geisselte diese Aussage als „antisemitisch“ und forderte Morgans Rücktritt. Nachdem der General beteuert hatte, seinen Erklärungen liege keine „antisemitische“ Haltung zugrunde, lenkte Lehman zunächst ein, doch als Morgan seine Warnung acht Monate später, im August 1946, wiederholte, wurde er vom neuen UNRRA-Generaldirektor Fiorello La Guardia, einem ehemaligen Bürgermeister von New York und feuerspeienden Zionisten, dessen Spitzname „Die kleine Blume“ lautete, fristlos entlassen . Zu Morgans Nachfolger ernannte La Guardia einen Herrn Myer Cohen. Die britische Regierung versetzte Morgan noch einen Eselstritt, indem sie diesen verdienstvollen General vorzeitig in den Ruhestand versetzte – mit der lügenhaften Begründung, dies geschehe auf seinen eigenen Wunsch.

Frederick Morgans Aussagen wurden von zwei hochkarätigen Komitees bestätigt, doch schwieg die gelenkte Presse diesen Sachverhalt weitgehend tot. Ein „Select Committee on Estimates of the British House of Commons“ berichtete im November 1946, eine „sehr grosse Zahl von Juden“, die „ fast schon einen zweiten Exodus“ unternähmen, sei aus Osteuropa in die amerikanischen Besatzungszonen Deutschlands und Österreichs gewandert, wobei das Endziel der meisten von ihnen Palästina sei. „Es ist klar, dass es sich um eine straff organisierte Bewegung handelt, die massive finanzielle Unterstützung erhält und hinter der ungemein einflussreiche Kräfte stehen, aber die Subkomitees vermochten nicht eindeutig zu ermitteln, um wen es sich bei diesen Kräften handelt“, hielt das Komiteee in seinem Bericht fest. Ein „War Investigating Comitee“, das auf Geheiss des amerikanischen Senats nach Europa entsandt worden war, kam zum Schluss, die „umfangreiche Abwanderung von Juden aus Osteuropa in die amerikanische Besatzungszone Deutschlands“ sei „Teil eines sorgfältig organisierten Plans, der von speziellen Gruppen in den Vereinigten Staaten finanziert wird“.

Abermals ergibt sich hier das Bild einer von den Regierungen der beiden westlichen Führungsmächte – in diesem Fall insbesondere jener der USA – unterstützten Verschwörung. Die in den Vereinigten Staaten domizilierte „Organisation“ machte grosszügigen Gebrauch von amerikanischen und britischen Steuergeldern, um unter dem Tarnmäntelchen der Flüchtlingshilfe eine massive Bevölkerungsverschiebung durchzuführen. Die Führer dieser „Organisation“ massten sich an, hohe, staatlich besoldete Beamte, die es wagten, Klartext zu reden, summarisch zu feuern, und die britische Regierung billigte dieses Treiben ausdrücklich. Obwohl den westlichen Führern zum damaligen Zeitpunkt (1946 und 1947) angeblich die Augen über die Perfidie des revolutionären Sowjetstaates aufgegangen waren (immerhin begann damals der „kalte Krieg“), zogen die Regierungen in Washington, London und Moskau in dieser einen Frage am gleichen Strick. Der „Exodus“ erfolgte aus Russland sowie aus jenen Staaten, die der Westen der Revolution überantwortet hatte. Ohne eine (äusserst schwer zu erhaltende) staatliche Genehmigung darf niemand aus der UdSSR auswandern, doch in diesem Fall erwies sich der „eiserne Vorhang“ als löchrig genug, um eine grosse Zahl von „Entwurzelten“ durchzulassen und hierdurch permanente Unruhe im Nahen Osten zu garantieren. Die Situation erinnerte lebhaft an jene vor drei Jahrzehnten, als sich die Grenzen und Häfen Deutschlands (das sich mit Russland im Kriegszustand befand), Englands (das mit Russland verbündet war) und Amerika (das damals noch eine neutrale Position einnahm) für die Revolutionäre öffneten und ihnen somit die Reise nach Russland ermöglichten. In beiden Fällen gab es auf den höchsten Ebenen der Politik keine Verbündeten, Gegner oder Neutrale: Sämtliche Regierungen befolgten die Anweisungen der mächtigsten aller Mächte.

Der frühere britische Kolonialminister Leopold Amery, der massgeblich am Zustandekommen der Balfour-Deklaration beteiligt gewesen war, hatte gesagt: „Wir glaubten, falls es den Juden gelinge, in Palästina zur Mehrheit zu werden, würden sie einen jüdischen Staat gründen.“ Genau dies geschah in den Jahren 1946-1948, und zwar auf die einzig mögliche Weise - durch eine Massenauswanderung von Juden nach Palästina. Nur eines fehlte noch: Die Vereinten Nationen mussten die Invasion unter irgendeinem fadenscheinigen Vorwand absegnen. Um dies zu gewährleisten, musste zunächst der amerikanische Präsident kirre gemacht werden, indem man ihm via seine Berater die Hölle heiss machte und ihm zu verstehen gab, er werde bei den bevorstehenden Wahlen den kürzeren ziehen, falls er nicht auf die zionistischen Forderungen eingehe.

Kaum hatte sich der Pulverdampf des Zweiten Weltkriegs gelichtet, beschwor die Invasion Palästinas die Gefahr eines dritten Waffengangs herauf.

Nachdem General Morgan in England wegen seines Widerstands gegen die Nahostpolitik seiner Regierung den Laufpass erhalten hatte, versuchten zwei hochrangige amerikanische Persönlichkeiten, die kraft ihres Amtes unmittelbar von der Entwicklung im heiligen Land betroffen waren, das Rad noch herumzureissen.

Einer dieser Männer war General Marshall, dessen Strategie bei der Invasion Europas – und später bei den Kämpfen in China – sehr unheilvolle Folgen gezeitigt hatte bzw. noch zeitigen sollte. In der Palästina-Frage legte er Vorsicht an den Tag. 1947 bekleidete er das Amt des Aussenministers und war somit nächst dem Präsidenten der Hauptverantwortliche für die amerikanische Aussenpolitik. Marshall bemühte sich, eine Verstrickung seines Landes in den palästinensischen Krisenherd zu verhindern und wurde, wie in solchen Fällen üblich, schon bald darauf seines Amtes enthoben.

Der zweite dieser beiden Männer war Verteidigungsminister James Forrestal. Er war vor dem Krieg ein erfolgreicher Bankier gewesen und wurde dann aufgrund seiner organisatorischen Fähigkeiten in die Regierung aufgenommen. Ab 1940 bekleidete er zunächst das Amt eines stellvertretenden Marinenminister, ehe er 1944 zum Marineminister und 1947 zum Verteidigungsminister aufrückte. Da er sehr wohlhabend war, besteht kaum Zweifel daran, dass er die ihm angebotenen Ministerämter einzig und allein darum angenommen hat, weil er den aufrichtigen Wunsch verspürte, seinem Vaterland zu dienen.

Forrestal hatte die verhängnisvollen Folgen der einseitig prozionistischen amerikanischen Politik vorausgesehen und machte sich vor seinem Tod bittere Vorwürfe, weil es ihm nicht gelungen war, korrigierend in den Verlauf der Geschehnisse einzugreifen. Von sämtlichen anglo-amerikanischen Politikern, die während zweier Generationen unmittelbare Verantwortung für die Gestaltung der Nahostpolitik getragen hatten, war er der einzige, der in einem Tagebuch ausführlich festhielt, wie die Zionisten Regierende und Regierungen kontrollieren und manipulieren.

Harry Truman beschnitt die Befugnisse seiner Minister noch stärker als sein Vorgänger Roosevelt und schlug ihre Ratschläge auf das Drängen seiner Berater, denen es nicht um die Interessen des Landes, sondern um Wahlergebnisse ging, regelmässig in den Wind. Forrestals posthum erschienene Tagebücher ( The Forrestal Diaries, 1951), Trumans eigene Memoiren sowie Chaim Weizmanns 1949 erschienenes Buch Trial and Error beweisen dies hieb-und stichfest.

Der Kampf um die Kontrolle über den amerikanischen Präsidenten – und damit über die amerikanische Republik selbst – tobte hinter den Kulissen von Herbst 1947 bis Frühling 1948, d. h. während des Zeitraums zwischen der UNO-Debatte über die Teilung Palästinas und der Ausrufung des Staates Israel, die den krönenden Abschluss der gewaltsamen Inbesitznahme Palästinas durch die Zionisten darstellte. Die Daten sind in diesem Fall von besonderer Bedeutung. Im November 1947 verlangten die Zionisten eine Abstimmung über die Teilung des Heiligen Landes, und im Mai 1948 forderten sie die offizielle Anerkennung ihrer Landnahme. Im November 1948 würden in den USA Präsidentschaftswahlen stattfinden, denen im Juni und Juli desselben Jahres die Ernennung der beiden Kandidaten vorausging. Truman wurde von den Managern seiner Demokratischen Partei darüber belehrt, dass nur die Zionisten seine Wiederwahl garantieren könnten; parallel dazu wurde der republikanische Kandidat Thomas Dewey mit dem Versprechen geködert, eine bedingungslose Unterstützung des zionistischen Projekts werde ihm den Wahlsieg sichern. Somit wiesen die Wahlen bedenkliche Ähnlichkeit mit einer Auktion auf. Unter dem steten Druck ihrer Berater überboten die beiden Kandidaten einander mit servil prozionistischen Erklärungen. Als Truman dann im November 1948 das bessere Ende für sich behielt, war ihm klar, dass seine Wiederwahl der Lohn für seine Stellungnahme zugunsten der Teilung Palästinas im November 1947 sowie für die Anerkennung Israels im Mai 1948 war. Eindeutiger liesse sich kaum unter Beweis stellen, welch einschneidende Veränderungen der politischen Landschaft Amerikas die massenhafte Einwanderung von Ostjuden in den Jahrzehnten nach dem Bürgerkrieg bewirkt hatte. In seinem Tagebuch hat Forrestal die wichtigsten Züge bei diesem geheimen politischen Schachspiel sehr anschaulich geschildert.

Als die britische Regierung 1947 als Reaktion auf Trumans Forderung, sofort 100.000 „Entwurzelten“ die Einreise nach Palästina zu erlauben, erklärte, sie werde sich aus ihrem Mandatsgebiet zurückziehen, falls andere Mächte ihr dessen unparteiische Verwaltung verunmöglichten, begann die Lunte an der drei Jahrzehnte zuvor von Arthur Balfour gelegten Zeitbombe zu glimmen. Trumans Berater setzten ihren Präsidenten unverzüglich über die Konsequenzen ins Bild, die ein britischer Rückzug nach sich ziehen musste. In den USA erklärte General Marshall am 8. August 1947 vor dem Kabinett, ein solcher Schritt seitens der Regierung in London werde „einen blutigen Kampf zwischen Arabern und Juden heraufbeschwören“, und sein Unterstaatssekretär Robert Lovett wies am 15. August auf die Gefahr hin, dass die „antiamerikanischen Stimmungen unter allen arabischen und mohammedanischen Völkern“ durch eine solche Politik zementiert würden.

Die Antwort auf diese warnenden Stimmen erfolgte alsbald. Wie nicht anders zu erwarten, kam sie von den Parteipolitikern. Bei einem Mittagessen des Kabinetts forderte Postminister Robert Hannegan (der zuvor nationaler Vorsitzender der Demokratischen Partei gewesen war) den Präsidenten auf, die Warnungen der beiden britischen Staatsmänner mit der Forderung nach der Aufnahme von 150.000 (und nicht nur 100.000) zionistischen Einwanderern zu kontern. Hannegan begründete diesen Ratschlag damit, dass eine solche Forderung „äusserst grossen Einfluss und positive Auswirkungen auf die Spendenkampagne zugunsten des Nationalen Komitees der Demokratischen Partei“ haben werde, und wies darauf hin, dass bereits die frühere Forderung (nach Zulassung von 100.000 jüdischen Immigranten) der Partei „ausserordentlich hohe Spenden seitens jüdischer Sponsoren“ eingebracht hatte und diese Spendengelder entweder weiter fliessen oder versiegen würden, „je nachdem, was der Präsident in der Palästinafrage tut oder unterlässt“.

Die Ausgangslage hätte klarer nicht sein können: Präsident Truman stand vor der Wahl, ob er seine Palästina-Politik an den Interessen seines Landes oder an denen seiner Partei ausrichten sollte. Während Monaten sah er sich immer wieder mit dieser Tatsache konfrontiert, und der Entscheid fiel aufgrund rein parteipolitischer Erwägungen.

Dies liess bei Forrestal endgültig die Alarmglocken läuten. Er ahnte, dass die USA unter zionistische Kontrolle geraten würden, wenn die Aussenpolitik sowie die Verteidigungspolitik (für die er kraft seines Amtes verantwortlich war) Parteiinteressen untergeordnet wurden; schon 1946 hatte er bei Truman angefragt, ob die Palästinafrage nicht „aus der politischen Agenda ausgeklammert“ werden könne. Truman antwortete damals, er sei „prinzipiell einverstanden“, schränkte jedoch ein, diesbezügliche Versuche würden nichts bringen, denn „angesichts der Natur der Politik sowie der Beschaffenheit unserer Regierung“ seien „politische Manöver unvermeidlich“.

Diese Antwort bestätigte Forrestals düstere Vorahnungen. Im September 1947 unternahm er einen beherzten Versuch, „die Palästinafrage aus der politischen Agenda auszuklammern“, wie er sich ein Jahr zuvor ausgedrückt hatte. Er hoffte, in beiden Parteien, der Demokratischen und der Republikanischen, würden sich genügend Leute finden, die bereit sein würden, in wichtigen aussenpolitischen Fragen die Interessen der Nation über diejenige der Parteien zu stellen und Palästina nicht zum Objekt innenpolitischer Streitigkeiten zu machen. Die „Realpolitiker“ reagierten auf diesen Vorschlag mit schneidender Verachtung.

Hannegans zuvor zitierte Bemerkungen liessen dem Verteidigungsminister keine Ruhe. Am 29. September 1947 fragte er Präsident Truman anlässlich eines Mittagessens der Kabinettsmitglieder offen, ob es denn nicht möglich sei, die jüdisch-palästinensische Frage ohne Rücksicht auf die amerikanische Innenpolitik anzupacken. Truman erwiderte ausweichend, ein Versuch werde sich gewiss lohnen, doch bezüglich der Erfolgsaussichten sei er eher skeptisch. Beim nächsten Kabinetts-Mittagessen erteilte Hannegan dem Verteidigungsminister eine unverhohlene Rüge:

„Hannegan brachte die Palästina-Frage zur Sprache“, hielt Forrestal in seinem Tagebuch fest. „Er sagte, viele Personen, die den Demokraten bei ihrer Wahlkampagne finanziell unter die Arme gegriffen hätten, verlangten von der Regierung klipp und klar die Zusicherung, dass sie die jüdische Position in Palästina eindeutig unterstützen werde.“

Forrestal sah Trumans Kapitulation voraus, und seine Besorgnis wuchs ins Uferlose. Am 6. November 1947 traf er sich mit dem Parteimanager der Demokraten, Howard McGrath, zu einer Unterredung, stiess jedoch abermals auf taube Ohren: „Es gibt zwei oder drei Schlüsselstaaten, in denen sich die Demokratische Partei nicht ohne die Unterstützung von Leuten durchsetzen kann, die aufs lebhafteste an der Palästina-Frage interessiert sind“, machte McGrath seinem Gesprächspartner klar. „Mir ist es lieber, diese Staaten fallen bei den Wahlen an unsere Gegner, als dass wir die Risiken eingehen, die meines Erachtens mit unserem Vorgehen in der Palästina-Frage verbunden ist“, konterte Forrestal, doch für dergleichen Argumente war der Parteimanager natürlich nicht zugänglich.

Am folgenden Tag, dem 7. November, erhielt der Verteidigungsminister wieder einmal Schützenhilfe von General Marshall. Vor dem Kabinett bezeichnete dieser den Nahen Osten als „Pulverfass“. Abermals warb Forrestal für sein Konzept, die Palästinafrage nicht zum Gegenstand parteipolitischer Rivalitäten zu machen. Innenpolitische Erwägungen, mahnte er, müssten am Atlantischen Ozean aufhören, und für die Sicherheit der Vereinigten Staaten von Amerika sei keine andere Frage wichtiger als diese.

Die UNO-Abstimmung über den Teilungsplan stand damals unmittelbar bevor. Ein letztes Mal versuchte Forrestal, den Manager der Demokratischen Partei, McGrath, zur Vernunft zu bringen, indem er ihm einen vom amerikanischen Geheimdienst erstellten vertraulichen Bericht über Palästina vorlegte. McGrath wischte diesen Einwand unwirsch beiseite: Ein erheblicher Teil der finanziellen Zuwendungen an das Nationale Komitee der Demokratischen Partei stammten aus jüdischen Quellen, und viele dieser Spender seien überzeugt gewesen, dass sie „Gelegenheit erhalten würden, ihren Standpunkt zu Fragen wie dem gegenwärtigen Palästina-Problem deutlich zu machen und mit einer wohlwollenden Reaktion rechnen zu dürfen“. Unter den Juden sei die Meinung weit verbreitet, die USA würben bei der UNO-Generalversammlung nicht eifrig genug um Stimmen für die Teilung Palästinas. Darüber hinaus, fuhr McGrath fort, erwarteten die Juden von den Vereinigten Staaten, dass diese ihr Bestes täten, um im Fall eines Teilungsbeschlusses diesen praktisch durchzusetzen, wenn nötig gewaltsam.

