Kapitel 31

Ein Netz von Intrigen

Dass ich in diesem Buch regelmässig von einer “Verschwörung” und einer “Intrige” spreche, ist keinesfalls eine persönliche Marotte; namhafte Experten verwenden diese Ausdrücke regelmäßig. Der Titel des vorliegenden Kapitels stammt beispielsweise von Arthur D. Howden, der sich bei der Niederschrift seiner Biographie von Oberst House (Mr. House of Texas, 1940) auf Informationen stützte, die er von seinem Helden selbst erhalten hatte. Howden bezeichnet die Vorgänge, die sich von 1914 bis 1918 in Amerika abspielten und in deren Mittelpunkt House stand, als „Netz von Intrigen, das sich quer über den Atlantik spannte“.

Die Kreise um Lloyd George in Großbritannien und der amerikanische Präsident Wilson waren zwar separat umgarnt worden, doch zwischen 1914 und 1917 wurden die Fäden in London und Washington zu jenem transatlantischen Netz verflochten, von dem Howden spricht. Von nun an waren beide Regierungen, die britische und die amerikanische, in dieses Netz verstrickt, aus dem sie sich nie mehr zu befreien vermochten.

Präsident Woodrow Wilson war wenig mehr als eine Marionette des eigentlichen Machthabers Oberst House, den Rabbiner Wise als „Verbindungsoffizier zwischen der Wilson-Regierung und der zionistischen Bewegung“ bezeichnet hat. Richter Brandeis, der beschlossen hatte, sein Leben dem Zionismus zu weihen, war Wilsons „Berater für die jüdische Frage“ (Chaim Weizmann); dieses Amt hatte zuvor nie existiert, wurde nun jedoch zur Dauerinstitution. Der oberste zionistische Organisator war Rabbiner Wise, der in ständigem Kontakt mit Wilson und House stand.

Wilsons Minister wurden von House und Bernard Baruch ausgewählt, so dass sich einer von ihnen dem Präsidenten wie folgt vorstellte: „Herr Präsident, mein Name ist Lane, ich glaube, ich bin der Innenminister.“ Wilsons Wohnsitz war natürlich das Weiße Haus in Washington, doch sah man ihn häufig eine kleine Wohnung an der East 35th Street in New York aufsuchen, wo House lebte. Dies gab natürlich Anlass zu allerlei Fragen. Als sich ein Spitzenfunktionär von Wilsons Partei nach der Art seiner Beziehungen zum Oberst erkundigte, erhielt er folgende Antwort: „Mr. House ist meine zweite Persönlichkeit, mein unabhängiges Ich. Seine Gedanken und die meinen sind ein und dieselben.“ House hielt sich oft in Washington auf, wo er die Interviews und die Korrespondenz des Präsidenten überwachte und Wilsons Minister in den Korridoren instruierte, was sie im Kabinett zu sagen hatten. Selbst wenn er sich in New York befand, dirigierte er die Politik Amerikas über private Telefonlinien, die ihn mit dem Weißen Haus verbanden. „Ich brauche nur den Hörer abzunehmen, um direkt mit dem Büro des Außenministers verbunden zu werden“, prahlte er.

Um Entscheidungen von staatspolitischer Bedeutung zu fällen, brauchte House Präsident Wilson nicht um seine Zustimmung zu ersuchen. Wie er selbst festhielt, war er „nicht auf Anweisungen [seitens des Präsidenten] angewiesen; wenn der Präsident keine Einwände erhob, wusste ich, dass ich den eingeschlagenen Kurs ohne weiteres fortsetzen konnte“. Dies bedeutet im Klartext, dass Wilson ausdrücklichen Widerspruch einlegen musste, um irgendwelche von House eingeleiteten Schritte zu verzögern oder zu modifizieren. (Schließlich hatte er sofort nach seiner Wahl versprechen müssen, „künftig nicht unabhängig zu handeln“).

Anno 1914 bereitete sich House, der sich vierzehn Jahre früher vorgenommen hatte, seine bisher auf Texas begrenzte Macht auf ganz Amerika auszudehnen, darauf vor, die Kontrolle über die auswärtigen Angelegenheiten der Vereinigten Staaten zu übernehmen. Howden schreibt: „Er wollte seine Energie auf einem breiteren Feld entfalten... Ab Anfang 1914 machte er sich zunehmend Gedanken über das, was er als höchste Stufe der Politik ansah und wofür er besondere Begabung besaß: Die Außenpolitik.“

Sein texanischer Hintergrund qualifizierte ihn freilich durchaus nicht für diese Aufgabe. In Texas tönte der Ausdruck „auswärtige Angelegenheiten“ nämlich so anrüchig wie das Wort „Stinktier“. Mehr als in jedem anderen amerikanischen Bundesstaat war dort im Volksbewusstsein die Tradition des 19. Jahrhunderts lebendig geblieben, der zufolge der vollständige Verzicht auf jegliche Einmischung in die politischen Angelegenheiten Europas als ehernes Prinzip der amerikanischen Politik zu gelten hatte. House, der irgendwo in Texas „die Ideen der Revolutionäre von 1848“ in sich aufgesogen hatte, brach mit dieser Tradition, doch dies machte ihn noch lange nicht zum Fachmann für auswärtige Angelegenheiten.

Oberst House gehörte einem ganz anderen Menschenschlag an als der träumerische Balfour, der inmitten der nebligen Hügel Schottlands aufgewachsen war, oder der gerissene Lloyd George, der sich stets bemühte, seine Aktivitäten zu vertuschen; nichtsdestoweniger hinterließ sein ganzes Handeln den Eindruck, als seien er, Balfour und Lloyd George Absolventen ein und derselben geheimen Akademie für politische Intrigen. 1914 begann er (laut seinen eigenen Aussagen) amerikanische Botschafter zu ernennen und erwies erstmals europäischen Regierungen in seiner Eigenschaft als „persönlicher Freund des Präsidenten“ seine Aufwartung.

