Humor, Sex und Kohle

Meine letzte, etwas anders geartete Kolumne, in der ich “Herrn Jacks” Leserbrief kommentierte, hat hoffentlich dazu beigetragen, auch anderen Lesern meine Beweggründe und vor allem den weiteren Sinn des Begriffes “Satire” verständlich zu machen. Allerdings hat mich unser immer aufgeweckter Redakteur Roy hinsichtlich eines von mir begangenen “unverzeihlichen Fehlers” auch kräftig gescholten. Ich bezeichnetete den TIP nämlich als “Zeitung für Deutsche”. Ich darf (will! muss!) mich dafür entschuldigen und gebe Roy uneingeschränkt recht, dass unser Nobelblatt selbstverständlich für “DeutschSPRACHIGE” konzipiert ist. In trauter Zuversicht, dass ich mit dieser Klarstellung ein potentiell heranziehendes Donnerwetter aus dem einen oder anderen deutschsprachigen Lager noch einmal abwenden konnte, geht es nunmehr in die Kolumne.

Weil wir gerade so schön bei der Sache sind, wollen wir doch gleich mal über die Deutschen herziehen. Es wird uns nämlich nachgesagt, dass wir keinen Humor hätten, oder zumindest einen für Aussenstehende nur schwer nachvollziehbaren. Wir könnten uns wirklich eine Scheibe von unseren österreichischen und schweizerischen Sprachverwandten abschneiden, heisst es da oft. Kürzlich wurde ich jedoch eines besseren belehrt. Ein Bekannter machte mich auf die Internetseite www.rentagerman.de aufmerksam, die offensichtlich von einem Deutschen betrieben wird. Wie die URL bereits andeutet, geht es auf der Seite darum, sich einen oder mehrere Deutsche zu mieten. Die Seite erklärt uns, dass Deutsche im allgemeinen aufgrund ihrer Geradlinigkeit, ihrer Fleissigkeit und ihres Fachkönnens ein recht hohes Ansehen in der Welt geniessen. Die Seite schlachtet denn auch dieses Ansehen in bester Satire aus, indem sie interessierten Parteien anbietet, sich für jede passende und unpassende Gelegenheit einen waschechten Deutschen anzumieten. Dies natürlich unter der Ankündigung, dass der Interessent eine erkleckliche Gebühr zu entrichten hat und zudem noch für die Reisespesen des Mietdeutschen verantwortlich ist. Zur Auswahl stehen in der Tat eine ganze Reihe von hundertprozentig echten Landeskindern, die sich auf der Seite bereits mit Foto und persönlichen Angaben registriert haben. Die Seite lockt mit Schlagworten wie: “Stellen Sie sich vor, welche Anerkennung Sie bei Ihrem nächsten Geschäftsessen ernten, wenn Sie mit einem originalen Deutschen aufkreuzen!” Klar, die Seite ist eine Eulenspiegelei; allerdings eine rundum gelungene. Wenn Sie mitspielen wollen, geneigter Leser, registrieren Sie sich doch auch und beweisen Sie, dass Sie sich dem Stereotyp des “humorlosen Deutschen” nicht zugehörig fühlen.

Als etwas humorlos – oder wollen wir besser sagen, als Spielverderberin – entpuppte sich vor kurzem Senatorin Rabiatrat Pongpanit. Sie forderte ein unverzügliches Ende der monatlichen “Vollmond-Parties” auf Koh Phang Ngan, da jene vor “Sex und Drogen” nur so strotzen würden. Angeklagt wurden natürlich wieder einmal die ach so unmoralischen Ausländer, die sich dort zum ausgelassenen Ringelpiez treffen. Bei den Betreibern lokaler Bars und Restaurants traf das Ansinnen auf wenig Verständnis. Selbst Chanchote Piriyasathit, Vorsitzender der Phang Ngan Tourismusvereinigung, gab zu, dass “nur sehr wenige ausländische Touristen ausschliesslich wegen Sex und Drogen kommen.” In meisterhaftem Sarkasmus fuhr er fort: “Mehrere VIPs, viele von ihnen weitaus bedeutender als Senatorin Rabiatrat, haben die Parties in der Vergangenheit besucht, sich aber niemals negativ geäussert.” Tatsache ist, dass die seit 25 Jahren bestehenden Parties weiterhin wie gewohnt durchgeführt werden. Natürlich unter den wachsamen Augen speziell abkommandierter Touristenpolizei.