Diese Zitate zeigen sehr anschaulich, wie weit die Demokratische Partei und die von ihr gestellte Regierung bei ihrem Buhlen um jüdische Spendengelder und jüdische Stimmen zu gehen bereit war. Anfangs „erwarteten“ die Zionisten lediglich Unterstützung für den Teilungsplan, doch schon wenige Wochen später verlangten sie von Washington, bei der UNO-Generalversammlung auf andere Staaten einzuwirken, damit diese diesem Plan zustimmten, und zu dessen Verwirklichung notfalls amerikanische Truppen in den Nahen Osten zu entsenden. Der Manager der Demokratischen Partei fand an diesem Ansinnen nichts Ungewöhnliches…

Vermutlich aus reinem Pflichtgefühl und nicht in der vagen Hoffnung, doch noch etwas ändern zu können, beschwor Forrestal McGrath, „diese Angelegenheit aufs gründlichste zu überdenken, denn sie betrifft nicht nur die Araber im Nahen Osten, sondern möglicherweise die gesamte muslimische Welt mit ihren 400 Millionen Menschen: Ägypten, Nordafrika, Indien und Afghanistan“.

Während James Forrestal in den Korridoren des Weissen Hauses einen aussichtlosen Kampf führte, warb Chaim Weizmann in Washington, New York und Lake Success unermüdlich um Stimmen für den Teilungsplan. Gewiss, er stiess immer wieder auf Schwierigkeiten, doch wenn es kritisch wurde, konstatierte er regelmässig einen „erfreulichen und eindeutigen Meinungsumschwung“ unter jenen „wohlhabenden Juden“, die dem Zionismus zuvor negativ gegenübergestanden hatten. Erst zu diesem späten Zeitpunkt erwähnt er in seinem Buch den Namen Bernard Baruchs: Dieser sei früher ein „oppositioneller Jude“ gewesen, einer jener „reichen und mächtigen Juden, die das Konzept einer jüdischen Heimstatt ablehnten, aber er wusste nicht sehr viel über dieses Thema“.

Über die genaue Zusammensetzung und die Natur der „jüdischen Internationalen“, die laut Dr. Kastein zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstand, kann man nur spekulieren. Im Lichte der Geschehnisse der letzten fünf Jahrzehnte ist die Vermutung statthaft, dass es sich bei dieser „Internationalen“ um ein permanentes, hohes Direktorium handelt, das keinerlei Rücksicht auf Landesgrenzen nimmt. Vermutlich ändert sich seine Zusammensetzung nur dann, wenn eines ihrer Mitglieder stirbt. Sofern wir mit dieser Annahme richtig liegen, spricht alles dafür, dass Chaim Weizman ein sehr hoher – vielleicht der höchste – Funktionär dieses Direktoriums war, aber eben doch nur ein Funktionär, der Vorgesetzte hatte und diesen Rechenschaft schuldete. Meiner Auffassung nach waren die vier höchstrangigen Angehörigen dieser Organisation in den USA während des hier besprochenen Zeitraums Bernard Baruch, Herbert Lehmann, Henry Morgenthau junior und Felix Frankfurter (in dieser Reihenfolge).

Hier mag man einwenden, Baruchs Name sei auf dieser Liste fehl am Platz, weil er sich niemals öffentlich mit linken Anliegen oder dem Zionismus identifiziert hatte. Sein Freund und Kupferstecher Winston Churchill bescheinigte Baruch gegenüber Chaim Weizmann sogar ausdrücklich eine „negative Haltung“ zum Zionismus, mit dem Ergebnis, dass es Weizmann – immer seinen eigenen Worten zufolge – bei seinen früheren Begegnungen mit Baruch in Amerika „sorgfältig vermieden hatte, das jüdische Problem zur Sprache zu bringen“.

Dies ändert freilich nichts daran, dass Baruch just zu diesem kritischen Zeitpunkt „einen Kurswechsel vornahm“ (Weizmann), der die Durchschlagskraft der zionistischen Kampagne entscheidend erhöhte. Während Weizmann durch die Hallen des UNO-Gebäudes in Lake Success schritt, erfuhr er, dass die amerikanische Delegation gegen die Teilung Palästinas war. Er verlor keine Zeit, sondern versicherte sich der „besonderen Unterstützung“ Bernhard Baruchs (den selbst seine intimen Freunde wie Churchill mindestens vier Jahrzehnte lang für einen Widersacher des Zionismus gehalten hatten) sowie Henry Morgenthaus (dessen Namen untrennbar mit der von Roosevelt und Churchill 1944 in Ottawa abgesegneten Politik der „blinden Rache“ verbunden ist).

Im Gegensatz zu westlichen Politikern wird Bernard Baruch schwerlich ein ehrfürchtiger Schauer den Rücken hinuntergelaufen sein, als er Herrn Dr. Chaim Weizmann sah. Folglich gibt es für sein jähes Einschwenken auf die zionistische Linie nur zwei Möglichkeiten:

Entweder war er plötzlich zum Zionismus bekehrt worden, oder seine frühere antizionistische Haltung war lediglich ein Täuschungsmanöver gewesen. Jedenfalls erwies sich sein Kurswechsel als entscheidend, wie wir bald sehen werden.

Auf die Unterstützung anderer mächtiger Juden in der Demokratischen Partei hatte Weizmann von Beginn an zählen dürfen. Senator Lehmann war zu dem Zeitpunkt, wo die UNRRA Ostjuden von Europa nach Palästina schleuste, der Chef dieser Organisation gewesen und hatte den Rücktritt General Morgans verlangt ,weil letzterer die Öffentlichkeit auf diesen massiven Bevölkerungstransfer aufmerksam gemacht hatte; somit war die Rolle, die er in diesem Drama spielte, hinreichend klar. An Richter Frankfurters radikal prozionistischer Einstellung gab es ebensowenig irgendwelche Zweifel. Der Nahostbeauftragte im US-Aussenministerium, Loy Henderson, wies Forrestal darauf hin, dass er sowie Unterstaatssekretär Lovett unter „stärksten Druck“ gesetzt worden waren, um zu erreichen, dass sie in der UNO aktiv um Stimmen für den Teilungsplan warben; seinen Ausführungen zufolge hatten Frankfurter sowie ein anderer Richter namens Murphy den philippinischen Delegierten in diesem Sinne bearbeitet. (Hier lohnt sich der Hinweis darauf, dass Frankfurter bei den Versailler Verhandlungen von 1919 an Oberst House herangetreten war, „um über die Juden in Palästina zu sprechen“; dass er sich an der Juristischen Fakultät der Harvard-Universität hingebungsvoll um einen gewissen Studenten namens Alger Hiss gekümmert hatte, rundet das Bild ab.)

Mit solch hochgestellten Persönlichkeiten im Rücken muss sich Chaim Weizmann vorgekommen sein wie der General einer dem Gegner haushoch überlegenen Belagerungsarmee, als er dem Kommandanten der umringten Zitadelle, US-Präsident Harry Truman, am 19. November 1947 seine Aufwartung machte, um zu verlangen, dass die USA der Teilung Palästinas zustimmten. Als Sahnehäubchen forderte er zusätzlich, der Negev-Bezirk (dem Weizmann „grosse Bedeutung“ beimass) müsse dem Territorium des künftigen zionistischen Staates zugeschlagen werden.

Truman erwies sich als gehorsamer Vasall. „Er versprach mir, sich unverzüglich mit der amerikanischen Delagation in Verbindung zu setzen“, konstatierte Weizmann erfreut. Der Chef der US-Delegation in Lake Success, Herrschel Johnson, der dem zionistischen Vertreter eben mitteilen wollte, Amerika werde gegen den Anschluss des Negev-Bezirks an Israel stimmen, wurde ans Telefon gerufen und nahm via Truman Weizmanns Befehle entgegen. Nachdem das Tüpfelchen auf das letzte i gesetzt worden war, empfahl die Generalversammlung der Vereinten Nationen (in der zionistischen Propaganda wird das Wort „empfahl“ stets durch „beschloss“ ersetzt), nach dem Auslaufen des britischen Mandats am 1. August 1948 sollten „ein unabhängiger arabischer und ein unabhängiger jüdischer Staat“ entstehen, und es solle „eine besondere internationale Verwaltung für die Stadt Jerusalem“ geschaffen werden.

Bei der Abstimmung sprachen sich 31 Nationen für und 13 gegen den Teilungsplan aus; weitere 10 enthielten sich der Stimme. Wie die Ja-Stimme der Vereinigten Staaten zustande kam, haben wir bereits gesehen. Bezüglich einiger der anderen Ja-Stimmen sagte Unterstaatssekretär Robert Lovett beim nächsten Mittagessen des Kabinetts in Washington am 1. Dezember 1947, er sei noch nie zuvor in seinem Leben Zeuge dermassen massiver Pressionsversuche gewesenwie in den vergangenen drei Tagen. Die Firma Firestone Tire and Rubber, die in Liberia eine Konzession besass, war seinen Darlegungen zufolge telefonisch aufgefordert worden, ihren Vertreter in Liberia dahingegend zu instruieren, dass er „Druck auf die liberianische Regierung ausübte, damit sie für die Teilung stimmte“. Dies bestätigt die Darstellung Loy Hendersons, der zufolge die amerikanischen Delegierten angewiesen worden waren, bei den Vertretern der kleinen Staaten für den Teilungsplan zu werben. Unter diesen Umständen kam das Ergebnis der UNO-Abstimmung über die explosivste politische Frage unseres 20. Jahrhunderts also zustande!

Beim ersten Kabinettsmittagessen nach der Abstimmung feuerte Forrestal abermals eine Breitsalve gegen die Nahostpolitik seiner Regierung ab: „Ich bemerkte, viele denkende Menschen jüdischen Glaubens empfänden Zweifel an der Weisheit des zionistischen Drucks zugunsten der Errichtung eines jüdischen Staates in Palästina… Die [amerikanische] Entscheidung [zugunsten der Gründung eines solchen Staates] bringe grosse Gefahren für die künftige Sicherheit unseres Landes mit sich.“ Am 3. Dezember 1947 brachte er die Frage in einem Gespräch mit James F. Byrnes aufs Tapet, der einige Monate zuvor als Aussenminister seinen Hut hatte nehmen müssen, möglicherweise weil er Ibn Saud anno 1945 über Roosevelts Pläne in Kenntnis gesetzt hatte. Byrnes meinte, Trumans Vorgehen habe die britische Regierung in eine „extrem schwierige Lage“ versetzt, und fügte hinzu, die Hauptverantwortlichen für diese Entwicklung seien der David K. Niles (ein Mann russisch-jüdischer Abstammung) sowie Richter Samuel Rosenman gewesen. Niles und Rosenman hatten zur Prätorianergarde des seligen Franklin D. Roosevelt gehört, waren von diesem ins Weisse Haus eingeschleust worden und hatten für ihn als Ghostwriter Reden geschrieben. Laut Byrnes hatten diese beiden Männer Truman mitgeteilt, der republikanische Präsidentschaftskandidat Thomas Dewey werde demnächst „eine prozionistische Stellungnahme zu Palästina abgeben“ und ihn gewarnt, die Demokraten könnten sich den Staat New York an den Hut schreiben, wenn der Präsident seinem Herausforderer nicht mit einer entsprechenden Erklärung zuvorkomme.

Byrnes Ausführungen vermitteln einen weiteren Hinweis darauf, was hinter den Kulissen vor sich ging. Die beiden Bewerber um das höchste Amt der Vereinigten Staaten von Amerika benahmen sich wie Kinder, die man zum Kampf gegeneinander aufhetzt, indem man dem Sieger eine Tüte mit Süssigkeiten in Aussicht stellt. Ganz nebenbei sei bemerkt, dass Truman seine Wiederwahl trotz seiner Totalkapitulation vor den zionistischen Forderungen noch keineswegs auf sicher hatte; bis zur Wahl dauerte es noch fast ein Jahr, in der Zwischenzeit würden die Zionisten eine ganze Reihe zusätzlicher Forderungen an ihn stellen, und die Republikaner würden sich immer prozionistischer gebärden, was die Demokraten ihrerseits ständig in Zugzwang bringen würde.

In seiner Verzweiflung wandte sich Forrestal nun an den republikanischen Kandidaten Dewey: „Ich sagte, die Palästina-Frage erfülle mich hinsichtlich der Sicherheit der Nation mit brennender Sorge, und erkundigte mich ein weiteres Mal, ob sich die Parteien nicht darauf einigen könnten, diese Frage nicht zum Wahlkampfthema zu machen.“ Dewey, der damals Gouverneur des Staates New York war, antwortete in ähnlichem Sinne wie zuvor Truman: Es sei sehr schwierig, in dieser Frage etwas zu erreichen, erstens wegen der masslosen Forderungen der Juden, die Palästina zu ihrem gefühlsmässigen Symbol gemacht hätten, und zweitens weil die Demokratische Partei nicht gewillt sein werde, ihre jüdischen Wähler zu verprellen. In der Tat bemühte sich Dewey auch weiterhin, seine demokratischen Konkurrenten im Kampf um die jüdischen Stimmen zu übertrumpfen; zu seiner Überraschung zog er bei der Wahl aber dennoch den kürzeren.

Forrestals nächster Schritt bestand in einem Versuch, den Widerstand des Aussenministeriums gegen die Politik des Präsidenten zu stärken. Dies tat er am 21. Januar 1948 in Gestalt eines Memorandums, in dem er die Gefahren analysierte, die der nationalen Sicherheit Amerikas durch die drohende Verstrickung in einen Nahostkonflikt zwangsläufig erwachsen mussten. „Es ist zweifelhaft, ob es in unserer Aussenpolitik ein Thema gibt, das für die Sicherheit der Vereinigten Staaten von grösserer Bedeutung ist und grössere Gefahren in sich birgt als unsere Position im Nahen Osten“, hielt er unmissverständlich fest. Abermals warnte er davor, das Verhältnis zu der islamischen Welt permanent zu belasten und „in einen Krieg hineinzustolpern“. Bei manchen Republikanern habe er „ein begrenztes Mass an Unterstützung“ für seinen Vorschlag gefunden, diese Frage nicht zum Gegenstand parteipolitischer Querelen zu machen, aber bei seinen Gesprächen mit Demokraten habe er das Gefühl gehabt, „ein wesentlicher Teil der Finanzen der Demokratischen Partei“ entstamme „zionistischen Quellen“, und diese Geldgeber neigten dazu, „als Gegenleistung ein alleiniges Entscheidungsrecht über diesen Teil unserer nationalen Politik zu fordern“.

Diese Worte liessen an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig und trafen den Nagel auf den Kopf. In der Tat verlangten die Zionisten das Recht, allein über die amerikanische Nahostpolitik zu entscheiden, und stellten demjenigen der beiden Kandidaten, der den anderen an Willfährigkeit überbot, zur Belohung für vier Jahre das Amt des Präsidenten in Aussicht. Ob sie tatsächlich imstande waren, ihre Versprechungen einzuhalten, ist niemals ernsthaft überprüft worden; die Manager beider Parteien nahmen sie beim Wort, und die diversen Kandidaten überboten einander mit prozionistischen Erklärungen, da sie wussten (oder zumindest glaubten), dass sie ansonsten keine Chance hatten, von ihrer jeweiligen Partei nominiert zu werden.

Forrestal ersuchte General Marshall, der Byrnes als Aussenminister gefolgt war, dem Präsidenten seine Bedenken vorzutragen, wobei er darauf hinwies, dass „zahlreiche Juden der Meinung sind, der gegenwärtige Fanatismus der Zionisten könne ausserordentlich gefährliche Folgen haben, weil er nicht nur die amerikanische Gesellschaft spaltet, sondern langfristig auch die Position der Juden in aller Welt gefährdet“.

Nachdem Unterstaatssekretär Lovett Forestalls Memorandum gelesen hatte, legte er diesem ein anderes Memorandum vor, das vom Planungsstab des Aussenministeriums erstellt worden war. Seine Urheber warnten den Präsidenten, der Teilungsplan könne nicht funktionieren (genau wie die kolonialen Verwalter früher die britische Regierung gewarnt hatten, das Mandat könne nicht funktionieren); die USA seien nicht verpflichtet, diesen Plan zu unterstützen, wenn er ohne Waffengewalt nicht zu verwirklichen sei; es widerspreche den amerikanischen Interessen, den Zionisten Waffen zu liefern und den Arabern solche zu verweigern; die Vereinigten Staaten sollten nicht versuchen, die „Empfehlung“ der Vereinten Nationen in die Tat umzusetzen, sondern vielmehr den Versuch unternehmen, sie rückgängig zu machen.