Sein Herausgeber Seymour meinte: „In der ganzen Geschichte findet sich kaum ein anderes Beispiel einer dermaßen unkonventionellen und effizienten Diplomatie. Oberst House, ein Privatmann, legt sämtliche Karten auf den Tisch und entscheidet gemeinsam mit dem Botschafter einer fremden Macht über den Inhalt der Depeschen, die dem Außenminister dieser Macht sowie ihrem Botschafter in den USA zugestellt werden sollen.“ Houses Vertrauensmann Howden schrieb: „Die Initiative lag bei House... Dem Außenministerium kam nur noch die Aufgabe zu, seine Ideen zu vermitteln und als Ablege für offizielle Dokumente zu dienen. Ein erheblicher Teil der vertraulichen diplomatischen Korrespondenz ging direkt durch die kleine Wohnung an der East 35th Street. Die Botschafter der kriegführenden Mächte suchten ihn auf, wenn sie die Regierung beeinflussen wollten oder in dem Netz von Intrigen, das sich quer über den Atlantik spann, Unterstützung suchten.“

„Das Leben, das ich führe, ist interessanter und aufregender als jede Romanze“, brüstete sich House. „Aus allen Ecken und Enden der Welt strömen Informationen in dieses kleine, unauffällige Arbeitszimmer.“ Seymour ergänzt: „Kabinettminister, die nach Helfern Ausschau hielten, und Anwärter auf derartige Posten machten sein Büro zu einer Art Stellenbörse. Verleger und Journalisten waren erpicht darauf, seine Meinung zu erfahren, und die der ausländischen Presse zugestellten Depeschen wurden größtenteils von ihm diktiert. Beamte des Finanzministeriums, britische Diplomaten... und Finanzlöwen aus den Metropolen der Welt gaben sich in seinem Büro ein Stelldichein, um ihre Pläne mit ihm zu erörtern.“

Jenseits des Atlantiks gab es einen aufstrebenden Politiker, der sich ebenfalls lebhaft für die Tätigkeit der „Finanzlöwen“ interessierte. Wie Beatrice Webb berichtet, hatte ihr Winston Churchill bereits einige Zeit zuvor bei einem Abendessen anvertraut, er baue darauf, dass die „Hochfinanz“ den Frieden bewahren könne, und sei deshalb „gegen ein autarkes [britisches] Empire“, da er befürchte, dieses werde den kosmopolitischen Kapitalismus zerstören; der kosmopolitische Financier sei jedoch der professionelle Friedensstifter der modernen Welt und seiner Ansicht nach die Apotheose der Zivilisation. Die späteren Entwicklungen haben Churchills These, wonach die führenden „kosmopolitischen“ oder „in den Metropolen der Welt“ beheimateten Financiers „professionelle Friedensstifter“ seien, freilich in keiner Weise bestätigt.

So also sah es in den Jahren 1915 und 1916 in Amerika hinter den Kulissen aus. Die folgenden Ereignisse zeigten klar, welche Ziele die herrschende Clique, deren Netz sich mittlerweile quer über den Atlantik spannte, insgeheim verfolgte. Der britische Premierminister Asquith wurde unter dem Vorwand, seine Inkompetenz gefährde die Aussichten auf den Sieg, seines Amtes enthoben; Lloyd George brachte sein Land an den Rand einer totalen Niederlage, indem er einen erheblichen Teil der britischen Truppen von Frankreich nach Palästina verlegte. Woodrow Wilson wurde wiedergewählt, weil man dem amerikanischen Volk weisgemacht hatte, er werde der alten Tradition treu bleiben und sein Land aus dem Krieg heraushalten, doch schon bald nach seiner Wiederwahl ging er auf Kriegskurs.

Welcher Abgrund zwischen den Worten und den Taten jener Männer klaffte, die den Kurs der amerikanischen Außenpolitik bestimmten, geht aus folgenden Fakten hervor: Oberst House war bereits am 30. Mai 1915 privat zum Schluss gelangt, ein Krieg mit Deutschland sei „unvermeidlich“, was ihn allerdings nicht daran hinderte, im Juni 1916 den Slogan zu prägen, der Wilson die Wiederwahl bescheren sollte: „Er hat uns aus dem Krieg herausgehalten.“ Rabbiner Stephen Wise stellte sich vor den Wahlen entschieden hinter House: In mehreren Briefen an den Präsidenten beklagte er dessen Unterstützung für „ein Programm der [militärischen] Bereitschaft“, und in seinen öffentlichen Ansprachen wandte er sich gegen jegliche Versuche, Amerika in den Krieg zu verstricken. Alles verlief wie geplant; wie Howden festhält, funktionierte „die von House verfolgte Politik perfekt“, und Wilson wurde mit überzeugender Mehrheit wiedergewählt.

Allem Anschein nach glaubte Wilson damals tatsächlich noch an das, was er öffentlich sagte. Nach seinem Wahltriumph versuchte er sich als Friedensstifter und entwarf eine Note an die kriegführenden Mächte, in der es hieß: „Die Ursachen und Ziele des Krieges liegen im Dunkeln.“ Mit diesem Akt selbständigen Handelns hatte sich der Präsident der Unbotmäßigkeit schuldig gemacht, was House lebhaft verärgerte. Unter Druck gesetzt, änderte Wilson den strittigen Satz wie folgt ab: „Die Ziele, welche die Staatsmänner und die Kriegführenden auf beiden Seiten in diesem Krieg verfolgen, sind buchstäblich dieselben.“ Doch auch diese Version fand bei House keine Gnade, sondern versetzte ihn nur noch mehr in Rage. Von nun an unternahm Wilson keinerlei Versuch mehr, auf eigene Faust zu handeln. Für kurze Zeit wusste er nicht, was man demnächst von ihm verlangen würde; am 4. Januar 1917 schrieb er an House: „Es wird keinen Krieg geben. Unser Land will sich nicht in den Krieg verwickeln lassen... Es wäre ein Verbrechen gegen die Zivilisation, wenn wir uns auf einen solchen Schritt einließen.“

Doch die Strippenzieher, an deren Fäden der Präsident wie eine Marionette tanzte, sorgten dafür, dass dergleichen Illusionen nach Wilsons zweitem Amtsantritt (am 20. Januar 1917) sogleich zerstoben. Rabbiner Wise teilte Wilson mit, er habe inzwischen umgedacht; seiner Überzeugung nach sei „für das amerikanische Volk die Zeit gekommen, zu verstehen, dass es möglicherweise unser Los ist, an diesem Kampf teilzunehmen“. Oberst House, der bereits während des Wahlkampfs in einer Notiz festgehalten hatte, Amerika befinde sich auf der Schwelle zum Krieg, vertraute seinem Tagebuch am 12. Februar 1912 folgendes an: „Wir treiben so schnell auf den Krieg zu, wie ich erwartet habe.“

Am 27. März 1917 erkundigte sich Wilson bei House, ob er den Kongress um eine Kriegserklärung ersuchen oder festhalten solle, das Land sei bereits in Kriegszustand. House „empfahl ihm letzteres“, und am 2. April erfuhr das amerikanische Volk, dass es sich im Krieg befand. [14] Somit hatte das Netz der Intrige, das sich quer über den Atlantischen Ozean spannte, sein entscheidendes Ziel im Zeitraum zwischen November 1916 und April 1917 erreicht: Lloyd George hatte Asquith als Premierminister abgelöst; die Verlegung britischer Truppen nach Palästina war bereits angelaufen; Präsident Wilson, auf dessen Unterstützung bei der Verwirklichung des zionistischen Plans man sich verlassen konnte, war wiedergewählt worden, und die USA waren in den Krieg eingetreten.

In seiner Botschaft an den Kongress, in der er festhielt, die Vereinigten Staaten befänden sich de facto im Kriegszustand, sagte Wilson, das Ziel des Krieges (von dem er wenige Wochen zuvor behauptet hatte, es liege im Dunkeln) bestehe in der Schaffung einer „neuen internationalen Ordnung“. Somit wurde ausdrücklich ein neues Ziel formuliert, auch wenn die Formulierung selbst sehr verschwommen war; schließlich wusste niemand so recht, was man sich unter dieser „neuen internationalen Ordnung“ vorzustellen hatte. Nur die Eingeweihten begriffen, dass darunter ein Plan zur Schaffung einer „Weltföderation“ zu verstehen war, der notfalls mit Gewalt durchgesetzt werden sollte und das Verschwinden sämtlicher alten Nationen sowie die Gründung einer neuen vorsah; sowohl der Zionismus als auch der Kommunismus waren Werkzeuge bei der Verwirklichung dieses Plans.

Von diesem Moment an marschierten die heimlichen politischen Machthaber in Amerika und England in strammem Gleichschritt, so dass zwei ursprünglich getrennte Geschichten zur Geschichte eines einzigen „Netzes“ verschmelzen. Jene Männer, die in Washington und London offiziell das Sagen hatten, koordinierten ihre Aktionen unter der Regie der Zionisten, die hüben und drüben des großen Teichs die Fäden zogen. Bereits im März 1915 hatte Chaim Weizmann in London unter Beweis gestellt, dass er wusste, wie sich die Dinge entwickeln würden: Er schrieb an seinen Verbündeten Scott, den Herausgeber des Manchester Guardian, „seines Wissens“ sei die britische Regierung bereit, den zionistischen Interessen bei der kommenden Friedenskonferenz gebührend Rechnung zu tragen (schon 1903 hatte sich Max Nordau in ähnlichem Sinne geäußert). Da Herbert Asquith hierzu jedoch in keiner Weise gewillt war, kann Weizmanns Aussage nur eines bedeuten: Er wusste bereits im März 1915, dass Asquiths Tage als Premierminister gezählt waren; in der Tat musste er im Dezember desselben Jahres seinen Hut nehmen, und die neue britische Regierung schwenkte schon bald auf den von Weizmann gewünschten Kurs ein.

Die britische Regierung, meinte Weizmann weiter, werde „die Organisation des jüdischen Commonwealth in Palästina voll und ganz den Juden überlassen“. Doch selbst wenn man den Zionisten Palästina auf dem Silbertablett serviert hätte, wären sie nicht in der Lage gewesen, dort gegen den Willen der arabischen Bevölkerungsmehrheit ein „Commonwealth“ zu errichten. Dies konnten sie einzig und allein unter dem Schutz einer Großmacht und ihrer Heere tun. Deshalb vertrat Weizmann die Ansicht, zum Schutz der zionistischen Siedler solle in Palästina ein britisches Protektorat errichtet werden (was dann im Jahre 1919 tatsächlich geschah). Ein solcher Schritt, argumentierte er, würde bedeuten, dass „die Juden das Land übernehmen und die ganze Last der Organisation ihnen zufällt, sie die nächsten zehn oder fünfzehn Jahre jedoch einem temporären britischen Protektorat unterstehen werden“.

Dr. Weizmanns Kommentar, dies sei eine „Vorwegnahme des Mandatsystems“ gewesen, vermittelt dem Historiker Aufschluss über die Entstehung des Begriffs „Mandat“. Die Strategie, eroberte Territorien einem „Mandat“ zu unterstellen, das von einem selbsternannten „Völkerbund“ proklamiert worden war, wurde einzig und allein im Hinblick auf Palästina entworfen. (Dies hat die geschichtliche Entwicklung bestätigt: Sämtliche anderen nach dem Ersten Weltkrieg geschaffenen „Mandate“, die offenbar nur den Eindruck erwecken sollten, dieses Vorgehen sei allgemein anwendbar, sind inzwischen verschwunden; entweder erhielten sie die Unabhängigkeit, oder sie wurden zum Besitz des Eroberers erklärt. In anderen Worten: Der Begriff „Mandat“ wurde nur so lange aufrechterhalten, bis die Zionisten genug Waffen angehäuft hatten, um Palästina selbst in Besitz zu nehmen.)