„Unsere Aussenpolitik wird dadurch erschwert, dass andere versuchen, die Vereinten Nationen als Propagandaplattform zu missbrauchen“, hielt Lovett fest und fügte hinzu, im Aussenministerium empfinde man „ernsthafte Verlegenheit und Ratlosigkeit“ über die Aktivitäten des Herrn Niles, der sich bei allen im Zusammenhang mit Palästina stehenden Fragen direkt an den Präsidenten zu wenden pflege. Erst heute, klagte der Unterstaatssekretär, sei er ein weiteres Mal unter Druck gesetzt worden; Niles habe aus dem Weissen Haus angerufen und seine Hoffnung bekundet, das Embargo für Waffenlieferungen an die Zionisten werde demnächst aufgehoben.

Für die Strippenzieher im Weissen Haus war Forrestal mittlerweile längst zum Störfaktor ersten Ranges geworden, und sie beschlossen, sich seiner zu entledigen. Der erste Warnschuss war ein Besuch von Franklin D. Roosevelt junior. Obwohl sein Vater kurz vor seinem Hinschied gelobt hatte, „keine feindlichen Aktionen gegen die Araber zu unternehmen“, war der Sohn (ein New Yorker Politiker mit Ambitionen auf das Präsidentenamt) ein radikaler Parteigänger der Zionisten. Forrestal nahm kein Blatt vor den Mund: „Meiner Ansicht nach grenzen die Methoden, derer sich gewisse mit keinerlei Regierungsbefugnissen ausgestattete Personen bedient haben, um andere Staaten in der Generalversammlung der Vereinten Nationen unter Druck zu setzen und einzuschüchtern, an einen Skandal.“ Nachdem er zu seinem Erstaunen festgestellt hatte, dass sein Besucher „keine Drohungen ausstiess“, erläuterte seinen Vorschlag, die Parteien sollten sich darauf einigen, die Palästinafrage nicht zum Objekt innenpolitischer Streitigkeiten zu machen.

Roosevelt junior erwiderte, dies sei ein Ding der Unmöglichkeit: Die Nation sei in dieser Frage viel zu stark engagiert, und ausserdem könnte ein solches Abkommen zwischen den Parteien den Demokraten nur schaden und den Republikanern nur nützen. Hierauf wandte Forrestal ein, wenn die Demokraten nicht auf die Forderungen der Zionisten eingingen, liefen sie möglicherweise in der Tat Gefahr, die Staaten New York, Pennsylvania und Kalifornien zu verlieren (jene drei „Schlüsselstaaten“, von denen Parteimanager McGrath gesprochen hatte), doch sei es allmählich an der Zeit, sich Gedanken darüber zu machen, ob die Politiker nicht Gefahr liefen, die Vereinigten Staaten zu verlieren.

Roosevelts Antwort auf dieses Argument ist nicht überliefert, doch für Forrestal bedeutete sein Besuch Unheil, denn noch am selben Tag (dem 3. Februar 1948) meldete sich Bernard Baruch zu Wort. Dieser ehemalige Kritiker des Zionismus hatte sich inzwischen zu einem so eifrigen Fürsprecher der zionistischen Sache gemausert, dass er Forrestal riet, „in dieser Angelegenheit nicht mehr aktiv zu werden“; er sei „mittlerweile als Gegner der Palästina-Politik der Vereinten Nationen bekannt“, was durchaus nicht in seinem Interesse liege.

Für Forrestal waren diese Worte das Zeichen an der Wand. Es war dies das erste Mal, dass Baruch in einer kardinalen aussenpolitischen Frage seine Krallen gezeigt hatte. Er hatte Forrestal, der immerhin ein Ministeramt bekleidete, unverhohlen nahegelegt , an seine eigenen Interessen zu denken, obgleich man von einem Minister eigentlich hätte erwarten müssen, die Interessen seines Landes über seine persönlichen zu stellen. Forrestal verrät nicht, ob er in diesen Worten eine versteckte Drohung sah, doch dass er mit einer solchen rechnete, ergibt sich aus seiner Formulierung, wonach sein Besucher „keine Drohungen ausgestossen“ hatte.

Wie fast alle Männer, die gegen Zions Stachel löckten, erlag auch James Forrestal letzten Endes der Furcht. Vier Tage nach seiner Unterredung mit Roosevelt junior, am 7. Februar 1948, verfasste er ein letztes Memorandum zur Palästinafrage. Obschon er es seinem Präsidenten niemals vorlegte, ist es durchaus von historischem Interesse. Am 6. Februar, schreibt Forrestal, habe ihm Eisenhower mitgeteilt, „eine effiziente Beteiligung der USA an einer palästinensischen Polizeitruppe würde ungefähr eine Division mit entsprechenden Nachschubeinheiten erfordern“. Zum damaligen Zeitpunkt entwarf Eisenhower in seiner Eigenschaft als Stabschef Pläne für die Eventualität einer Entsendung amerikanischer Streitkräfte nach Palästina.

Am 12. sowie am 18. Februar richtete Forrestal zwei letzte Appelle an General Marshall, den er ersuchte, bei Präsident Truman sowie den Parteimanagern vorstellig zu werden. Weitere Schritte hat er in dieser Angelegenheit nicht mehr unternommen, doch nützte ihm dies nichts mehr, denn innerhalb von 15 Monaten wurde er buchstäblich zu Tode gehetzt. Auf die Umstände, die zu seinem Ableben führten, wollen wir nun näher eingehen, zeigen sie doch anschaulich, wie man einen rechtschaffenen Menschen mittels einer sorgfältig orchestrierten Hetz- und Verleumdungskampagne in den Tod treiben kann.

Als ich anfang 1949 zum ersten Mal die USA besuchte, war ich erstaunt über die hasserfüllten Attacken gegen Verteidigungsminister James Forrestal. Ich hatte seinen Namen zwar gelesen, wusste aber nichts Näheres über ihn; von der Rolle, die er in der Palästinafrage gespielt hat, erfuhr die Öffentlichkeit ohnehin kein Sterbenswörtchen. Hingegen konnte sie Tag für Tag in der Zeitung lesen oder am Rundfunk hören, dass dieser Forrestal geistig gestört sei, dass er seine Frau feige im Stich gelassen habe, als sie von einem Juwelenräuber angegriffen worden sei, dass er seine Steuern nicht bezahlt und noch unzählige andere Schreckenstaten auf sein Gewissen geladen habe. Durch eine Fügung des Schicksals lernte ich einen seiner Freunde kennen, der mir mitteilte, diese Verleumdungskampagne habe ihn dermassen mitgenommen, dass er mit einem Fuss im Grabe stehe. Einige Wochen darauf stürtze er sich aus dem 16. Stock der Klinik, in der er sich befand, aus dem Fenster. In seinem Zimmer liess er einen Zettel mit einigen Versen zurück, die er aus einer griechischen Tragödie abgeschrieben hatte: „Wehe, wehe! wird der Schrei erschallen.“

Die amerikanischen Gesetze gegen Verunglimpfung sind recht schwammig formuliert und variieren je nach Bundesstaat; die diesbezüglichen Strafverfahren ziehen sich meist über lange Zeit hin. Selbst eine erfolgreiche Klage führt nicht immer zur Rehabilitierung des Verleumdeten. In der Praxis ist es ungemein schwierig, jemanden wegen Ehrabschneidung vor den Richter zu bringen. Bei gezielten Hetzkampagnen bedienen sich die Medien einer Sprache, die geeignet ist, die Leidenschaften des Mobs aufzuputschen, und bei Rundfunksendungen werden solche Beschimpfungen in einem Ton ausgestossen, der an das frenetische Geheul rasender Negerstämme gemahnt. Unter den persönlichen Habseligkeiten, die Forrestal hinterlassen hatte, fand man ein Notzibuch, in dem er diese Angriffe vermerkt hatte; sie hatten ihn dermassen zermürbt, dass er nicht mehr imstande war, sich Rundfunksendungen anzuhören. Nachdem man ihn monatelang mit Schmutz überhäuft hatte, wurden zwei Radiokommentaren damit beauftragt, ihm den Blattschuss zu versetzen. Einer dieser beiden Herren behauptete am 9. Januar 1949, Präsident Truman werde Forrestals Gesuch um Entbindung von seinen Pflichten als Minister innerhalb einer Woche annehmen, und liess ausserdem durchblicken, Forrestal besitze Anteile an irgendeiner deutschen Firma. Am 11. Januar doppelte der zweite Schmierfink nach, indem er Millionen von Zuhörern erzählte, Truman hätte Forrestals Gesuch um Entlassung bereits angenommen, wenn der erste Kommentator keine Indiskretion begangen hätte, indem er diesen Schritt im voraus ankündigte. Anschliessend servierte der Reporter seiner Zuhörerschaft die Räuberpistole von dem Juwelendieb, der Frau Forrestal überfallen hatte, ohne dass ihr Mann zu ihrem Schutz einschritt. Nachdem Truman der Presse erst wenige Wochen zuvor mitgeteilt hatte, er habe Forrestal ausdrücklich gebeten, nicht von seinem Ministeramt zurückzutreten, zitierte er ihn am 1. Februar zu sich und forderte ihn ohne Erklärung ultimativ auf, auf den 1. Mai von seinem Amt zurückzutreten. Am 31. März legte Forrestal sein Ministeramt nieder, am 21. Mai beging er Selbstmord. Bei seinem Begräbnis bezeichnete ihn Truman als „Opfer des Kriegs“!

Es sei darauf hingewiesen, dass ein anderer Mann etwas später im gleichen Jahr ebenfalls zur Zielscheibe eines Kesseltreibens wurde, unter dem er dermassen litt, dass er beschloss, aus dem Leben zu scheiden; sein Selbstmordversuch scheiterte allerdings. Dieser Mann war Whittacker Chambers. Sein „Verbrechen“ war, dass er versucht hatte, die Öffentlichkeit über die kommunistische Unterwanderung der US-Regierung aufzuklären. Zur Zeit seiner Verfolgung, die ich in einem früheren Kapitel geschildert habe, hielt ich mich in den Vereinigten Staaten auf. Die Art und Weise, wie die Kampagne gegen Chambers geführt wurde, erinnerte mich an die talmudistische Praxis, einen Menschen, der den Ingrimm der Juden erregt hatte, „durch einen wütenden, starren Blick zu verfluchen“. Whittackers Selbstmordversuch sowie seine anschliessende Kranhkeit legen Zeugnis davon ab, welch ominöse Folgen dieser „wütende, starre Blick“ für den Betroffenen nach sich zieht.

Trotz des abschreckenden Exempels, das man an Forrestal statuiert hatte, und ungeachtet der Warnungen Bernard Baruchs gab es im Aussenministerium immer noch verantwortungsbewusste Männer, die den Kampf gegen die einseitige Nahostpolitik ihrer Regierung fortsetzten. An ihrer Spitze stand General Marshall. Zur gleichen Zeit führte Bevin in England allein auf weiter Flur den Kampf gegen die konservative Opposition und die grosse Mehrheit seiner eigenen Partei. Einen kurzen Augenblick lang sah es tatsächlich so aus, als hätten sich die verantwortungsbewussten Offiziere und Beamten in Amerika und England durchgesetzt.

Im März 1948 hatte die Gewalt in Palästina nach der „Empfehlung“ der UNO, das Land in einen arabischen und einen jüdischen Staat zu teilen, dermassen zugenommen, das beim Sicherheitsrat der Vereinten Nationen die Alarmglocken zu läuten begannen und er zum Rückzug blies. Selbst Präsident Truman war sichtlich aus der Fassung gebracht, und sein Vertreter im Sicherheitsrat kündigte (am 19. März) eine Kursänderung der amerikanischen Politik an. Er schlug vor, den Teilungsplan zu suspendieren, einen Waffenstillstand zu arrangieren und das britische „Mandat“ durch eine „Treuhänderschaft“ zu ersetzen. Letzterer Punkt hatte bereits im Memorandum des US-Aussenministeriums vom Januar desselben Jahres figuriert.

Somit schien das Projekt zur Errichtung eines jüdischen Staates im letzten Moment Schiffbruch zu erleiden. In Washington und London machte es den Eindruck, als habe die Vernunft die Oberhand gewonnen. Wenn der Coup jetzt fehlschlug, konnte lediglich ein dritter Weltkrieg neue Chancen auf die Verwirklichung des zionistischen Traums eröffnen. Gewiss, eine „Treuhänderschaft“ war nichts anderes als eine abgeänderte Variante des gescheiterten Mandats, doch gab es einen gewichtigen Unterschied: Die Garantiemacht würde fortan Amerika heissen. In einem oder zwei Jahrzehnten würden die Amerikaner vermutlich wie vor ihnen die Briten merken, dass das Konzept der Treuhänderschaft in der Praxis nicht zu verwirklichen war.

Jetzt oder nie! lautete die Losung der Zionisten, und sie schlugen sogleich wuchtig zu: Sie konfrontierten die Vereinten Nationen mit einem fait accompli, indem sie die Teilung Palästinas eigenmächtig vollzogen. Dies geschah mit jenen terroristischen Mitteln, denen der Zionistische Weltkongress 1946 seinen Segen erteilt hatte. Damals hatten die „demoralisierenden Kräfte in der Bewegung“ (Chaim Weizmanns Formulierung) „Widerstand, Verteidigung und Aktivismus“ gepredigt, und Weizmann, der wusste, was sich hinter diesen wohlklingenden Wörtern verbarg, wurde als Kongressvorsitzender gefeuert, weil er seine Stimme gegen diese extremistische Politik erhoben hatte.

Für Weizmann war der Terror in Palästina „das alte Übel in neuer, fürchterlicher Gestalt“. Am 9. April 1948 zeigte sich mit aller Deutlichkeit, was er darunter verstanden hatte. An jenem Tage verübten die „Aktivisten“ zweier zionistischen Terrororganisationen in dem arabischen Dorf Deir Yasin ein grauenvolles Massaker, wobei sie sich genau jener Methoden bedienten, die das fünfte Mosesbuch vorschreibt. (Wie dem Leser erinnerlich sein wird, stellt dieses eine Weiterentwicklung des ursprünglichen mosaischen Gesetzes für die Israeliten dar und ist für alle Juden verbindlich.)

Es war dies der wichtigste Tag in der ganzen Geschichte des Zionismus. Für die Araber, welche die Torah kannten und – um es mit Ibn Saud zu sagen – seit zweitausend Jahren wussten, was die westliche Welt erst in zwei Weltkriegen gelernt hatte, bedeutete er, dass das barbarische Gesetz Judas, welches die Leviten zwischen 700 und 400 v. Chr. entwickelt hatten, wieder in Kraft gesetzt worden war und sich nun mit aller Wucht gegen sie richtete – mit dem Segen sowohl des „christlichen“ Westens als auch der kommunistischen Sowjetunion. Diese symbolträchtige Schlächterei führte ihnen vor Augen, was ihnen blühte, wenn sie in ihrer Heimat blieben. Das zionistische Kalkül ging auf:

Mehr als die Hälfte der arabischen Bevölkerung Palästinas flüchtete in die arabischen Nachbarstaaten.

Das Massaker von Deir Yasin wurde in der westlichen Presse kurz erwähnt; beispielsweise berichtete die New Yorker Zeitschrift Time: „Jüdische Terroristen von der Stern-Bande und Irgun Zvai Leumi haben das Dorf Deir Yasin erstürmt und jeden niedergemacht, der sich blicken liess. Später fand man die Leichen von 250 Arabern, mehrheitlich Frauen und Kleinkindern, die in einen Brunnen geworfen worden waren.“

„Die Bibel ist unser Mandat“, hatte Chaim Weizmann bei der Versailler Friedenskonferenz von 1919 erklärt. In abendländischen Ohren klangen diese Worte wie Musik, doch was sie wirklich bedeuteten, erwies sich knapp drei Jahrzehnte später in Deir Yasin. Wie einst Chaim Weizmann beriefen sich die für das Blutbad verantwortlichen zionistischen Führer auf die Bibel. In der Tat hatten sie genau das getan, was Jahve seinem Volk befohlen hatte: „Aber in den Städten der Völker hier, die dir der HERR, dein Gott, zum Erbe geben wird, sollst du nichts leben lassen, was Odem hat, sondern sollst an ihnen den Bann vollstrecken“ (5. Mose 16). Heute [d. h. im Jahre 1956; der Übersetzer] gibt es sieben arabische Staaten; in jedem von ihnen leben Flüchtlinge, die 1948 von den Zionisten aus ihrer palästinensischen Heimat vertrieben wurden und der Bevölkerung ihrer Gastländer drastisch vor Augen führen, welches Schicksal das alte jüdische Gesetz auch ihr zugedacht hat.