Dies alles spricht dafür, dass Dr. Weizmann, der rührige Strippenzieher im Zentrum des Netzes, nach der Ernennung Lloyd Georges zum britischen Premierminister sowie der Wiederwahl Wilsons zum US-Präsidenten sehr genau Bescheid darüber wusste, was für die Zukunft geplant war. Weizmann ließ keine Zeit verstreichen: In einem Memorandum an die britische Regierung forderte er, die königliche Regierung solle „die jüdische Bevölkerung in Palästina“ offiziell als „jüdische Nation anerkennen. Darauf versammelte sich ein aus neun zionistischen Führern sowie einem Vertreter der britischen Regierung (Sir Mark Sykes, der allerdings bloß als „Privatmann“ zugegen war) bestehendes Komitee in einem jüdischen Privathaus, um ein britisches Regierungsdokument zu entwerfen. Dies war die Geburtsstunde der Balfour-Deklaration. Unmittelbar anschließend beschloss Balfour, sich zur Erörterung dieser Frage nach Amerika zu begeben.

Weizmann und seine Mitstreiter mussten damals ungemein vorsichtig vorgehen und behutsam lavieren, um zwei Hindernisse zu umgehen; der Plan hätte sehr wohl fehlschlagen können, wenn das „Netz“ es ihnen nicht ermöglicht hätte, darüber zu bestimmen, welche Antwort Balfour von seinen amerikanischen Gesprächspartnern erhielt. Trotz ihrer ausgeprägt prozionistischen Haltung war der britischen Regierung nicht geheuer bei dem Gedanken, dass England allein als Schutzmacht der Zionisten auftreten würde; deshalb versuchte sie die Amerikaner zu einer Teilnahme an der militärischen Besetzung Palästinas zu bewegen. Die Zionisten wussten, dass dies bei der amerikanischen Öffentlichkeit Empörung auslösen würde, und wandten sich deswegen gegen eine Teilnahme der Vereinigten Staaten an dem Feldzug. Dass Balfour vor seiner Abreise in einem „langen Gespräch“ mit Weizmann eifrig für ein „anglo-amerikanisches Protektorat“ warb, verstärkte dessen Befürchtungen noch.

Am 8. April 1917 ersuchte er Richter Brandeis brieflich, sich dergleichen Plänen zu widersetzen, Balfour jedoch zugleich der amerikanischen Unterstützung für ein rein britisches Mandat zu versichern. Weizmann zufolge muss dieser Brief Brandeis „ungefähr zur Zeit von Balfours Ankunft“ erreicht haben. Brandeis war zum damaligen Zeitpunkt bereits Mitglied des obersten Gerichtshofs der USA und gehörte der zionistischen Führungsriege in Amerika offiziell nicht mehr an. Sein Amt hätte ihn eigentlich dazu verpflichten müssen, sich von allen politischen Machenschaften fernzuhalten, doch in seiner Eigenschaft als Wilsons „Berater für die jüdische Frage“ teilte er dem Präsidenten mit, er sei „für ein britisches Protektorat, aber voll und ganz gegen ein Kondominium“ (d. h. eine gemeinsame britisch-amerikanische Kontrolle über Palästina).

Nach seiner Ankunft in Amerika (das sich damals erst seit achtzehn Tagen offiziell im Krieg befand) scheint er die Palästina-Frage in seinen Unterredungen mit Wilson überhaupt nicht aufs Tapet gebracht zu haben. Letzterer beschränkte sich vorderhand auf eine devote Ergebenheitserklärung gegenüber Rabbiner Wise: „Sobald ... Sie sowie Richter Brandeis der Ansicht sind, für mich sei die Zeit reif, zu reden und zu handeln, werde ich bereit sein.“ Zum damaligen Zeitpunkt war Oberst House von Wise bereits gebührend instruiert worden: „Er steht im Dienst unserer Sache. Hieran besteht überhaupt kein Zweifel. Ich glaube, in Washington wird alles reibungslos durchgehen.“ Dies erklärte Wise am 8. April 1917, genau sechs Tage nach dem amerikanischen Kriegseintritt.

Die Begegnung zwischen Balfour und Brandeis fand selbstverständlich statt, doch hätte der britische Außenminister im Grunde genommen getrost bei Dr. Weizmann in England bleiben können, denn Brandeis wiederholte lediglich, was Weizmann in seinem Brief dargelegt hatte. Balfour hatte also nichts anderes getan, als von einem Ende des „Netzes der Intrige“ zum anderen zu rücken. Wie Blanche Dugdale berichtet, betonte Brandeis bei dem Gespräch immer nachdrücklicher, dass die Zionisten in Palästina „eine britische Verwaltung“ wünschten. Laut seiner Biographin „versicherte er die Zionisten seiner persönlichen Unterstützung; dies hatte er bereits gegenüber Dr. Weizmann getan, aber jetzt war er britischer Außenminister“ .

In seinem 1951 erschienenen Buch The Iron Curtain over America [Der eiserne Vorhang über Amerika] kommentierte John O. Beaty, Professor an der amerikanischen Southern Methodist University, die Rolle, die Brandeis bei dieser Angelegenheit gespielt hat. Seine Ernennung zum Mitglied des obersten Gerichtshofs, meint er, sei „einer der wichtigsten Tage in der amerikanischen Geschichte“ gewesen, „denn zum ersten Mal seit dem ersten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts gab es bei uns einen Beamten höchsten Ranges, dessen Herzensanliegen eine außeramerikanische Frage war“.

Brandeis hatte weit mehr getan als „die Idee eines jüdischen Palästina unter britischem Protektorat zu propagieren“ (Weizmann). Gemeinsam mit Oberst House hatte er die anschließend von Wilson unterzeichnete berühmte Erklärung gegen Geheimverträge entworfen. Diese Erklärung war bei den Massen sehr populär; sie glaubten darin die Stimme der schönen neuen Welt zu hören, die mit den Unsitten der hässlichen alten Welt gebrochen hatte. Schließlich rief allein schon das Wort „Geheimabkommen“ Bilder von vermummten Diplomaten wach, die auf Hintertreppen in geheime Kanzleien huschten; nun, wo sich Amerika im Krieg befand, würden diese unerfreulichen Relikte des Feudalismus endgültig über Bord geworfen werden, und in der Diplomatie würde fortan mit offenen Karten gespielt werden.

Dies war natürlich eine fromme Illusion; die Absage an Geheimverträge war nichts weiter als ein Taschenspielertrick, der einzig und allein zionistischen Interessen diente. Die Türkei war immer noch unbesiegt, so dass die französische und die britische Regierung, deren Soldaten den Türken auf dem Schlachtfeld gegenüberstanden, versucht hatten, die Gunst der Araber zu gewinnen, indem sie mit diesen insgeheim das sogenannte „Sykes-Picot-Abkommen“ unterzeichneten, das die Schaffung einer unabhängigen Konföderation arabischer Staaten sowie eine internationale Verwaltung für Palästina vorsah. Dr. Weizmann bekam von diesem Abkommen Wind. Für ihn konnte es in Palästina keinen zionistischen Staat geben, wenn Palästina internationaler Kontrolle unterstand; nur ein britisches Protektorat gewährleistete die Verwirklichung des zionistischen Plans. Dementsprechend wurde Druck auf die englische Regierung ausgeübt, und Wilsons lautstarke Anprangerung der „Geheimabkommen“ richtete sich in Wirklichkeit ausschließlich gegen die palästinensischen Araber und deren Hoffnung auf eine freie Zukunft. Amerika beharrte darauf, dass England, und nur England, bei der Geburt einer zionistischen Heimstatt Pate stehen müsse.

Balfours Biographin Blanche Dugdale vermerkt mit Genugtuung, die Aktivitäten ihres Helden hätten gezeigt, dass nun „eine nationale jüdische Diplomatie im Entstehen begriffen war“. Das britische Außenministerium, meint Frau Dugdale, habe „leicht verstört erkannt, dass sich die britische Regierung praktisch festgelegt hatte“. Die USA befanden sich zwar mit den Mittelmächten, nicht aber mit der Türkei im Kriegszustand; nichtsdestoweniger hatten sie sich (durch Richter Brandeis) insgeheim verpflichtet, die Abtretung türkischen Territoriums an eine Drittmacht zu unterstützen. Aus diesem Grund durfte die Öffentlichkeit zumindest vorderhand nichts von der amerikanischen Beteiligung an der Intrige erfahren, obwohl seine amerikanischen Gesprächspartner dem britischen Außenminister gebieterisch klargemacht hatten, was von ihm erwartet wurde.

Während an der Balfour-Deklaration gefeilt wurde, verstrich der Sommer 1917. Die Vereinigten Staaten von Amerika waren mittlerweile tief in das zionistische Abenteuer verstrickt. Abgesehen von den Generälen und einigen wenigen hochrangigen Beamten des britischen sowie des amerikanischen Außenministeriums waren die englischen und amerikanischen Juden die einzigen, die sich dem Zionismus entgegenstellten. (Dass Nichtjuden, wenn auch nur als Marionetten, eine dermaßen maßgebliche Rolle bei der Verwirklichung der zionistischen Pläne gespielt haben, ist einer von mehreren Gründen dafür, der Behauptung, wonach die „Protokolle der Weisen von Zion“ rein jüdischen Ursprungs seien, mit einer gehörigen Portion Skepsis zu begegnen.)

In Großbritannien hatte die Anglo-Jewish Association im Jahre 1915 durch ihr Vereintes Komitee folgende Erklärung abgegeben: „Die Zionisten halten bürgerliche und politische Emanzipation nicht für ausreichend, um den Sieg über die Verfolgung und Unterdrückung von Juden zu gewährleisten; sie meinen, ein solcher Sieg könne lediglich durch die Gründung einer rechtlich abgesicherten Heimstatt für das jüdische Volk errungen werden. Das Vereinte Komitee hält die ‚nationale' Forderung der Zionisten sowie besondere Privilegien für Juden in Palästina für gefährlich und geeignet, Antisemitismus zu provozieren. Das Komitee konnte die Frage eines britischen Protektorats nicht mit einer internationalen Organisation erörtern, der verschiedene Elemente, darunter auch solche aus dem Feindeslager, angehören.“

Unter normalen Umständen hätten sich auch die britische sowie die amerikanische Regierung in diesem Sinne geäußert, und sie wären von den jüdischen Bürgern ihrer Staaten unterstützt worden. Doch Dr. Weizmann hatte Anno 1914 geschrieben, man müsse solchen Juden klarmachen, dass „wir und nicht sie die Herren der Situation sind“. Das Vereinte Komitee vertrat die alteingesessenen Juden Englands, aber die britische Regierung akzeptierte die Behauptung der russisch-jüdischen Revolutionäre, sie seien die „Herren“ des Judentums.

1917, als der Moment der unwiderruflichen Entscheidung näherrückte, erklärte das vereinigte Komitee abermals, die Juden seien eine religiöse Gemeinschaft und nicht mehr; sie besäßen keinen Anspruch auf eine „nationale Heimstatt“, und die Juden Palästinas brauchten nicht mehr als „die Sicherstellung ihrer religiösen und bürgerlichen Freiheit, vernünftige Möglichkeiten für Einwanderung und dergleichen“.

Solche Erklärungen gingen den bedrängten Goyim, die sich um Chaim Weizmann geschart hatten, inzwischen gründlich gegen den Strich. In The Times bekundete Wickham Steed seine „tiefe Verärgerung“, nachdem er „eine gute Stunde lang“ mit Dr. Weizmann diskutiert hatte, der „ein großartiges Plädoyer für die zionistische Sache“ gehalten habe.