Dass das Judentum als Ganzes die Untat von Deir Yasin zumindest billigend in Kauf nahm, beweist einmal mehr, wie radikal sich die jüdische Psyche innerhalb weniger Jahrzehnte unter dem verderblichen Einfluss der zionistischen Propaganda gewandelt hat. 15 Jahre zuvor, anno 1933, hatte Bernard J. Brown die eben zitierte Stelle aus dem Alten Testament als Begründung für die Furcht der Araber vor den Juden angeführt und hinzugefügt: „Die ungebildeten Araber verstehen natürlich nicht, dass der moderne Jude seine Bibel nicht wörtlich nimmt und dass er ein gutherziger und humaner Mensch ist, der gegenüber seinem Mitmenschen niemals so grausam wäre, doch hegen die Araber den Verdacht, dass, wenn die Juden ihren Anspruch auf Palästina mit ihren historischen Rechten auf dieses Land begründen, sie dies lediglich unter Berufung auf die Bibel tun können, und der Araber lehnt es ab, irgendeinen Teil der Bibel zu verwerfen.“ Die Araber hatten mit ihren düsteren Vorahnungen recht, während sich Brown gründlich täuschte; als aufgeklärter Westjude konnte er sich im Jahre 1933 einfach nicht vorstellen, dass der Zionismus gleichbedeutend mit der Rückkehr zu einem alten Aberglauben in seiner barbarischsten Form war.

Wenn Deir Yasin ein isolierter Fall blieb**, dann vermutlich nur darum, weil diese schauerliche Schlächterei vollkommen ausreichte, um die Araber zum Verlassen ihres Landes zu bewegen. Der jüdische Autor Arthur Koestler, der sich damals in Palästina aufhielt, lässt hieran keinen Zweifel aufkommen. Nach Deir Yasin, schreibt er, sei die arabische Zivilbevölkerung unverzüglich aus Haifa, Tiberia, Jaffa und allen anderen Städten geflohen, und bis zum 14. Mai hätten „bis auf einige tausend“ sämtliche Araber Palästina verlassen.*** Alle unparteiischen Beobachter vertreten denselben Standpunkt: Das Massaker von Deir Yasin war der Auslöser für die Massenflucht. Ab dem 9. April 1948 konnte kein Zweifel mehr daran bestehen, dass das alttestamentarische jüdische Gesetz wieder in Kraft war und dass sich die Zionisten auch künftig nicht scheuen würden, zur Erreichung ihrer Ziele nackten Terror anzuwenden. Deir Yasin erklärt die Furcht der überlebenden arabischen Staaten ebenso wie die Flucht der Palästinenser aus ihrer angestammten Heimat.

Deir Yasin löste das Problem, mit dem die Zionisten gerungen hatten, zumindest für eine Weile. Die Teilung Palästina war – wenn auch auf gewaltsamem Wege – bewerkstelligt worden. Das Blutbad öffnete zwar nicht dem Westen, wohl aber den Arabern die Augen über das, was Chaim Weizmann „der Abgrund, in den der Terrorismus führt“ genannt hatte. Am dem 9. April 1948 stand der Westen am Rande dieses Abgrunds, den zwei Generationen seiner Politiker gegraben hatten.

Fassen wir zusammen: Zwischen dem 19. März, als die amerikanische Regierung erklärte, die Teilung Palästinas sei „nicht durchführbar“, und folglich werde sie ihre Politik überdenken, und dem 9. April, als die Terroristen mit dem Massenmord von Deir Yasin eben diese Teilung erzwangen, änderte sich die Lage von Grund auf. Chaim Weizmann mag immer noch an seinen Ängsten gelitten haben, doch jetzt, wo das Territorium des erträumten jüdischen Staates zumindest teilweise von Arabern gesäubert war, wollte (oder konnte) er nicht mehr vom Rand des „Abgrunds“ zurücktreten, vor dem er selbst gewarnt hatte. Das nächste Ziel der Zionisten war nun, die USA ein zweites Mal zu einer Revision ihrer Position zu bewegen und sie zur Akzeptanz des von den Terroristen geschaffenen fait accompli zu veranlassen. So zog Chaim Weizmann ein weiteres Mal alle Register. Nachdem Washington im März einen Kurswechsel angekündigt hatte, hatte er eine Flut von Telegrammen und Telefonanrufen erhalten, die ihn aufforderten, unverzüglich aus London nach Lake Success zurückzukehren, und am Tag vor der offiziellen Bestätigung der neuen amerikanischen Politik war er wieder einmal bei Truman zu Gast. Nach Deir Yasin arbeitete Weizmann unermüdlich auf die Verwirklichung seines Lebensziels hin: Die Anerkennung des jüdischen Staates, den die Terroristen am 9. April mit blutiger Gewalt de facto geschaffen hatten.

Chaim Weizmanns Energie war unerschöpflich. Er führte buchstäblich eine Einmann-Belagerung der ganzen „Vereinten Nationen“ durch (es versteht sich von selbst, dass er überall als Vertreter einer neuen Art von Weltmacht empfangen wurde). Er stand in „engem Kontakt“ mit den Delegierten diverser Nationen, beispielsweise denjenigen Uruguays und Guatemalas, die er als „galante Verteidiger des Zionismus“ lobte. Beim Generalsekretär der UNO, dem Norweger Trygve Lie, ging er ein und aus. Mitte April, als das Massaker von Deir Yasin in aller Munde war, trat die UNO-Generalversammlung zusammen. Es bestand kein Zweifel daran, dass das amerikanische Votum entscheidend sein würde, und Weizmann macht kein Hehl daraus, dass seine hauptsächliche Sorge „der Anerkennung des jüdischen Staates durch Amerika“ galt. Auf Wunsch Herrn Dr. Chaim Weizmanns wurde die vom Präsidenten und seinen zuständigen Ministern festgelegte Aussenpolitik der Vereinigten Staaten von Amerika ein weiteres Mal revidiert.

Die Daten sind hier von besonderer Bedeutung. Am 13. Mai 1948 traf sich Weizmann wieder einmal mit dem Präsidenten. Damals stand der Kongress der Demokratischen Partei, auf dem diese ihren Kandidaten für die Präsidentschaftswahlen vom kommenden November kürte, unmittelbar bevor, so dass der Zeitpunkt zur Ausübung von „unwiderstehlichem Druck“ besonders günstig war. Weizmann wies Truman darauf hin, dass das britische Mandat am 15. Mai auslaufen und eine „provisorische Regierung“ die Verantwortung für den „jüdischen Staat“ übernehmen werde. Er drängte den Präsidenten, diesen Staat unverzüglich anzuerkennen, und Truman gab dieser Forderung beflissentlich statt.

Am 14. Mai riefen die Zionisten in Palästina ihren Staat aus. Bereits wenige Minuten später traf in Lake Success die „inoffizielle Meldung“ ein, dass Präsident Truman diesen Staat bereits anerkannt hatte. Die amerikanischen UNO-Delegierten (die nicht über diesen Schritt informiert worden waren) reagierten zunächst „ungläubig“ (Weizmann). Nach „einigen Augenblicken der Verwirrung“ setzten sie sich mit dem Weissen Haus in Verbindung und erhielten die Bestätigung, dass Truman getan hatte, was Weizmann von ihm verlangte. Letzterer flog gleich als Präsident des frischgebackenen Staates Israel nach Washington, wo ihn Truman empfing; später hat dieser die Anerkennung Israels als „stolzesten Augenblick meines Lebens“ bezeichnet.

Acht Jahre später hat Truman in seinen Memoiren die Umstände geschildert, die diesem „stolzesten Augenblick“ seines Lebens vorausgingen. Wir wollen es nicht versäumen, einige Ausschnitte aus dem betreffenden Abschnitt zu zitieren. Über den sechsmonatigen Zeitraum zwischen November 1947 (als die UNO die Teilung Palästinas empfahl) und Mai 1948 (als die USA als erstes Land den neuen Staat Israel anerkannten) schreibt er:

„Dr. Chaim Weizmann… besuchte mich am 19. November, und einige Tage darauf erhielt ich einen Brief von ihm.“ In diesem Brief, den Truman zitiert, sprach Weizmann von „Gerüchten“, laut denen „unsere Leute ungebührlichen und unmässigen Druck auf gewisse Delegationen ausgeübt haben“; diese Gerüchte entbehrten jedoch jeder Grundlage. Wahres. Truman kommentiert diese Behauptung wie folgt: „In Wahrheit wurde in den Vereinten Nationen sehr wohl Druck ausgeübt, der alles bisherige in den Schatten stellte, aber auch das Weisse Haus wurde unaufhörlich mit Forderungen bombardiert. Ich glaube nicht, dass ich im Weissen Haus je so viel Druck und Propaganda erlebt habe wie damals. Die Hartnäckigkeit einiger der extremen zionistischen Führer – die sich von rein politischen Motiven leiten liessen und nicht vor politischen Drohungen zurückschreckten – störte und irritierte mich. Manche verlangten sogar, wir sollten souveräne Nationen unter Druck setzen, damit sie in der UNO-Generalversammlung wie gewünscht abstimmten.“

Die „politischen Drohungen“, von denen Truman hier spricht, hingen offenbar mit der bevorstehenden Kampagne für seine Wiederwahl zusammen; anders lässt sich diese Formulierung schwerlich interpretieren. Laut Weizmann versprach Truman bei der Unterredung vom 19. November, sich „sofort mit der amerikanischen Delegation [bei den Vereinten Nationen] in Verbindung zu setzen“. In der Tat stimmten die USA am 29. November für die Teilungsempfehlung. Dass die „Hartnäckigkeit einiger der extremen zionistischen Führer“ Truman laut seinen 1956 veröffentlichten Memoiren „störte und irritierte“, änderte nichts daran, dass er vor diesen „Extremisten“ eine Totalkapitulation vollzog, auch wenn ein oberflächlich informierter Leser der Memoiren einen anderen Eindruck gewinnen könnte.

Die Auswirkungen der von ihm im November 1947 befürwortete Teilung Palästinas schildert Truman sehr freimütig: „Jeder Tag brachte neue Nachrichten über neue Fälle von Gewalt im Heiligen Land.“ Er macht kein Hehl daraus, dass der – von Weizmann dementierte – „ungebührliche Druck“ in den kommenden Monaten weiterging: „Der jüdische Druck auf das Weisse Haus nahm in den Tagen nach der UNO-Abstimmung über die Teilung nicht ab. Einzelpersonen und Gruppen ersuchten mich – meist in quengelndem und emotionalem Ton -, die Araber in die Schranken zu weisen, die Briten an der Unterstützung der Araber zu hindern, amerikanische Soldaten zu entsenden und alle möglichen anderen Dinge zu tun.“ Hier erinnert man sich an Disraelis Diktum, dass die Welt von ganz anderen Personen regiert wird, als die Nichteingeweihten wähnen.

Der Präsident versuchte sich seinen Peinigern zu entziehen: „Als der Druck zunahm, befand ich es für notwendig, die Anweisung zu erteilen, dass ich keinen Fürsprecher des extremen Zionismus mehr zu empfangen wünschte. Ich war dermassen beunruhigt, dass ich einen Besuch Dr. Weizmanns aufschob, der in die USA zurückgekehrt war und um eine Unterredung mit mir ersucht hatte.“ Noch 1956 hielt Truman die Verschiebung einer Unterredung mit Weizmann offenbar für eine so drastische Massnahme, dass er sie in seinen Memoiren eigens hervorhob. Zu jenem Zeitpunkt (am 13. März 1948) wurde er von einem alten jüdischen Geschäftspartner aufgesucht, der „durch das Leiden des jüdischen Volkes im Ausland zutiefst erschüttert war“ (dies schrieb Truman einen Monat vor Deir Yasin) und den Präsidenten anflehte, Weizmann doch zu empfangen – was er bereits fünf Tage später prompt tat.

Das Gespräch fand am 18. März statt, einen Tag bevor die USA ihre Unterstützung für den Teilungsplan zurückzogen. Truman schreibt, nach dem Abschluss der Unterredung habe er den Eindruck gehabt, dass Weizmann „meine Politik voll und ganz begriffen hatte und dass ich wusste, was er wollte“ . Die anschliessenden blutigen Wochen übergeht Truman mit Stillschweigen. Deir Yasin erwähnt er nicht, wohl aber die Tatsache, dass „die Nahostspezialisten des Aussenministeriums fast ausnahmslos gegen die Idee eines jüdischen Staates waren… Leider kann ich nicht verschweigen, dass es unter ihnen einige Leute gab, die antisemitischem Gedankengut anhingen.“ Erst am 14. Mai greift er das Nahostthema wieder auf: „Die Teilung fand durchaus nicht unter so friedlichen Umständen statt, wie ich erhofft hatte, aber die Juden kontrollierten jenes Gebiet, in dem ihre Leute lebten… Nun, wo die Juden bereit waren, den Staat Israel auszurufen, beschloss ich sofort zu handeln und die neue Nation anzuerkennen. Ungefähr dreissig Minuten später, genau elf Minuten, nachdem der Staat Israel ausgerufen worden war, überreichte mein Pressesekretär Charly Ross der Presse eine Erklärung, wonach die Vereinigten Staaten die provisorische Regierung Israels de facto anerkannten. Ich erfuhr, dass einige der Berufsdiplomaten im Aussenministerium mit Erstaunen auf diese Nachricht reagiert hatten.“

Seine 1948 abgegebene Erklärung, wonach die Anerkennung Israels „der stolzeste Augenblick seines Lebens“ gewesen sei, wiederholt Truman in seinen Memoiren nicht. Wie dem auch sei: Der monatelange Druck und die politischen Drohungen hatten ihn dermassen genervt, dass er es – wenn auch nur für kurze Zeit – ablehnte, radikale Zionisten zu empfangen und sich sogar erkühnte, eine Unterredung mit Herrn Dr. Chaim Weizmann zu verschieben! Von nun an brauchen wir nicht mehr viele Worte über Harry Truman zu verlieren. Sechs Monate nach „dem stolzesten Augenblick seines Lebens“ wurde er wiedergewählt, und zum Zeitpunkt, wo ich diese Zeilen schreibe [1956], macht es den Anschein, als könne er noch 20 Jahre leben. [Harry Truman starb im Dezember 1972; der Übersetzer.] Er ist ein gutaussehender, gesunder Mann, auf den die Folgen seines Handelns anscheinend so wenig Auswirkungen haben wie das Tosen eines Sturmes im Ozean auf ein in den Wogen treibendes Stück Kork. Als ihm 1956 die Ehrendoktorwürde der alten Universität Oxford verliehen wurde, erhob lediglich eine einsame Dozentin ihre Stimmung gegen die Ehrung eines Mannes, dessen Namen untrennbar mit dem Befehl zum Abwurf von Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki verknüpft ist.

Nach der Anerkennung Israels durch die USA verlor die Debatte in der UNO an Bedeutung, und Weizmann (der in seinem Brief an Truman vom 27. November 1947 geleugnet hatte, „ungebührlichen Druck“ ausgeübt zu haben), konzentrierte sich nun darauf, die Vertreter anderer Staaten zur Anerkennung des zionistischen Staates zu bearbeiten, damit dieser endgültig zum vollwertigen Mitglied der Völkerfamilie wurde. Nachdem er erfahren hatte, dass Aussenminister Bevin in London „Druck auf die britischen Dominions ausübte, um zu erreichen, dass sie Israel die Anerkennung verweigerten“, stellte er flugs klar, wer der führende Experte in der Ausübung von Druck war.

Was nun geschah, war historisch von erheblicher Bedeutung. So wie der Zionismus das Judentum in zwei Lager gespalten hatte, spaltete er jetzt die Nationen des Commonwealth; was kein Krieg und keine Kriegsgefahr vermocht hatten, vollbrachte der „unwiderstehliche Druck auf die internationale Politik“ im Handumdrehen. In Hauptstädten, die so fern von der Szene des Geschehens entfernt waren wie Ottawa, Canberra, Wellington und Kapstadt, zeigte der Zionismus jäh seine Macht. Dies zeugt von der perfekt koordinierten Zusammenarbeit der verschiedenen zionistischen Gruppierungen, die nichts dem Zufall überliessen. Dass die Spitzenpolitiker Kandadas, Australiens, Neuseelands und Südafrikas geschlossen auf den gewünschten Kurs einschwenkten, lässt sich nur mit jahrzehntelanger, geduldiger Vorarbeit der Zionisten erklären. All diese Länder waren viele tausend Meilen von Palästina entfernt und hatten nicht das geringste Interesse daran, dass im Nahen Osten der Boden für einen dritten Weltkrieg vorbereitet wurde; der Anteil der Juden an ihrer Bevölkerung war sehr gering. Nichtsdestoweniger vollzogen die Regierungen aller vier Staaten im Nu den verlangten Bückling vor Zion, das sich hierdurch ein weiteres Mal als Weltmacht offenbarte.

Wie wichtig diese Entwicklung war, vermag ein nichtbritischer Leser vielleicht nicht vollumfänglich zu verstehen. Die Bindungen zwischen den britischen Inseln und den ehemaligen englischen Kolonien in Übersee beruhten auf freiwilliger Grundlage, waren aber dennoch so unerschütterlich und solide, dass sie Aussenstehenden fast mysteriös erschienen. Folgende Anekdote veranschaulicht dies:

Der neuseeländische Brigadegeneral George Clifton geriet 1941 in Nordafrika in deutsche Kriegsgefangenschaft. Man führte ihn vor den deutschen Oberkommandanten General Erich Rommel, der ihn fragte: „Warum kämpft ihr Neuseeländer eigentlich? Das ist ein europäischer Krieg und nicht eurer! Seid ihr um des Sports willen hier?“

Clifton reagierte perplex auf diese Frage; es fiel ihm schwer, etwas zu erklären, was für ihn die natürlichste Sache der Welt war. „Als ich merkte, dass er es völlig ernst meinte, erhob ich, der ich nie zuvor versucht hatte, die offenkundige Tatsache, dass wir an der Seite Grossbritanniens kämpften, wenn dieses in einen Krieg verwickelt wurde, mit Worten zu erklären, die geballte Faust und sagte: ‚Wir halten zusammen. Wenn ihr England angreift, greift ihr auch Neuseeland und Australien und Kanada an. Das britische Commonwealth kämpft gemeinsam.'“

Für das einfache Volk galt dies auch weiterhin, nicht jedoch für die Spitzenpolitiker. Durch sie hatten die Verschwörer aus Russland eine Bresche in der Panzerung entdeckt. Der Druck, der in Wellington und den anderen Hauptstädten der Dominions ausgeübt wurde, war nicht minder effizient als in Washington.

Im Falle Neuseeland war die Schlüsselfigur jener Zeit einer der treusten Laufburschen des Zionismus, Premierminister Peter Fraser. Niemand hätte weniger Grund als er haben können, die Araber zu hassen – schliesslich kannte er sie überhaupt nicht -, doch begegnete er ihnen mit unversöhnlicher Feindschaft, weil es den Zionisten irgendwie gelungen war, ihn voll und ganz für ihre Ziele einzuspannen. Fraser, ein gebürtiger Schotte aus armer Familie, der 1910 nach Neuseeland ausgewandert und dort zu Ruhm und Vermögen gelangt war, hatte sich offenbar in seinen Jugendjahren in London, wo er unter ehrgeizigen jungen Linkspolitikern verkehrte, vom Virus des Zionismus ansgtecken lassen und diesen in seine neue Heimat mitgenommen. Jahrzehnte später setzte er all seine Energie und die ganze Macht, die ihm sein Amt als Premierminister verlieh, dafür ein, das harmlose Volk der Palästinenser ins Elend zu stürzen. Nach seinem Ableben im Jahre 1950 schrieb eine zionistische Zeitung über ihn:

„Er war ein überzeugter Zionist… Als Führer der Delegation seines Landes bei der Pariser Versammlung war er sehr beschäftigt, widmete der Palästinafrage jedoch viel Zeit und sass Tag für Tag im politischen Komitee, wenn über Palästina diskutiert wurde. Er verliess den Raum nie auch nur für einen Augenblick; kein Detail entging seiner Aufmerksamkeit… Er war der einzige Premierminister im Komitee und verliess dieses, sobald die Debatte über Palästina abgeschlossen war… Immer und immer wieder stimmte Peter Fraser gegen das Vereinigte Königreich, doch das kümmerte ihn nicht… Er blieb bis zu seinem letzten Tag unser Freund.“

Dieser Mann, dessen Loyalität bestenfalls in zweiter Linie seiner neuseeländischen Heimat galt, dachte offenbar ganz anders als Brigadegeneral Clifton und andere typische Neuseeländer; wäre sich Clifton dessen bewusst gewesen, so hätte er vielleicht gar nicht gewusst, was er Rommel auf dessen Frage hätte antworten sollen. Da sein Herzensanliegen der Zionismus war, konnte man von Fraser kaum erwarten, dass er sich allzu eifrig für die Interessen seines eigenen Landes einsetzen würde; in der Tat trat Neuseeland völlig unvorbereitet in den Krieg ein, und als der Premierminister 1941 in Port Said neuseeländische Soldaten sah, welche die verheerenden Niederlagen in Griechenland und auf Kreta überlebt hatten, waren sie „hager, unrasiert, von den Kämpfen gezeichnet, viele von ihnen verwundet, alle körperlich und seelisch aufs schwerste mitgenommen und zutiefst betrübt über den Tod so vieler ihrer braver Landsleute. Die Verantwortung hierfür lag teilweise bei Fraser“ (Brigadegeneral Clifton). Mit einem solchen Premierminister war es ein Ding der Selbstverständlichkeit, dass Neuseeland Israel sogleich anerkannte, auch wenn die Bevölkerung des Inselstaates die Hintergründe natürlich nicht kannte.

Gehen wir zu Südafrika über. Um die Schachzüge des britischen Aussenministers Beven zu kontern, wandte sich Chaim Weizmann über einen Abgesandten sofort an General Jan Smuts, der dem Leser dieses Buchs längst kein Unbekannter mehr ist. Durch eine Laune des Schicksals hielt ich mich zu jener Zeit in Südafrika auf. Weizmanns Emissär.- ein wohlbekannter Zionist – traf damals eben per Flu gzeug aus London ein, und als ich dies erfuhr, ahnte ich sogleich, was nun folgen würde. Der Mann trat alsbald vor einem zionistischen Publikum auf und versicherte diesem, die Juden brauchten sich nicht um irgendwelche Grenzen zu kümmern, welche die Vereinten Nationen möglicherweise festlegen würden. Der einzige Zuhörer, der Widerspruch anmeldete, war ein einsamer Jude, der meinte, diese Worte liessen für den zukünftigen Frieden nichts Gutes erahnen.

Unmittelbar nachdem Smuts Weizmanns Abgesandten empfangen hatte, anerkannte seine Regierung den Staat Israel. Lediglich Truman und Stalin (die in dieser Frage in strammem Gleichschritt marschierten) hatten noch rascher reagiert als der südafrikanische Premierminister. Wenn mich nicht alles trügt, war dies Smuts' letzter politischer Akt von irgendwelcher Bedeutung, denn schon zwei Tage später verlor seine Partei die Parlamentswahlen. Sein Sohn hatte ihm eindringlich von der Anerkennung Israels abgeraten, da diese ihn nur Stimmen kosten werde, doch Smuts wischte diesen Einwand beiseite. Von wahltaktischem Standpunkt aus war dies sicher richtig, denn in Südafrika gab es zwar eine gewisse Anzahl jüdischer, aber keine arabischen Wähler.

Dass Jan Smuts im Britischen Commonwealth so ungemein populär und bei seinen burischen Landsleuten so unbeliebt war, hing mit der allgemeinen Vorstellung zusammen, er sei der Architekt der “englisch-burischen Versöhnung” und ein Anhänger der Idee, dass alle Commonwealth-Staaten eine grosse Familie bildeten. In der Palästinafrage hat er die hart bedrängte Regierung in London freilich im Stich gelassen; den bedingungslosen Gehorsam, an den er als Soldat gewöhnt war, legte er nicht gegenüber Grossbritannien, sondern gegenüber ganz anderen Kräften an den Tag. Damals ging mein lang gehegter Wunsch, Jan Smuts persönlich zu treffen, in Erfüllung. Er war mittlerweile 78 Jahre alt und sollte zwei Jahre darauf sterben, doch wie Chaim Weizmann hatte er vor seinem Tod in den “Abgrund” geblickt, den zu graben er fleissig mitgeholfen hatte. “Mit dem Palästinaproblem haben wir eine Tragödie vor unserer Haustür”, sagte er noch im gleichen Jahr (1948) zu seinem Sohn. “Es ist kein Wunder, dass Grossbritannien davon die Nase voll hat. Andere Nationen, darunter Amerika, haben sich ebenfalls um eine Lösung bemüht und sind dabei gescheitert. Palästina ist eines der grossen Weltprobleme und kann grosse Auswirkungen auf die Zukunft der Welt haben… Wir dachten, wir könnten es den Arabern und den Juden überlassen, die Sache untereinander auszutragen, aber das geht nicht.”

So sprach er privat, aber nicht öffentlich. Anscheinend meinen die Politiker wie der Clown in der Oper, sie müssten in der Öffentlichkeit stets eine Maske tragen. Wie Truman tat auch Smuts regelmässig ohne Zögern, was Chaim Weizmann befahl; noch 1949 sagte er vor einem zionistischen Publikum, er sei “glücklich, in meinem Leben an wenigstens einer Sache beteiligt gewesen zu sein, der Erfolg beschieden war”.

Ein Dominion nach dem anderen scherte nun aus, und bald stand England allein auf weiter Flur. Chaim Weizmann schreibt, der neuseeländische Vertreter bei der UNO, Sir Carl Berendsen, habe “Unterstützung aus Australien” gewonnen, und auch die kanadischen Spitzenpolitiker gingen flugs auf prozionistischen Kurs. Nachdem die Dominions Truman und Generalissimus Stalin Gefolgschaft geleistet hatten, waren, anerkannte ein Kleinstaat nach dem anderen Israel, da diese verwundbaren Länder es sich nicht leisten konnten, gleich beide Supermächte zu brüskieren. De facto war der zionistische Staat nun ein Mitglied der Völkerfamilie; den Grundstein zu dieser Entwicklung hatte Deir Yasin gelegt.

Obwohl Chaim Weizmann zum ersten Präsidenten Israels gewählt wurde, hatte er seine Rolle weitgehend ausgespielt, und wir brauchen uns fortan nicht mehr besonders mit ihm zu beschäftigen. Nach fünfzigjährigen, weitgehend konspirativen Aktivitäten, bei denen er alle westliche Spitzenpolitiker in die Knie gezwungen hatte, hinterliess er vor der gemeinsamen Tür einen Findling in Gestalt einer “Tragödie”. Ich kenne kaum einen Menschen, der auf ein dermassen faszinierenderes Leben zurückblicken konnte wie er; gar mancher Autor würde Weizmann als hehre Lichtgestalt idealisieren, doch für mich war die Mission, die er erfolgreich abgeschlossen hat, zerstörerischer Natur, und Weizmann, dem es erst kurz vor dem Ende seines Lebens vergönnt war, seinen grossen Triumph zu feiern, wird schwerlich ungetrübte Freude über diesen empfunden haben. Dies entnehme ich seinem Buch, dessen letzter Teil von ungeheurem Interesse ist. Obwohl es 1949 erschien, werden die Ereignisse von 1948, also auch die Gründung des Staates Israel, darin nicht mehr berücksichtigt; Weizmanns Darstellung endet mit dem Jahre 1947. Warum?

Meiner Ansicht nach liegt der Grund auf der Hand: 1946 hatte Weizmann die Zionistische Weltorganisation vor dem “Terror” gewarnt und von einem “Abgrund” gesprochen, in den “das alte Übel” führen müsse. Zur Strafe für diese unerwünschten Wahrheiten wurde er als Vorsitzender der Organisation abgesetzt. Ich vermute, dass er dem Judentum eine Warnung hinterlassen wollte, es jedoch nicht über sich brachte, die Terrorakte und Mordtaten, welche die Geburt des Zionistenstaates einläuteten, beim Namen zu nennen. Aus diesem Grund tat er so, als habe er sein Manuskript abgeschlossen, bevor sie sich ereigneten.

Das letzte Datum, das sich in seinem Buch findet, ist der 30. November 1947, der Tag seines Triumphs in Lake Succes (damals hatte Truman auf Weizmanns Drängen der amerikanischen Delegation bei der UNO telefonisch die Anweisung erteilt, für den Teilungsplan zu stimmen). Offenbar erschien ihm dies als passender Abschluss für sein Buch. Der zeitweilige Kurswechsel der USA und die Greueltaten, vor denen er gewarnt hatte, folgten schon bald, und da sein Buch wie erwähnt erst 1949 herauskam, hätte er genügend Zeit gehabt, um Hinweise auf diese Geschehnisse darin einzuflechten. Doch begnügte er sich mit einem Epilog, in dem er die Missetat von Deir Yasin, welche seine schlimmsten Vorahnungen bestätigt hatte, mit keinem Wort erwähnte. Er datierte den Epilog auf August 1948, was ihn der Notwendigkeit enthob, auf den nächsten entscheidenden zionistischen Terrorakt einzugehen, den Mord an Graf Bernadotte im September 1948. Ganz offensichtlich hatte Chaim Weizmann der Mut verlassen. Indem er das ihm angebotene Präsidentenamt annahm, hatte er sowohl das Massaker von Deir Yasin als auch den Mord an Bernadotte de facto abgesegnet.

Dies ist der Grund dafür, dass seine früheren Warnungen von erheblicher Bedeutung sind; er hätte sie ohne weiteres aus seinem Buch tilgen können. In diesem hatte er den “Terroristen” (denen er die Zukunft Palästinas, und nicht nur Palästinas, überantwortet hatte) vorgeworfen, “Gottes Hand lenken zu wollen”. Genau das war von Anfang an die Häresie des Zionismus und all seiner Unterstützer gewesen, mochten sie nun Juden sein oder nicht, und Weizmann trug dabei ein besondes hohes Mass an Verantwortung. “Die terroristischen Gruppen in Palästina stellten für die ganze Zukunft des Judentums eine grosse Gefahr da”, fährt er in seinem Buch fort. “Ihr Benehmen öffnete der Anarchie Tür und Tor.” Wahre Worte, die bedeuten, dass Weizmanns Lebenswerk in die Anarchie mündete. Freilich sei einschränkend hervorgehoben, dass Weizmanns Abneigung gegen Terrorismus und Anarchie durchaus nicht moralischer, sondern lediglich realpolitischer Natur war. Seine Kritik richtete sich nicht gegen das zerstörerische Wesen der Anarchie an sich, sondern nur gegen ihre negativen Folgen für die Juden, die “überall auf der Welt als Geiseln genommen werden können”.

Bereits am Tag nach seinem Triumph in Lake Success griff er ein Thema auf, das zu seinem neuen Leitmotiv werden sollte: “Es darf nicht ein Gesetz für den Juden und ein anderes für den Araber geben… Die Araber müssen das Gefühl bekommen, dass der Entscheid der Vereinten Nationen endgültig ist und dass die Juden kein Territorium ausserhalb des ihnen zugesprochenen Gebiets beanspruchen werden. In den Herzen vieler Araber besteht eine solche Furcht, und diese Furcht muss mit allen Mitteln beseitigt werden…Sie müssen von Anfang an sehen, dass ihre Brüder im jüdischen Staat genau gleich wie die jüdischen Bürger behandelt werden… Wir dürfen uns nicht vor fremden Göttern verneigen. Die Propheten haben das jüdische Volk stets aufs strengste für diese Verirrung gescholten, und immer, wenn es ins Heidentum zurückfiel, bei jedem Rückfall, wurde es von dem strengen Gotte Israels gezüchtigt… Ich bin sicher, dass die Welt den jüdischen Staat danach beurteilen wird, was er mit den Arabern anstellt.”

Also sprach Chaim Weizmann. Dass sich der erste Präsident Israels in der Rolle eines alttestamentarischen Propheten gefiel, änderte nichts daran, dass mindestens die Hälfte der palästinensischen Araber bereits aus ihrer Heimat vertrieben worden waren, als er diese Aussprüche tat. Die Juden hatten nämlich “Territorium ausserhalb des ihnen zugesprochenen Gebiets beansprucht”, und die zurückgebliebenen Araber wurden durchaus nicht “genau gleich wie die jüdischen Bürger” behandelt. Nichtsdestoweniger tat Weizmann, als habe er von all dem keine Ahnung, und schrieb, das, was bereits geschehen war, dürfe nicht geschehen! Eine Heuchelei dieses Ausmasses sucht selbst in der Politik ihresgleichen. Sie hatte ihren Grund wahrscheinlich darin, dass es Weizmann zwar nicht übers Herz brachte, die zionistischen Verbrechen unverhüllt anzuprangern, es in seinen alten Tagen jedoch noch für notwendig hielt, warnend auf ihre möglichen Folgen hinzuweisen. Dass sein Lebensziel von Beginn an nicht anders zu verwirklichen war als durch Gewalt und Terror, mag ihm gar nicht bewusst geworden sein. “Zurück!”, rief er kurz vor dem Ende seines Lebens noch aus, doch vergebens.