In den USA beobachteten Brandeis und Wise das Verhalten der dortigen Juden mit nicht minder großem Argwohn. Der (aus Ungarn stammende) Rabbiner Wise fragte Präsident Wilson: „Was werden Sie tun, wenn ihre Proteste Sie erreichen?“ Einen Augenblick lang herrschte Stille. Dann wies der Präsident auf einen großen Papierkorb hinter seinem Schreibtisch und fragte: „Ist dieser Korb denn nicht groß genug für all ihre Proteste?“

In England war Weizmann wütend über die „ausschließlich von jüdischer Seite kommende Einmischung von außen“. Inzwischen kam er sich bereits so vor wie ein Mitglied der Regierung, vielleicht das wichtigste von allen, und angesichts der Macht, die er ausübte, lag er mit diesem Gefühl gar nicht so schief. Er begnügte sich nicht damit, die Einwände britischer Juden als „Einmischung von außen“ vom Tisch zu wischen, sondern diktierte dem Kabinett, welche Fragen es zu erörtern hatte, und verlangte sogar, an Kabinettssitzungen teilnehmen zu dürfen, um einem jüdischen Minister die Leviten lesen zu können! Er forderte von Lloyd George, die Frage „für den 4. Oktober auf die Agenda des Kriegsministeriums zu setzen“, und verwahrte sich am 3. Oktober in einem Brief an das britische Außenministerium gegen die Einwände, die „ein prominenter Engländer jüdischen Glaubens“ bei der auf den folgenden Tag anberaumten Sitzung vermutlich vorbringen werde.

Dieser „prominente Engländer jüdischen Glaubens“ war der Minister Edwin Montagu. Weizmanns verlangte also implizit, Montagus Kabinettskollegen sollten diesem kein Gehör schenken; wenn sie ihm aber doch Gehör schenken sollten, müsse er, Dr. Weizmann, zur Teilnahme an der Sitzung eingeladen werden, um Montagu zu antworten! Tatsächlich erschien Weizmann am Tag der Sitzung im Büro des Sekretärs des Premierministers, Philip Kerr (auch er ein „Freund“ der zionistischen Sache), und ersuchte darum, dort bleiben zu dürfen – für den Fall, dass das Kabinett beschließe, „mir einige Fragen zu stellen, ehe es über die Angelegenheit entscheidet“. Dieses Ansinnen ging Kerr jedoch zu weit, und er belehrte seinen Gast: „Seitdem die britische Regierung eine Regierung ist, hat sie nie eine Privatperson zu einer ihrer Sitzungen zugelassen.“ Somit blieb Weizmann nichts anderes übrig, als das Büro zu verlassen.

Doch nun schaltete sich Lloyd George ein. Nachdem Edwin Montagu seine Argumente dargelegt hatte, ließen Lloyd George und Balfour den Zionistenführer, der eben erst gegangen war, zurückrufen und baten ihn ins Kabinett. Gegen den zähen Widerstand der Goyim, die geschlossen gegen ihn Front machten, gelang es Montagu, einige geringfügige Veränderungen des Entwurfs zu erreichen. Erbost über die Abstriche, die er hatte machen müssen, rügte Weizmann den Kabinettssekretär Kerr später: „Das Kabinett und sogar Sie selbst messen der Ansicht des sogenannten ‚britischen Judentums' viel zu große Bedeutung bei.“

Zwei Tage später, am 9. Oktober, teilte Weizmann Richter Brandeis in einem triumphierend formulierten Telegramm mit, die britische Regierung habe sich formell verpflichtet, „eine nationale Heimstatt für die jüdische Rasse“ in Palästina zu schaffen.

Zwischen dem 9. Oktober und dem 2. November, dem Tag ihrer Veröffentlichung, widerfuhren der Resolution allerlei aufschlussreiche Abenteuer. Sie wurde nach Amerika gesandt, wo Brandeis, Jacob de Haas und Rabbiner Wise sie nochmals überarbeiteten, ehe sie Präsident Wilson „zur endgültigen Billigung“ vorgelegt wurde. Wilson schickte das Dokument einfach an Brandeis zurück; dieser überreichte es Wise, der es „an Oberst House weitergab, mit dem Auftrag, es dem britischen Kabinett zuzustellen“.

So wurde eine der verhängnisvollsten Entscheidungen vorbereitet, die je eine britische Regierung getroffen hat. Der von Wilson formell abgesegnete Text, den Balfour in einem Brief an Lord Rotschild wiedergab, wurde zur „Balfour-Deklaration“. Wie viele andere führende jüdische Familien war auch die Sippe der Rothschilds in der Frage des Zionismus gespalten. Dass Balfour den Text der nach ihm benannten Erklärung einem prozionistischen Angehörigen dieser Familie zustellte, verfolgte natürlich den Zweck, das westliche Judentum zu beeindrucken und die Aufmerksamkeit von der ostjüdischen Herkunft des Zionismus abzulenken. Der eigentliche Adressat war Weizmann, der inzwischen im Vorzimmer des Kriegskabinetts ein- und ausging. „Dr. Weizmann, es ist ein Junge“, sagte Sir Mark Symes zu dem Zionistenführer, als er ihm das Dokument überreichte.

Niemand hat je den Versuch unternommen, eine rationale Erklärung für dieses Verhalten führender westlicher Politiker zu liefern, die sich für eine fremde Sache einspannen ließen. Da die ganze Aktion bis zu diesem Zeitpunkt streng geheim verlief, gibt es hierzu keine Dokumente, die eine solche Erklärung ermöglichen würden. Für eine gute Sache braucht es keine Verschwörung, und dass das Unternehmen unter strengster Geheimhaltung ablief, ist allein schon ein Hinweis darauf, dass ihm unlautere Motive zugrunde lagen. Wenn sich einer der daran beteiligten Männer je öffentlich zu seinen Beweggründen äußerte, dann gewöhnlich in Form einer vagen Beschwörung des Alten Testaments. Dies wirkte reichlich scheinheilig und verfolgte wohl nur das Ziel, Gegner einzuschüchtern. Wie Rabbiner Wise ironisch vermerkte, versprach Lloyd George zionistischen Besuchern mit Vorliebe: „Ihr sollt Palästina von Dan bis Beersheba haben.“ Hierdurch spielte sich der Premierminister als Werkzeug des göttlichen Willens auf. Einmal bat er Sir Charles und Lady Henry, besorgte jüdische Parlamentsabgeordnete zu einem Frühstück einzuladen, „damit ich sie von der Richtigkeit meiner zionistischen Position überzeugen kann“. Gesagt, getan: Im Frühstücksraum des britischen Premierministers wurde ein minyan (jüdische Bezeichnung für ein aus zehn Personen bestehendes religiöses Forum) einberufen, worauf Lloyd George seinen Gästen eine Reihe von Stellen aus der Bibel vorlas, die seiner Interpretation nach die Ansiedlung von Juden in Palästina im Jahre 1917 geboten. „Meine Herren, jetzt wissen Sie, was Ihre Bibel sagt, und damit ist die Sache erledigt“, schloss er seine Ausführungen.

Bei anderen Anlässen lieferte Lloyd George abweichende und einander widersprechende Erklärungen für sein Tun. Gegenüber der königlichen Palästina-Kommission ließ er 1937 verlautbaren, er habe sich vom Wunsch leiten lassen, „die Unterstützung des amerikanischen Judentums zu gewinnen“, und die zionistischen Führer hätte ihm fest versprochen, wenn die Allierten sich verpflichteten, die Schaffung einer nationalen Heimstatt für die Juden in Palästina zu unterstützen, würden sie „ihr Bestes tun, um alle Juden der Welt zur Unterstützung der alliierten Sache zu bewegen“.

Dies war eine unverfrorene Geschichtsklitterung.

Als sich Balfour nach Amerika begab, um gemeinsam mit seinen dortigen Gesprächspartnern über den endgültigen Wortlaut der nach ihm benannten Erklärung zu entscheiden, waren die USA bereits in den Krieg eingetreten. Balfours Biographin Blanche Dugdale bestreitet ausdrücklich, dass ein solcher Kuhhandel damals stattgefunden hat. Rabbiner Elmer Berger schreibt, die angeblichen Versprechungen der zionisischen Führer, die britischen und amerikanischen Juden würden als Gegenleistung für die Gründung eines zionistischen Staates die Kriegsanstrengungen ihrer Länder unterstützen, hätten in ihm „unbezähmbare Empörung“ wachgerufen: „Für mich, meine Familie, meine jüdischen Freunde, die durchwegs ganz gewöhnliche Juden sind... stellte diese Behauptung eine der obszönsten Verleumdungen der ganzen Geschichte dar. Nur ein gefühlloser und zynischer Mensch konnte unterstellen, dass die Juden in den alliierten Nationen damals nicht bereits ihr Bestes taten, um die Kriegsanstrengungen ihrer Länder zu unterstützen.“

Lloyd Georges dritte Erklärung seines Handelns – „Das Azeton hat mich zum Zionismus bekehrt“ – ist die bekannteste. Laut dieser Version erkundigte sich Lloyd George bei Weizmann, welche Belohnung dieser für eine während des Krieges von ihm gemachte nützliche chemische Entdeckung verlange (damals arbeitete Weizmann als Chemiker für die britische Regierung und konnte sich nur in seinen Mußestunden der Sache des Zionismus widmen). „Ich will nichts für mich selbst, aber alles für mein Volk“, soll Weizmann geantwortet haben, worauf Lloyd George dem Vernehmen nach beschloss, ihm Palästina zu geben. Freilich hat Weizmann diese Version selbst bespöttelt: „Die Geschichte handelt nicht mit Aladinschen Wunderlampen. Lloyd George hatte sich schon lange vor seiner Ernennung zum Premierminister für eine jüdische Heimstatt eingesetzt.“ Übrigens entspricht es britischer Praxis, Erfinder für wertvolle Dienste mit materiellen Zuwendungen zu belohnen, und Dr. Weizmann, der angeblich „nichts für sich selbst“ wollte, bekam für seine Erfindung eine Prämie in Höhe von 10.000 Pfund.

In Anbetracht dieser nackten Fakten drängt sich folgender Schluss auf: Hätte Lloyd George eine ehrliche Erklärung für sein Vorgehen liefern können, so hätte er dies sicherlich getan. Seit den Jahren 1916 und 1917 lässt sich sowohl in England als auch in den USA ein Niedergang des parlamentarisch-demokratischen Systems beobachten. Wenn eine Handvoll Männer hinter den Kulissen über wichtige Entscheidungen der amerikanischen Politik sowie über große Operationen der britischen Heere entscheiden konnten, waren Ausdrücke wie „Wahlen“ und „Verantwortung der Politiker gegenüber ihren Wählern“ offensichtlich zu leeren Worthülsen geworden. Nachdem die führenden amerikanischen und britischen Politiker die verborgene, mächtige Autorität der Zionisten anerkannt hatten, begannen die Unterschiede zwischen den Parteien in beiden Ländern zu verschwimmen, und das amerikanische sowie das britische Volk hatten keine echte Wahl mehr. Heutzutage ist dieser Zustand allgemein verbreitet und jedem Einsichtigen bekannt. Die Führer aller Parteien verpflichten sich vor Wahlen zu immerwährendem Gehorsam gegenüber dem Zionismus; wen das Volk zum Präsidenten oder zum Premierminister kürt, oder welcher Partei es den Vorzug gibt, macht keinen wirklichen Unterschied mehr.

Somit geriet die amerikanische Republik im November 1917 wie vor ihr Großbritannien unter die Kontrolle des Zionismus, der sich im Folgenden als zerstörerische Kraft erwies. Allerdings darf man nicht übersehen, dass der Zionismus seinerseits lediglich eine Erscheinungsform des „zerstörerischen Prinzips“ an sich ist. Wie sich der Leser erinnern wird, war die Masse der russischen Juden zu Dr. Weizmanns Jugendzeit unter der Regie ihrer talmudistischen Führer durchwegs revolutionär gesinnt und lediglich in revolutionäre Zionisten und revolutionäre Kommunisten gespalten.