Ein Mann von weitaus grösserer moralischer Statur als Weizmann schrie ebenfalls „Zurück!“ , scheute sich aber nicht, die begangenen Untaten beim Namen zu nennen. Dieser Mann war Dr. Judah Magnes, der in die Fussstapfen der alttestamentarischen Mahner trat. Magnes, ein 1877 in den USA geborener Jude, hatte ebenso wie Weizmann sein Leben dem Zionismus geweiht, doch verstand er darunter etwas ganz anderes. Er war ein religiöser Zionist, kein politischer, und versuchte nicht, „Gottes Hand zu lenken“ . Von Anfang an hatte er für einen binationalen arabisch-jüdischen Staat geworben und den zionistischen Chauvinismus attackiert, sobald er sein Haupt erhob. 1925 war er, der sich scharf gegen Weizmanns pompöse Gründungsveranstaltung anno 1918 gewandt hatte, zum Rektor der Hebräischen Universität Jerusalem ernannt worden und blieb es bis 1935. Auch als der Staat Israel 1948 ausgerufen wurde, hielt er sich in Jerusalem auf. Das Auftauchen „des alten Übels in neuer, fürchterlicher Gestalt“ erfüllte ihn mit Entsetzen, und er geisselte sowohl die Zionisten als auch die westlichen Politiker mit flammenden Worten:

„Politiker sollten Flüchtlinge niemals als Trumpfkarte missbrauchen. Es ist beklagenswert, ja unglaublich, dass nach all dem, was die europäischen Juden mitgemacht haben, im Heiligen Land ein arabisches Flüchtlingsproblem geschaffen worden ist.“

Kaum hatte Judah Magnes diese Worte gesprochen, ereilte ihn der Tod. Unter welchen Umständen dieser erfolgte, habe ich nicht zu ermitteln vermocht; in jüdischen Quellen wird sein Hinschied oft mit kryptischen Worten geschildert, die an die Kommentare nach dem jähen Tod des seelisch gebrochenen Theodor Herzl gemahnen. Im Vorwort zu Rabbiner Elmer Bergers 1951 erschienenem Buch A Partisan History of Judaism heisst es beispielsweise, Magnes sei „an gebrochenem Herzen“ gestorben.

Mit Magnes trat einer jener verantwortungsbewussten Juden, die während fünfzig Jahren vergeblich versucht hatten, den Westen (und die Juden) aus dem Würgergriff der talmudistischen Verschwörung aus Russland zu befreien, von der Bühne ab. Er hatte eine Organisation namens Ihud gegründet, die ihn überlebte und seinen Kampf bis zum heutigen Tage fortführt, nicht zuletzt in Jerusalem. Im Organ dieser Organisation, NER, war im Dezember 1955 folgendes zu lesen: „Letzten Endes werden wir nicht umhinkommen, die ganze Wahrheit zu bekennen. Wir haben prinzipiell nicht das geringste Recht, die Rückkehr der arabischen Flüchtlinge auf ihren Heimatboden zu verhindern… Wofür soll Ihud kämpfen? Dafür, das ewige Pulverfass – denn ein solches ist der Staat Israel laut seinem Minister Pinhas Lavon – in einen Ort des friedlichen Zusammenlebens zu verwandeln. Und welcher Waffen soll sich Ihud bedienen? Der Waffen der Wahrheit!... Wir hatten kein Recht, auch nur eine einziges arabisches Haus in Besitz zu nehmen, ohne es seinem Eigentümer zuvor abgekauft zu haben; dasselbe gilt für die Felder und Haine, die Läden und die Fabriken. Wir haben keinerlei Recht, auf Kosten anderer ein Land zu kolonisieren und den Zionismus zu verwirklichen. Das ist Diebstahl und Raub… Wir gehören wieder einmal zu den sehr reichen Nationen, aber wir schämen uns nicht, den Fellachen ihr Eigentum zu rauben.“

Gegenwärtig äussern sich nur wenige Juden dermassen offen. Einer davon ist Albert Einstein: „Mein Verständnis des Wesens des Judentums lässt sich nicht mit der Vorstellung eines jüdischen Staates mit Grenzen, einer Armee und einer – wenn auch nur bescheidenen – zeitlichen Macht vereinbaren. Ich fürchte den inneren Schaden, den das Judentum erleiden wird“, sagte Einstein im Jahre 1950. Solche vorderhand seltenen Stimmen sind die einzigen, welche die Hoffnung auf die schliessliche Erlösung des Judentums vom Zionismus der Chasaren wach halten. Heute ist es wahrscheinlich, wenn nicht gar gewiss, dass diese Erlösung erst nach einer letzten grossen Katastrophe erfolgen wird, in die das leichtsinnige palästinensische Abenteuer nicht nur die Juden, sondern auch die Völker des Westens unvermeidlicherweise führen muss.

Bezüglich der „de facto“-Gründung des zionistischen Staates ist noch ein Punkt abzuklären. Wie wir nun darlegen werden, war er ein Kind der Revolution. Diese hatte es den Juden nämlich ermöglicht, in Palästina „zur Mehrheit zu werden“ , wie es die britischen Verfasser der Balfour-Deklaration anno 1917 gewünscht hatten – und anders liess sich die Umwandlung Palästinas in einen jüdischen Staat wirklich nicht erreichen, denn ausserhalb der eben von der Roten Armee eroberten Länder gab es weit und breit keine jüdischen Massen, die man in den Nahen Osten hätte verfrachten können. Dies konnte man einzig und allein mit den Ostjuden tun, die seit Jahrhunderten unter der harten Herrschaft der Talmudisten gelebt hatten. Auf welchen Wegen sie nach Palästina geschleust wurden, haben wir bereits geschildert. 1951 veröffentlichte die israelische Regierung Statistiken, die belegten, dass von den rund 1,4 Millionen jüdischen Einwohnern Israels 1.061.000 im Ausland geboren waren und dass 577.000 davon aus den kommunistischen Ländern östlich des Eisernen Vorhangs gekommen waren, wo Nichtjuden ohne polizeiliche Genehmigung nicht einmal von einer Stadt in die andere umziehehn durften. Von den restlichen 484.000 jüdischen Bürgern Israels stammten die meisten aus Nordafrika und Asien; sie waren erst nach der Gründung des zionistischen Staates eingewandert und hatten keinen Anteil an dessen gewaltsamer Errichtung gehabt.

Die Eroberer waren also Ostjuden tatarisch-mongolischer Abstammung, doch ihre Zahl hätte allein noch nicht ausgereicht, um ihnen den Sieg zu sichern. Dafür brauchten sie Waffen. Während des Krieges hatte General Archibald Wavell Churchill mitgeteilt, die Juden seien imstande, die Araber zu besiegen, wenn man ihnen freie Hand lasse. Offenbar wusste Wavell darüber Bescheid, dass die Zionisten eine Unmenge von Waffen gehortet hatten. Zum damaligen Zeitpunkt konnte es sich lediglich um britische oder amerikanische Waffen handeln, die heimlich aus den Magazinen der alliierten Streitkräfte in Nordafrika oder dem Nahen Osten entwendet worden waren. (Dass die führenden Politiker in London und Washington diese Vorgänge entweder ausdrücklich billigten oder zumindest augenzwinkernd in Kauf nahmen, haben wir bereits erwähnt.)

Obwohl General Wavell mit seiner Meinung recht behalten sollte, hat er die damalige Stärke der Zionisten wahrscheinlich überschätzt und den arabischen Widerstand gegen die Landräuber unterschätzt, denn nachdem letztere Palästina in ihren Besitz gebracht hatten, erklärten sie ihren Sieg keinesfalls damit, dass sie amerikanische und englische Waffen besessen hatten. Ihren eigenen Worten nach verdankten sie ihren Triumph bei den sechsmonatigen Kämpfen (zwischen der Teilungsempfehlung der UNO und dem Massaker von Deir Yasin) den Waffenlieferungen seitens der Revolution. Die Staaten östlich des Eisernen Vorhangs, welche den Invasoren Palästinas die ungehinderte Auswanderung ermöglicht hatten, stellten diesen auch die Waffen zur Verfügung, die sie zum Sieg benötigten.

Es war dies eine der ersten Konsequenzen eines Befehls, den General Eisenhower auf Anweisung Roosvelts kurz vor Kriegsende erteilt hatte: Die anglo-amerikanischen Streitkräfte mussten westlich der Linie Berlin-Wien Halt machen und die Tschechoslowakei den Sowjets überlassen. Infolge dieser Politik ging die grosse tschechische Waffenschmiede, die Skoda-Werke, nach dem Kriegsende von deutschem in sowjetischen Besitz über, und die Waffen für die zionistischen Eroberer stammen aus diesen Werken. Am 5. August 1948 erschien in der New Yorker Zeitung Herald Tribune folgender Bericht aus Israel:

„Das russische Prestige ist unter allen politischen Faktionen enorm gestiegen… Durch ihre konsequente Unterstützung der israelischen Sache in den Vereinten Nationen hat die Sowjetunion bei Linken, Zentristen und Rechten grosse Sympathie erworben. Von vielleicht noch grösserer Bedeutung für eine neue Nation, die um ihr Überleben kämpft, war eine allgemein weniger bekannte Tatsache: Die Russen leisteten praktische Hilfe, wenn Hilfe vonnöten war… Russland öffnete Israel seine militärischen Arsenale. In dem sowjetischen Satellitenstaat Tschechoslowakei tätigten die Juden einige ihrer wichtigsten und wohl umfangreichsten Waffenkäufe. Gewisse tschechische Waffenlieferungen, die während der kritischen Augenblicke in Israel eintrafen, spielten eine entscheidende Rolle… Als jüdische Truppen letzte Woche durch die Allenby Street in Tel Aviv defilierten, hingen an den Schultern der Infanteristen neue tschechoslowakische Gewehre.“

Damals begann die zionistische und zionistisch kontrollierte Presse überall im Westen den „Antisemitismus“ ausdrücklich mit dem „Antikommunismus“ zu gleichzustellen. (Schon lange vorher war jeder, der auf die jüdischen Wurzeln des Kommunismus hinwies, als „Antisemit“ an den Pranger gestellt worden.) Beispielsweise schrieb die in Chicago erscheinende jüdische Zeitschrift Sentinel im Juni 1946: „Wir durchschauen, was sich hinter dem Antisowjetismus wirklich verbirgt… Haben Sie je von Antisemiten irgendwo auf der Welt gehört, die nicht auch antisowjetisch gesinnt sind?... Wir erkennen unsere Feinde. Erkennen wir auch unsere Freunde , das sowjetische Volk.“ In den Schulen des frischgebackenen Staates Israel wehte das Banner der Revolution, und am 1. Mai wurde dort offiziell die Internationale gesungen; die Zionisten machten also kein Hehl daraus, dass die Revolution die Hebamme ihres Staates gewesen war. Im Januar 1950 berichtete der Tel Aviver Korrespondent der Londoner Times, aus der Tschechoslowakei flössen weiterhin Waffen nach Israel.

Kein illegales Staatswesen hat je so viele Geburtshelfer gehabt wie Israel. Ein Land nach dem anderen anerkannte diesen Staat sofort nach seiner Ausrufung, und jene, die für eine friedliche Lösung eintraten, erlitten Niederlage auf Niederlage. In Grossbritannien blieb Aussenminister Bevin noch einige Jahre im Amt: er trat im März 1951 zurück und starb bereits einen Monat später.

Marshall und Forrestal erhielten bei der erstbesten Gelegenheit den Laufpass, zweifellos zur Abschreckung anderer verantwortungsbewusster Persönlichkeiten, welche die Interessen ihres Landes über jene der Zionisten stellten.

Schon bald nach der Ausrufung und dessen de-facto-Anerkennung durch die internationale Gemeinschaft unternahm der neue Staat einen weiteren Schritt in Richtung auf den „Abgrund“ des „alten Übels“, um Chaim Weizmanns Worte noch einmal aufzugreifen. Nachdem die Vereinten Nationen der Teilung Europas ihren Segen erteilt und die Teilung Palästinas empfohlen hatten, sorgten sie sich plötzlich um den Frieden und baten den schwedischen Grafen Folke Bernadotte, sich nach Palästina zu begeben und zwischen den verfeindeten Parteien zu vermitteln. Graf Bernadotte hatte sich seit jeher nach Kräften um die Milderung menschlichen Leids bemüht und während des Zweiten Weltkriegs sehr viel für die Unterstützung und Rettung verfolgter Juden getan. Er arbeitete unter dem Zeichen des (Roten) Kreuzes und fiel in eben jenem Land, wo das Kreuz zum Symbol für Glauben und Hoffnung geworden war, einem hinterhältigen Mordanschlag zum Opfer. Ein schandbareres Verbrechen als der Mord an einem allgemein anerkannten Vermittlers und Friedensstifter ist kaum denkbar; nichtsdestoweniger luden fanatische Zionisten fünf Monate nach dem Massaker von Deir Yasin eine solch ungeheuerliche Bluttat auf ihr Gewissen.

Wie James Forrestal führte auch Folke Bernadotte ein Tagebuch, das nach seinem Tod veröffentlicht wurde. Seine Aufzeichnungen vermitteln Aufschluss darüber, dass er, nachdem er sich zur Übernahme der Vermittlerrolle bereit erklärt hatte, zunächst nach London flog, wo er sich mit Dr. Nahum Goldmann traf, dem Vizepräsidenten der Jewish Agency und Vertreter Israels. Goldmann versicherte Bernadotte, der israelische Staat sei jetzt „in der Lage, vollumfängliche Verantwortung für die von der Stern-Bande und den Angehörigen der Irgun begangenen Taten zu übernehmen“.

Bei diesen beiden Organisationen handelte es sich um jene Terrorgruppen, die das Massaker von Deir Yasin verübt und das umkämpfte Territorium so für die Zionisten freigemacht hatten. Sie waren jene „Aktivisten“, vor denen Weizmann beim Zionistischen Kongress von 1946 gewarnt hatten. Deir Yasin hatte bewiesen, dass es in der Macht dieser Leute lag, durch kalkulierte Morde den Verlauf der Weltgeschichte zu beeinflussen, was auch immer die zionistischen Führer, die Politiker des Westens oder die Vereinten Nationen sagen mochten.

Diese Macht haben die zionistischen Extremisten heute, im Jahre 1956, immer noch. Sie können die Welt jederzeit in einen neuen Krieg stürzen, hocken sie doch am explosivsten Punkt des Erdballs, den ein amerikanischer und ein britischer Aussenminister sowie der Premierminister Israels mit Fug und Recht als „Pulverfass“ bezeichnet haben. Ehe Nahum Goldmann gegenüber Folke Bernadotte die eben zitierte Bemerkung fallen liess, hatten die „verantwortungsvollen“ zionistischen Führer stets die Fiktion aufrechterhalten, sie seien nicht in der Lage, die Extremisten zu kontrollieren, und empfänden tiefes Bedauern über deren Taten. Mit seinen beruhigenden Worten wollte Goldmann seinen Gesprächspartner offenbar davon überzeugen, dass es niemand wagen würde, das Werk eines Vermittlers durch einen neuen Terrorakt zu zerstören. Doch wenige Monate später starb Graf Bernadotte im Kugelhagel ruchloser Terroristen; wie wir sehen werden, stellte sich die israelische Regierung dann hinter seine Mörder und legitimierte dadurch deren Tat.

Nach seiner Unterredung mit Goldmann trat Bernadotte seine Mission an. In Ägypten traf er sich mit Premierminister Nokrashi Pascha; dieser teilte ihm mit, er hege keine Illusionen über das Ausmass der wirtschaftlichen Macht der Juden, denn immerhin kontrollierten diese „das Wirtschaftssystem vieler Länder, darunter der USA, Englands, Frankreichs, Ägyptens und vielleicht sogar Schwedens“ (Bernadotte erhob keinen Einwand gegen diese Sicht der Dinge). Die Araber, fuhr Nokrashi Pascha fort, erwarteten nicht, sich der wirtschaftlichen Vormachtsstellung der Juden entziehen zu können, doch was sie nicht akzeptieren und wogegen sie Widerstand leisten würden, seien Versuche, mit Terror und Gewalt und der Unterstützung des internationalen Zionismus einen zionistischen Staat zu errichten. Anschliessend liess König Faruk gegenüber Bernadotte die Bemerkung fallen, wenn der Krieg seinen Fortgang nehme (und er nimmt in der Tat seinen Fortgang), werde er sich zu einem dritten Weltkrieg ausweiten.