In derselben Woche, in der die Balfour-Deklaration verabschiedet wurde, erreichte die zweite jüdische Gruppierung in Russland, die kommunistische, ihr Ziel – die Zerstörung des russischen Nationalstaats – ebenfalls. Die westlichen Politiker hatten also ein Ungeheuer mit zwei Köpfen hochgepäppelt. Der eine Kopf war die Macht des Zionismus in den Hauptstädten des Westens, der andere die Macht des Kommunismus, der vom geknechteten Russland aus seine Fangarme ausstreckte. Seine Unterwürfigkeit gegenüber dem Zionismus schwächte die Fähigkeit des Westens, sich gegen die Weltrevolution zu wehren, denn der Zionismus arbeitete darauf hin, die westlichen Regierungen in seinem Würgegriff gefangen zu halten und zu verhindern, dass sie eine Politik im Interesse ihrer eigenen Nationen betrieben: Wer gegen die Weltrevolution Stellung bezog, wurde regelmäßig als „Antisemit“ beschimpft.

Regierungen, die insgeheim in einem Punkt kapituliert haben, können in anderen Punkten nicht entschlossen auftreten, und der Mangel an Entschlusskraft, den London und Washington in den vier folgenden Jahrzehnten bei der Auseinandersetzung mit der Weltrevolution an den Tag legten, war eine offensichliche Folge des Sündenfalls, den sie zwischen 1914 und 1917 begangen hatten, als sie sich in das transatlantische „Netz der Intrigen“ einspannen ließen.

Seit 1917 lautet die Frage, auf welche die restlichen Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts eine Antwort erteilten müssen, ob der Westen noch die Kraft aufbringen wird, seine Ketten zu sprengen oder seine Politiker aus der zweifachen Knechtschaft zu befreien, in der sie sich befinden. Bei der Lektüre der folgenden Kapitel tut der Leser gut daran, in Erinnerung zu behalten, wozu sich britische und amerikanische Politiker während des Ersten Weltkriegs verleiten ließen.


14. Als Lord Sydenham von der „tödlichen Präzision“ der in den Protokollen der Weisen von Zion gemachten Voraussagen schrieb, mag er insbesondere an folgende Passage gedacht haben: „Wir werden dem Präsidenten das Recht verleihen, den Kriegszustand auszurufen. Dieses Recht werden wir damit begründen, dass der Präsident als Chef der gesamten Armee des Landes im Bedarfsfall über sie verfügen können muss.“ Dies wurde in unserem Jahrhundert zur gängigen Praxis. 1950 schickte Präsident Truman amerikanische Truppen nach Korea, um „der kommunistischen Aggression entgegenzutreten“, ohne den Kongress zuvor um seine Einwilligung zu ersuchen. Später wurde der Konflikt dann zum Krieg der „Vereinten Nationen“ erklärt, und siebzehn weitere Staaten entsandten Truppen nach Korea, wo sie unter dem Oberbefehl des amerikanischen Generals MacArthur kämpften. Es war dies das erste Experiment mit einem Krieg unter der Regie einer „Weltregierung“, was Senator Taft 1952 zu folgender Frage bewog: „Wie ernst ist es uns mit unserer antikommunistischen Politik?“ Mac Arthur wurde seines Amtes enthoben, nachdem er gegen einen Befehl protestiert hatte, der es amerikanischen Piloten untersagte, chinesische Flugzeuge auf chinesisches Territorium zu verfolgen. 1953 wurde der Krieg auf Präsident Eisenhowers Geheiß abgebrochen, und halb Korea blieb in der Hand des „Aggressors“. MacArthur und andere hohe US-Offiziere behaupteten später, der erwähnte Befehl sei dem Feind von einem „Spionagering“ zugespielt worden, der MacArthurs Geheimberichte nach Washington „entwendet“ habe (Life, 7. Februar 1956). Dieser Sachvehalt wurde von dem chinesischen Oberbefehlshaber bestätigt (New York Daily News, 13. Februar 1956). Im Juni 1951 waren zwei Funktionäre des britischen Außenministeriums, Burgess und MacLean, verschwunden; nachdem das Außenministerium vier Jahre lang jegliche Stellungnahme verweigert hatte, gab es im September 1955 zu, dass sich die beiden – wie allgemein vermutet – in Moskau befanden und „während eines langen Zeitraums für die Sowjetunion spioniert hatten“, was MacArthur Anlass zur Behauptung bot, Burgess und MacLean seien es gewesen, die den kommunistischen „Aggressor“ über das Verbot informiert hätten, chinesische Flugzeuge über die Grenzen Chinas hinaus zu verfolgen (Life, siehe oben). Am 4. April 1956 wurde Eisenhower anlässlich einer seiner regelmäßig durchgeführten Pressekonferenzen von einem Reporter gefragt, ob er ein kurz zuvor in den Mittelmeerraum entsandtes Marinebattallion zur Eröffnung kriegerischer Handlungen ermächtigen werde, ohne den Kongress vorher um seine Zustimmung zu bitten (damals schien ein Krieg im Nahen Osten durchaus möglich). Eisenhower entgegnete verärgert: „Ich habe immer wieder betont, dass ich keinerlei Aktion unternehmen werde, die als Krieg interpretiert werden kann, ohne dass der Kongress, dem dieses Recht laut unserer Verfassung zusteht, ein solches Vorgehen billigt.“ Doch am 3. Januar, kurz nach seiner Wiederwahl, stellte er dem Kongress den Entwurf einer Resolution zu, die ihm das uneingeschränkte Recht verlieh, „zwecks Abschreckung einer kommunistischen Aggression“ im Nahen Osten militärische Schritte zu ergreifen. (Zurück)


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