Der Schwede pflichtete seinem Gastgeber bei und sagte, genau das sei der Grund dafür, dass er die undankbare Vermittlerrolle übernommen habe. Er fügte hinzu, während des Krieges habe er „das Privileg gehabt, ungefähr 20.000 Menschen zu retten, darunter viele Juden“; mit dieser Aufgabe sei er persönlich betraut gewesen. Offenbar war er der irrigen Ansicht, damit habe er sich den Respekt der Zionisten redlich verdient. Schon wenige Tage nach seinem Eintreffen im Heiligen Land gelang es ihm, die Araber für einen Waffenstillstand ohne Vorbedingungen zu gewinnen, wurde jedoch alsbald zur Zielscheibe wütender Angriffe seitens fanatischer Zionisten, weil er „den Juden einen Waffenstillstand aufgezwungen“ habe. „Ich begann mir bewusst zu werden, in welch exponierter Stellung ich mich befand“, schrieb er. „Die Freundlichkeit, mit der man mir begegnete, würde zweifellos in Misstrauen und Feindseligkeit umschlagen, wenn ich es unterliess, in erster Linie die Interessen der jüdischen Seite zu verfechten und stattdessen eine unparteiische und gerechte Lösung des Problems anstrebte.“

Die Terrororganisation Irgun, für deren Handlungen sich die zionistische Regierung via Nahum Goldmann „voll und ganz verantwortlich“ erklärt hatte, verstiess im Zeitraum zwischen dem 18. und dem 30. Juni wiederholt gegen den Waffenstillstand, indem sie Soldaten und Waffen in umstrittenes Gebiet einschleuste. Bernadotte und seine Mitarbeiter waren „nicht imstande, die Anzahl der eingeschleusten Irgun-Männer oder den Umfang des Kriegsmaterials abzuschätzen“, weil ihr die israelische Regierung den Zutritt zu den betreffenden Orten verwehrte. In den ersten Juliwochen ritt die jüdische Presse heftige Attacken gegen den Schweden. Wie Forrestal und andere den Zionisten missliebige Männer wurde auch er kübelweise mit Schmutz übergossen; sogar sein Einsatz für die Befreiung jüdischer Häftlinge in der letzten Phase des Zweiten Weltkriegs wurde ihm nun als Minuspunkt angerechnet, indem ihm unterstellt wurde, seine Verhandlungen mit SS-Chef Heinrich Himmler seien „zweifelhafter Natur“ gewesen. „Es war ungerecht, mich zur Zielscheibe von Vorwürfen zu machen“, wehrte er sich, als man ihn verdächtigte, ein „Nazi“ zu sein; „denn immerhin hatte ich ungefähr 10.000 Juden das Leben gerettet“.

In den Augen der Zionisten wog dieses Verdienst freilich ebenso wenig wie 80 Jahre zuvor früher die Bemühungen des russischen Zaren Alexander II. oder 40 Jahre zuvor die Betrebungen Graf Stolypins, das Los der Juden zu verbessern. Die Todsünde, der sich Graf Bernadotte schuldig gemacht hatte, hiess Unparteilichkeit. Zwischen dem 19. Juli und dem 12. August musste er dem zionistischen Militärgouverneur von Jerusalem, Dr. Joseph, berichten, dass „die Juden in Jerusalem die aggressivste Partei“ waren. Am 16. September unterzeichnete der unermüdliche Vermittler sein eigenes Todesurteil, indem er vor seinem Abflug nach Jerusalem von Rhodos aus einen „ Bericht über den Fortschritt“ an die Vereinten Nationen sandte. Vierundzwanzig Stunden später fielen die tödlichen Schüsse auf ihn.

Der Grund für seine Ermordung bestand in seinen Vorschlägen für die Erreichung eines dauerhaften Friedens. Er akzeptierte die de facto erfolgte Gründung des zionistischen Staates, versuchte die beiden verfeindeten Seiten jedoch durch unparteiische, auf den Realitäten fussenden Vorschläge zu versöhnen. Seine Hauptsorge galt der arabischen Zivilbevölkerung, die durch den Massenmord von Deir Yasin aus ihren Heimatdörfern verjagt worden war und unter elenden Bedingungen in den Nachbarstaaten Israels hauste. Nie zuvor war eine derart massive Vertreibungsaktion unter dem Schutz abendländischer Mächte erfolgt, und Bernadotte, der erst wenige Jahre zuvor Juden aus nationalsozialistischen Konzentrationslagern befreit hatte, empfand dies als unerträglich. Er regte folgendes an:

  • Die Grenzen des Staates Israel sollten mit den im UNO-Teilungsbeschluss vom 29. November 1947 umrissenen identisch sein. Die Negev-Wüste solle arabisches Territorium blieben, und die Vereinten Nationen sollten gewährleisten, dass diese Grenzen „respektiert wurden und Bestand hatten“.
  • Jerusalem sollte in Übereinstimmung mit den UNO-Empfehlungen internationalisiert und der Kontrolle der Vereinten Nationen unterstellt werden.
  • Die Vereinten Nationen sollten das Recht der arabischen Flüchtlinge zur Rückkehr in ihre Heimat bestätigen und garantieren.
Am 17. September 1948, einen Tag nachdem er diese Vorschläge nach New York telegraphiert hatte, bestieg Graf Folke Bernadotte das Flugzeug, das ihn nach Jerusalem brachte. Zusammen mit seinen Begleitern fuhr er (unbewaffnet) zum Haus des Gouverneurs. Unterwegs wurde ihr Wagen durch einen quer auf der Strasse stehenden Jeep angehalten. Offenbar waren Bernadottes Bewegungen seinen Gegnern ebenso genau bekannt wie seine Berichte. Drei Männer sprangen aus dem Jeep, rannten zu dem Wagen, in dem die Vermittler sassen, und mähten Bernadotte sowie seinen höchstrangigen Mitarbeiter, den französischen Luftwaffeoberst André Serot, mit Maschinenpistolen nieder.

Die übrigen Insassen des Wagens überlebten das Attentat. Ihre Schilderung des Anschlags wurde dem Tagebuch Bernadottes bei dessen Veröffentlichung als Anhang beigefügt. Sie lässt erkennen, mit welch militärischer Präzision das Verbrechen geplant und ausgeführt worden war, und lassen keinen Zweifel an der Identität der Auftraggeber aufkommen. Die Attentäter selbst entkamen ungehindert, zwei in ihrem Jeep und der dritte zu Fuss. Keiner der drei wurde verhaftet oder auch nur angeklagt. Laut glaubwürdig erscheinenden Berichten bestiegen die Mörder ein bereitstehendes Flugzeug, das sie in ein halbes Jahr zuvor kommunistisch gewordene Tschechoslowakei ausflog. Im offiziellen israelischen Bericht hiess es:

„Der Mord mitsamt den Vorbereitungen, die ihm vorausgingen, erforderte zu seiner erfolgreichen Durchführung folgendes:
  1. Ein klarer Beschluss, Graf Bernadotte zu ermorden, und ein detaillierter Plan zur Ausführung des Verbrechens;
  2. Ein komplexes Spionagenetzwerk, das es den Verschwörern ermöglichte, die Bewegungen des Grafen während der Zeit seines Aufenthaltes in Jerusalem zu verfolgen sowie Ort und Zeit des Anschlags zu planen;
  3. Männer, die Erfahrung in solchen Aktivitäten hatten und schon vor geraumer Zeit darin geschult worden waren;
  4. Angemessene Waffen und Funkverbindungen sowie ein sicherer Zufluchtsort nach dem Mord;
  5. Ein erfahrener Kommandant, der für die Durchführung des Anschlags verantwortlich war.“
Keine vier Monate zuvor hatte der Staat Israel die „volle Verantwortung“ für das Handeln solcher Männer übernommen. Drei Tage nach dem Mord erhielt eine französische Nachrichtenagentur einen Brief, in dem Bedauern über den Tod von Oberst Serot bekundet wurde: Man habe diesen mit dem schwedischen Generalen Lundström verwechselt, der ein „Antisemit“ sei (Lundström hatte im selben Wagen hinter Bernadotte gesessen). Unterzeichnet war der Brief mit „Hazit Molodeth“.

Laut dem israelischen Polizeibericht war dies der Name einer geheimen Terrorgruppe innerhalb der Stern-Bande.

General Lundström gab am 18. September eine Erklärung folgenden Wortlauts ab: „Diese kalkulierten Morde an zwei hohen internationalen Funktionären stellen einen ungemein schwerwiegenden Bruch des Waffenstillstandes und eine schwarze Seite in der Geschichte Palästinas dar, für welche die Vereinten Nationen volle Rechenschaft fordern werden.“ Eine solche Forderung war von den Vereinten Nationen allerdings nicht zu erwarten, da diese, wie wir ausführlich dargelegt haben, nur auf massiven Druck hinter den Kulissen zu reagieren pflegten. Diese Organisation hat keine eigene Moral: Sie ist ein Orakel, das durch einen geheimen Mechanismus am Leben gehalten wird, und der Mord an dem von ihr selbst ernannten Vermittler kümmerte sie ebenso wenig, wie die Verfolgung Verteidigungsminister Forrestals oder der Mord an Lord Moyne die Regierungen in Washington und London sonderlich aus der Fassung gebracht hatten. Die Vorschläge, die Graf Bernadotte am Tag vor seinem Tod nach New York telegraphiert hatte, wurden ignoriert. Die Zionisten weigerten sich, die Negev-Wüste oder sonstiges von ihnen besetztes Territorium zu räumen, sprachen den vertriebenen Arabern die Recht auf Rückkehr ab und erklärten, dass sie gar nicht daran dächten, einer Internationalisierung Jerusalems zuzustimmen (auch heute, acht Jahre später, verhalten sie sich in all diesen Punkten völlig kompromisslos).

Die Reaktionen der Weltpresse auf den Mord an dem schwedischen Grafen entsprachen den in solchen Situationen üblichen („Die zionistische Sache hat unermesslichen Schaden erlitten…“). Gleich anschliessend fuhren die Zeitungen fort, jeden der für die Araber eine Lanze brach, als „Antisemiten“ zu beschimpfen. Die Londoner Times ging sogar so weit, Bernadotte indirekt selbst für seinen Tod verantwortlich zu machen, indem sie schrieb, sein Vorschlag zur Internationalisierung Jerusalems habe gewisse Juden zweifellos „provoziert“, und das Wort „provozieren“ wird gemeinhin in tadelndem Sinne verwendet.

Vier Monate später wurden zwei Führer der Stern-Bande, Yellin und Shmuelevitz, von einem Sondergericht zu acht bzw. fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Bei der Verlesung des Urteils behauptete der Gerichtsvorsitzende, es lägen „keine Beweise dafür vor, dass der Befehl, Graf Bernadotte zu töten, von der Führung erteilt wurde“. Laut der Jewish Telegraphic Agency „schenkten die beiden Männer dem Ablauf des Verfahrens kaum irgendwelche Beachtung, da erwartet wurde, dass der Staatsrat eine allgemeine Amnestie verkünden werde“. In der Tat wurden Yellin und Shmuelevitz schon wenige Stunden nach der Urteilsverkündung auf freien Fuss gesetzt und anschliessend von triumphierenden Anhängern zu einer öffentlichen Versammlung geleitet. Der Oberkommandant der Irgun, ein gewisser Menachem Begin, absolvierte ein paar Jahre später einen Triumphzug durch mehrere westliche Staaten; in Montreal wurde er beispielsweise von einer „Ehrengarde der Montrealer Polizei unter Führung von Rabbinern empfangen, die Torahrollen trugen“ (so das südafrikanische Blatt The Herald). 1950 hielt Begin anlässlich eines Wahlkampfs in Tel Aviv eine Rede, in der er das Verdienst für die Gründung des zionistischen Staates für sich in Anspruch nahm, denn schliesslich sei Deir Yasin das Werk seiner Organisation gewesen. Er sagte, die Irgun habe Jaffa, das die Regierungspartei angeblich an die Araber habe abtreten wollen, „okkupiert“, und fügte hinzu:

„Der andere Teil des Beitrags der Irgun [zur Gründung Israels] war Deir Yasin, das die Araber veranlasste, das Land zu verlassen, und dadurch Raum für Neuankömmlinge schuf. Ohne Deir Yasin und die anschliessende Massenflucht könnte die gegenwärtige Regierung nicht einmal ein Zehntel der Immigranten absorbieren.“

In den folgenden Jahren hat Begin immer wieder blutrünstige Drohungen gegen die benachbarten arabischen Staaten ausgestossen****, die durch die Präsenz der Flüchtlinge auf ihrem Territorium ständig an Deir Yasin erinnert werden und darum sehr wohl wissen, dass solche Drohungen tödlich ernst zu nehmen sind. Fünf Jahre lang tat man in Israel so, als hätten die „Terroristen“ in Deir Yasin ohne Erlaubnis von oben gehandelt, doch im April 1953 beantragten vier bei dem Massaker verwundete Irgun-Männer eine finanzielle Entschädigung. Das israelische Sicherheitsministerium lehnte dieses Ansinnen mit der Begründung ab, der Angriff sei „nicht autorisiert“ gewesen, wonach der Irgun-Kommandant einen Brief des offiziellen zionistischen Hauptquartiers in Jerusalem vorlegte, aus dem hervorging, dass letzteres das Vorgehen der Irgun sehr wohl genehmigt hatte. Der Mann, der den Brief unterzeichnet hatte, war zum damaligen Zeitpunkt israelischer Botschafter in Brasilien.

In der Stadt, wo die Vereinten Nationen ihr Hauptquartier hatten, dachte man gar nicht daran, Rechenschaft für den Mord an Bernadotte zu fordern. Die amerikanischen Präsidentschaftswahlen, die traditionell anfang November stattfinden, standen damals fast unmittelbar bevor. Der Wahlkampf lief auf Hochtouren, und beide Kandidaten, Truman und Dewey, wussten, dass sie ohne Unterstützung der Zionisten keine Aussicht auf den Sieg hatten. Sie buhlten emsig um jüdische Wählerstimmen und eine günstige Berichterstattung in den jüdisch kontrollierten Medien, und Palästina war weit weg. Vom zionistischen Standpunkt aus war Truman der geeignetere Mann: Er hatte Israel schon vor etlichen Monaten anerkannt und diesen Akt als stolzesten Augenblick seines Lebens bezeichnet; bei einem anderen Anlass hatte er betont, „erhabene humanitäre Grundsätze“ hätten ihn zu diesem Schritt bewogen. In der Tat setzte er sich bei den Wahlen durch. Als sich das Jahr seinem Ende zuneigte, schenkte er jedem Angestellten des Weissen Hauses eine Leseklappe mit den Worten: „Mir wäre der Frieden lieber als die Präsidentschaft.“

Mittlerweile, im Jahre 1948, war die anno 1910 von Oberst House entworfene Wahlstrategie zur regelrechten Kunst verfeinert worden, welche die Zionisten virtuous handhabten. Ihr Hauptquartier war New York. In dieser technologisch hoch entwickelten Stadt war die englische Sprache um ein neues Wort bereichnert worden: „to rig“, was soviel wie „manipulieren, verfälschen“ bedeutet. Experten sind imstande, Maschinen zu „manipulieren“; ein klassisches Beispiel hierfür sind Spielautomaten. Wenn Otto Normalverbraucher eine Münze in den Schlitz wirft, meint er, die Maschine, vor der er sitzt, werde vom Gesetz des Zufalls gesteuert, und wenn ihm das Glück hold sei, werde das gesamte Geld, das in dem Apparat steckt, íhm zufallen. In Wirklichkeit ist die Maschine von einem Fachmann so präpariert worden, dass ein genau kalkulierter Teil ihres Inhalts (wahrscheinlich zwischen 80 und 90%) dem Besitzer des Spielsalons zufällt und Otto Normalverbraucher im günstigsten Fall die übriggebliebenen 10 bis 20% einheimst.

Die Manipulation des amerikanischen Wahlsystems ist einer der entscheidendsten Faktoren der Weltpolitik des 20. Jahrhunderts. Ein Mechanismus, der ursprünglich entwickelt wurde, um dem Bürger ein Urteil über die Parteien und ihre Politik zu ermöglichen, ist dermassen raffiniert und fast narrensicher verfälscht worden, dass das Volk heute kaum noch eine Chance hat, mit seiner Stimme auf den Gang der Dinge einzuwirken. Egal was für eine Münze der Wähler in den Schlitz steckt, der Besitzer des Spielsalons behält unweigerlich das bessere Ende für sich.

Es ist nicht ausgeschlossen, dass das Wahlsystem der USA von Anfang an so konzipiert wurde, um einer „fremden Gruppe“, die den Gang der amerikanischen Politik beeinflussen will, die Aufgabe so weit wie möglich zu erleichtern. In den Vereinigten Staaten stehen immer irgendwelche Wahlen vor der Tür: Jedes zweite Jahr sind entweder Kongress- oder Präsidentschaftswahlen. Kaum ist ein Kongress oder ein Präsident gewählt worden, gehen die „pressure groups“, die Lobbys, ans Werk und beginnen die Kandidaten für die nächsten Wahlen zu bearbeiten. Die Parteimanager machen sich bereits Sorgen um deren Ausgang, und die potentiellen Senatoren, Kongressabgeordneten und Präsidenten zeigen sich gegenüber dem Druck der Lobbys ungemein empfänglich. Irgendeine Chance, sich aus diesem Würgegriff zu befreien, haben die Politiker nicht, und unter diesen Umständen kann sich die Vernunft nicht durchsetzen. (Wie wir später sehen werden, führte die Wahl des Bürgermeisters von New York zu einem abrupten Wandel der amerikanischen Staatspolitik; die Frage, um die es dabei ging, war die Unterstützung Israels. Die regelmässig vor Wahlen erfolgende Intensivierung des Drucks und die entsprechenden Warnsignale der Parteimanager an die Adresse ihrer Kandidaten führen nicht selten zu abrupten Kehrtwendungen, die das ganze von verantwortungsvollen Ministern und permanenten Funktionären sorgfältig errichtete politische Gebäude ins Wanken bringen.

Angesichts dieser Ausgangslage kann das 1948 in Palästina gegründete Staatswesen niemals ein „Staat“ im herkömmlichen Sinne des Wortes sein. Es war von Anfang an nichts weiter als der Aussenposten einer Weltorganisation mit speziellem Zugang zu jeder Regierung, jedem Parlament und jedem Aussenministerium der westlichenWelt, insbesondere der Vereinigten Staaten, die gegenwärtig die Weltmacht Nummer eins sind. Seine Hauptaufgabe besteht darin, Kontrolle übe die amerikanische Republik auszuüben (und nicht „eine Heimstatt für Juden aus aller Welt“ zu sein). So war es nur logisch, dass sich die USA immer stärker in dem künstlich geschaffenen nahöstlichen Krisenherd engagierten, was die Gefahr eines neuen Weltenbrandes dramatisch erhöhte.

Ende 1948, einunddreissig Jahre nach dem ersten Triumph der zweiköpfigen Verschwörung (Oktoberrevolution und Balfour-Deklaration), gab es im Nahen Osten einen zionistischen Staat. Präsident Truman, der Schrittmacher bei dessen Anerkennung, war von verantwortungsbewussten Fachleuten gewarnt worden, dass die in Deir Yasin de facto erzwungene Teilung Palästinas früher oder später zu einem dritten Weltkrieg führen musste; sämtliche westlichen Spitzenpolitiker hatten seitens kompetenter Beobachter ähnliche Warnungen erhalten. Keiner dieser Politiker konnte darüber im unklaren sein, welche Konsequenzen ihre Unterstützung des Zionismus für die Zukunft heraufbeschwören musste; ihre öffentlichen Äusserungen können ihre privaten Überzeugungen unmöglich widerspiegelt haben. Wie zuvor Leopold Amery und Winston Churchill in England waren die amerikanischen Politiker der vierziger und fünfziger Jahre offenbar der Ansicht, aus irgendwelchen mysteriösen Gründen sei in dieser einen Frage kein Kurswechsel möglich.

Weder in Grossbritannien noch in den Vereinigten Staaten von Amerika weiss die breite Masse darüber Bescheid, dass die Regierungen in London und Washington im Würgegriff einer fremden Macht stecken, und um welche Macht es sich dabei handelt. (Dass sich die Gefahr eines dritten Weltkriegs, der mit grösster Wahrscheinlichkeit vom zionistisch beherrschten Palästina ausgehen würde, heute immer deutlicher abzeichnet, beunruhigt die Völker der westlichen Welt heute allerdings zusehends.) In anderen Teilen der Welt ist man sich über die Zusammenhänge freilich schon längst im klaren, wie folgende, von einem britischen Diplomaten berichtete Episode erhellt:

In den zwanziger Jahren fragte der Maharadscha von Kaschmir Sir Arthur Lothian, warum die britische Regierung in Indien „eine Yehudi ka Raj“ (Judenherrschaft) errichtet habe. Sir Arthur verwahrte sich gegen diese Sicht der Dinge, doch der Maharadscha beharrte auf seiner Meinung. Er wies darauf hin, dass der Vizekönig, Lord Reading, ein Jude war, desgleichen Aussenminister Edwin Montague und Hochkommissionär Sir William Meyer, und fragte, welcher weiterer Beweise es da noch bedürfe. Schon vor drei Jahrzehnten sah ein Maharadscha in einer abgelegenen indischen Provinz also klar und deutlich, was gespielt wurde.

Früher in diesem Kapitel habe ich den Ausspruch des ägyptischen Premierministers gegenüber Graf Bernadotte zitiert, wonach die Finanzmacht der Juden das Wirtschaftssystem der USA, Englands, Frankreichs und auch Ägyptens kontrolliert. In den sieben Jahren, die seither verflossen sind, haben die Führer sämtlicher arabischen Länder die amerikanische Regierung wiederholt ganz offen beschuldigt, zum blossen Instrument des zionistischen Ehrgeizes geworden zu sein, und diese Behauptung mit ihren eigenen leidvollen Erfahrungen begründet.

Am anderen Ende Asiens zeitigte die manipulierte amerikanische Wahlmaschinerie ebenfalls verhängnisvolle Resultate. So wie die amerikanische Politik im Nahen Osten den Zionismus förderte, begünstigte sie im Fernen Osten den anderen Flügel der Revolution, den Kommunismus, mit dem Ergebnis, dass der prowestliche chinesische Führer Tschiang Kai Shek von den Kommunisten vom chinesischen Festland vertrieben wurde und sich auf die Insel Formosa zurückziehen musste, wo er gegenwärtig wieder ein gewisses Mass an amerikanischer Unterstützung geniesst. Nachdem ein bekannter amerikanischer Radioreporter, Tex McCrary, Tschiang Kai Shek interviewt hatte, sagte er vor Millionen von Zuhörern: „Ich wand mich förmlich vor Verlegenheit, als er mir sagte: ‚Wir haben gelernt, dass wir Amerika nie für mehr als 18 Monate hintereinander trauen dürfen, zwischen den Wahlen.'“

Dass die Zionisten dank ihrer Kontrolle der Wahlmaschinerie über den Kurs der amerikanische Aussenpolitik bestimmen, ermöglichte es ihnen im Jahre 1952, die „freie“ Hälfte Deutschlands auf schamlose Weise zu erpressen. Damals wurde die Bundesrepublik gezwungen, dem drei Jahre nach Deutschlands Niederlage im Zweiten Weltkrieg gegründeten Zionistenstaat Tribut zu zahlen.

Schon nach dem Ersten Weltkrieg hatten die Siegermächte das geschlagene Deutschland zu Reparationszahlungen gezwungen, doch hatten ihnen diese unter dem Strich nichts eingebracht, denn was sie an Tribut einkassierten, zahlten die Anglo-Amerikaner den Deutschen in Form amerikanischer und britischer Anleihen wieder zurück. Ganz anders entwickelten sich die Dinge nach dem Zweiten Weltkrieg. Vom besetzten Ostdeutschland erhielt die Revolution den verlangten Tribut auf denkbar einfache Weise, indem sie dieses Land ungeniert ausplünderte. In Westdeutschland verlangten die Siegermächte für sich selbst keine Reparationen, wohl aber für Zion.

Hier einige Worte zur Vorgeschichte dieser unappetitlichen Affäre. Im US-Aussenministerium hatten sich abermals besonnene Männer zu Wort gemeldet. Immer wieder hatten die Nahostexperten und Berater den Politikern in Erinnerung gerufen, dass die sieben arabischen Staaten die gewaltsame Teilung Palästinas nicht akzeptiert hatten, sich weiterhin als im Kriegszustand mit dem zionistischen Staatswesen befindlich betrachteten und den USA vorwarfen, letzterem die Waffen zu liefern, die dann gegen sie, die Araber, zum Einsatz gelangen würden.

Dies gab den Anstoss zu der Idee, die „freie“ Hälfte Deutschlands zur Zahlung von „Wiedergutmachung“ an einen Staat zu zwingen, der während des Zweiten Weltkriegs noch gar nicht existiert hatte. Mit diesem Schritt wurde dafür gesorgt, dass Israel Jahr für Jahr grosse Geldsummen sowie Warenlieferungen erhielt, ohne dass die USA und Grossbritannien direkt dafür verantwortlich gemacht werden konnten. Dieser Plan dürfte schon geraume Zeit vor seiner Verwirklichung ausgebrütet worden sein. Wie die Vollstreckung der Nürnberger Todesurteile wurde auch er an einem symbolträchtigen Datum in die Praxis umgesetzt, nämlich am Vorabend des grössten jüdischen Festes im Jahre 1952 („In der letzten Woche des jüdischen Jahres 1711“, wie die Zeitschrift Time schrieb). Die bevorstehenden deutschen Reparationszahlungen waren das Hauptthema der Feierlichkeiten ( „Das schönste Neujahrsgeschenk für das Judentum, das wir uns vorstellen konnten“, jubelte eine jüdische Zeitung).

Der Kanzler des okkupierten Westdeutschland, Dr. Konrad Adenauer informierte den Bonner Bundestag „kreidebleich“ über die „Verantwortung, moralische und materielle Wiedergutmachung zu leisten“. Sein Justizminister Dr. Dehler äusserte sich bei einer Veranstaltung in Coburg freilich ganz anders: „Das Abkommen mit Israel wurde auf Wunsch der Amerikaner abgeschlossen, weil die USA angesichts der Stimmung in den arabischen Ländern den Staat Israel nicht mehr wie bisher unterstützen können.“

Damals standen in Amerika die Präsidentschaftswahlen 1952 vor der Tür. Die westdeutsche Regierung wurde gezwungen, dem Staat Israel während eines zwölf- bis vierzehnjährigen Zeitraums 822 Millionen Dollars zu zahlen, grösstenteils in Waren. Die Affäre erinnerte auffallend an Stehelins Zusammenfassung gewisser Passagen aus der Kabala, in denen die Zeit nach dem Kommen des Messias geschildert wird: „Doch schauen wir ein wenig, wie die Juden in dem alten Land unter der Herrschaft des Messias leben werden. Zunächst werden die fremden Nationen, denen sie erlauben werden, am Leben zu bleiben, ihnen Häuser und Städte bauen, ihren Boden pflügen und für sie Weinberge pflanzen, und all dies, ohne irgendwelchen Lohn für ihre Arbeit zu fordern.“ Dies gemahnt nur allzu deutlich an die Tributzahlungen, welche die britischen, amerikanischen und deutschen Steuerzahler dem Zionismus entrichten müssen (die britischen und die amerikanischen in verschleierter, die deutschen in offener Form).

Die Bevölkerung der westlichen Länder wurde über die Umstände, unter denen diese Reparationszahlungen erzwungen worden waren, im dunkeln gehalten; diese wurden als freiwilliger Akt der deutschen Regierung dargestellt, die sich von hehren moralischen Grundsätzen habe leiten lassen. Hingegen waren die Leser jüdischer Presseorgane von Anfang an genau so gut informiert wie z. B. Dr. Dehlers Zuhörer in Coburg. Hierzu zwei Beispiele: Die Jewish Telegraphic Agency enthüllte, dass „die Regierung der USA massgeblich dazu beigetragen hat, Westdeutschland zur Zahlung anständiger Reparationen an die Juden zu bewegen; die britische Regierung hat ebenfalls ihr Scherflein hierzu beigetragen, wenn auch in geringerem Umfang“. Der in Johannesburg erscheinende Zionist Herald berichtete: „Das Abkommen mit Deutschland wäre ohne die aktive und sehr effiziente Unterstützung der US-Regierung in Washngton sowie des Büros des amerikanischen Hochkommissärs in Deutschland nicht möglich gewesen.“ Die gesamte arabische Presse äusserte sich in gleichem Sinne, und einem amerikanischen Journalisten, der eines der arabischen Flüchtlingslager aufsuchen wollte, wurde mit folgender Begründung der Zutritt verwehrt: „Was hätte es für einen Sinn, mit Ihnen zu reden? Wir Araber wissen ganz genau, dass in Amerika keine Zeitung die ganze Wahrheit über die palästinensische Frage zu schreiben wagt.“

In England wurde die offizielle Version dem Parlament von Lord Reading vorgelegt, dem Vize-Aussenminister und Sohn des ehemaligen Vizekönigs von Indien, den der Maharadscha von Kaschmir drei Jahrzehnte zuvor in seinem Gespräch mit Sir Arthur Lothian erwähnt hatte. Ein sozialistisches Mitglied des Oberhauses, Lord Henderson, hatte Lord Reading durch eine „Frage“ zu seiner Erklärung veranlasst, die mit der „Feststellung“ begann, dass „über sechs Millionen Juden ermordet wurden“. Lord Readings Antwort ist ungemein aufschlussreich: Die westdeutschen Zahlungen an den neuen Staat, hielt er fest, würden „noch von höherem moralischem als materiellem Wert sein“ und auf den „geschätzten Kosten der Umsiedlung von den Nazis aus Europa vertriebener Juden in Israel“ beruhen. Angesichts der Tatsache, dass die Zionisten erst kürzlich annähernd eine Million Araber aus Palästina vertrieben und ihnen das Recht auf Heimkehr verächtlich verweigert hatten, entbehrte der Hinweis auf „moralische Werte“ nicht der Pikanterie.

Noch absurder war Lord Readings Behauptung, die Bundesrepublik finanziere mit ihren Reparationen die „Umsiedlung von den Nazis aus Europa vertriebener Juden in Israel“. Israel ist das einzige Land der Welt, aus dem zuverlässige Statistiken über die Stärke der jüdischen Bevölkerung vorliegen. Laut Angaben der israelischen Regierung betrug diese im Jahre 1953 rund 1,4 Millionen, wovon lediglich 63.000 (also weniger als 5%) aus Deutschland und Österreich stammten. Diese 63.000 waren die einzigen Bewohner Israels, von denen man ernsthaft behaupten konnte, sie seien aus Europa vertrieben und gezwungen worden, sich in Palästina anzusiedeln. Die überwältigende Mehrheit der israelischen Juden kam entweder aus Nordafrika oder aus osteuropäischen Ländern wie Russland, Polen, Rumänien, Ungarn und Bulgarien, aus denen sie keineswegs „vertrieben“ worden waren, sondern in denen sie volle Bürgerrechte genossen und meist noch durch Gesetze vor „Antisemitismus“ geschützt wurden. Folglich gab es nicht die geringste moralische Grundlage für westdeutsche Tributzahlungen an den Zionistenstaat; sofern die Bundesrepublik je eine moralische Pflicht zur finanziellen Unterstützung der 63.000 aus Deutschland und Österreich vertriebenen und nach Palästina emigrierten Juden gehabt hatte, so war diese durch die zionistische Massenvertreibung von fast einer Million Arabern null und nichtig geworden. Der Schwindel mit den „Wiedergutmachungszahlungen“ hat in der Geschichte des Abendlandes keine Parallele und beweist, wie tief die Regierungen Amerikas und Grossbritanniens in ihrer Willfährigkeit gegenüber den zionistischen Forderungen gesunken sind.

Westdeutschland wurde genötigt, den Aufbau des neuen Staates sowie seiner Streitkräfte in erheblichem Masse mitzufinanzieren, was die Gefahr eines neuen Krieges erhöhte und die Situation der Araber noch verschlechterte.

Israel wurde finanziell aufgepäppelt, mit all den Folgen, die dies zwangsläufig haben musste. Der Druck auf die Regierung in Bonn in dieser Frage war der letzte nennenswerte politische Akt Präsident Trumans, dessen Amtszeit sich damals ihrem Ende zuneigte.*****

* Die beiden Attentäter wurden 1945 gehängt. 1975 wurden ihre sterblichen Überreste nach Israel übergeführt und dort in der „Halle der Helden“ beigesetzt, was in Grossbritannien Proteste auslöste. – Der Übersetzer.

** Hier irrt Douglas Reed: Deir Yasin war durchaus kein Einzelfall. Am 6. Mai 1992 erschien in der israelischen Zeitung Hair ein Artikel von Guy Ehrlich mit dem Titel „Nicht nur Deir Yasin“, in dem der Verfasser eine ganze Reihe anderer, weit weniger bekannter Massaker aufzählt. – Der Übersetzer.

*** Eine krasse Übertreibung; annähernd die Hälfte der Palästinenser blieb zurück. – Der Übersetzer.

**** Am 20. August 1954 berichtete der in Johannesburg erscheinende Zionist Record: „Begin ruft zum Krieg auf. Greift die Araber an, zerschmettert einen Schwachpunkt nach dem anderen, brecht an einer Front nach der anderen durch, bis der Sieg sichergestellt ist – das war der Tenor der Rede, die Menachem Begin, Führer der Herut-Partei, letzte Woche in Jerusalem hielt. Er sprach vom Balkon eines Hotels auf dem Zionsplatz, wo sich mehrere tausend Menschen versammelt hatten. ‚Unsere Verluste bei einer solchen Aktion werden nicht geringfügig sein, aber jedenfalls viel geringer, als wenn wir den vereinten arabischen Armeen auf dem Schlachtfeld entgegentreten', sagte er. ‚Heute sind die israelischen Streitkräfte stärker als alle arabischen Armeen zusammen… Moses benötige zehn Schläge, um die Israeliten aus Ägypten herauszuführen; wir können die Ägypter mit einem einzigen Schlag aus Israel herauswerfen', erklärte er unter Anspielung auf den Gazastreifen.“

****** Hier noch eine Fussnote zu der Affäre mit den erpressten westdeutschen Reparationszahlungen: Ungefähr zur gleichen Zeit demütigten die Westmächte gemeinsam mit der UdSSR das kleine Österreich, indem sie ein Gesetz, das gewissen nichtjüdischen österreichischen NS-Opfern materielle Wiedergutmachung eingebracht hätte, durch ihr Veto torpedierten. Die (nominell souveräne) österreichische Regierung beschwerte sich schriftlich beim amerikanischen Hochkommissär, dem sie vorwarf, den Befehlen von „Emigranten“ aus Österreich gehorcht zu haben, welche als „jüdische Berater“ seinem Stab angehörten. Die Leser der britischen und amerikanischen Presse erfuhren so gut wie nichts über diese Episode.


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