Dabei soll Sex an sich ja eigentlich gar nicht so schlecht sein. Das behauptet zumindest Dr. Maiyathas Samsen, Chefin des Bangkoker Instituts für Neurologie. Sex, Denkaufgaben und regelmässiges Joggen verringerten das Risiko, im Alter Senilität oder andere degenerative Gehirnkonditionen zu entwickeln. Also, geneigter Leser, nach der nächsten Bettenschlacht sofort ein Kreuzworträtsel lösen und sodann drei Mal um den Lumpini-Park sprinten. Auf diese Weise bleiben Sie als Rentner geistig voll auf der Matte und lassen sich bei ihren regelmässigen Barbesuchen nicht so leicht übervorteilen.

Wir wissen ja alle, dass es in unserer geliebten Stadt der Engel einige Schlingelschuppen gibt, wo man uns beim Bezahlen der Rechnung gelegentlich kräftig übers Ohr zu hauen scheint. In letzter Zeit habe ich dabei mehrmals Klagen über die nach namhaften Malern benannten Hostessenbars in der Sukhumvit Soi 33 vernommen. Jene zählen zwar sowieso bereits zu den teuersten Rotlichtetablissements der Stadt, was die bucklige Belegschaft aber angeblich nicht davon abhält, sich bisweilen noch ein extra Trinkgeld zu verdienen. Ein kürzlicher Fall betraf die “Goya Bar”. Das sich noch keinesfalls im Rentenalter befindliche Opfer behauptete, man hätte ihm dort “für drei Biere und zwei Lady-Drinks eine Rechnung über 9'000 Baht” an den Latz geknallt. In der “Monet Bar” scheint die Belegschaft verdächtig oft Probleme mit dem korrekten Wechselgeld zu haben wenn man nicht aufpasst. Von der “Van Gogh Bar” wurde ähnliches berichtet. Die beste Vorsorge scheint es zu sein, wenn man jedes Getränk sofort nach Erhalt einzeln bezahlt und erst ganz zum Schluss ein paar Baht als Trinkgeld liegen lässt. Zumindest darf man aber zugeben, dass die raffinierten Hostessen in Soi 33 unter Vorbehalt individuellen Geschmacks zu den ansehnlichsten und bestgekleideten Bangkoks zählen.

Möglicherweise ist das auch nur ein Mythos wie jener, der mir von einem australischen Englischlehrer zugetragen wurde. Er erläuterte mir mit verklärten Augen, wie man freischaffende Künstlerinnen im Areal MBK/Siam Square erkennt. Jene würden ausnahmslos rote Handtaschen tragen und wären allesamt zu Verhandlungen bereit. Ganz von der Hand weisen möchte ich seine Behauptung nicht, denn in meinen langen Jahren in Thailand habe ich eine Mehrzahl der ansässigen Englischlehrer als ausgesprochen “geile Knochen” kennengelernt, wenn Sie mir den Ausdruck bitte nachsehen. Falls Sie der Sache auf den Grund gehen wollen, geneigter Leser, beschweren Sie sich bitte nicht bei mir wenn Ihnen die Maid bei unzüchtiger Annäherung kurzum die rote Handtasche über den Schädel zieht.

Wobei man sich sicherlich “unzüchtigeren Sex” als mit einer rot-behandtaschten und gar willigen Maid vorstellen könnte. Ein Bericht in der “Bangkok Post” liess uns kürzlich wissen, dass “Bestialismus” – also Sex mit Tieren – in Schweden (wo sonst?!) in den letzten Jahren zu einem wachsenden Problem geworden wäre. Pferde (!) wären hierbei die am weitaus meisten missbrauchten Kreaturen, obgleich man in Anbetracht der geografischen Lokalität eher auf Rentiere getippt hätte. Die schwedische Tierschutzvereinigung veröffentlichte einen Report wonach seit den 70ern exakt 161 Pferde im Lande quasi vergewaltigt worden wären. Der Report wurde von der schwedischen Regierung in Auftrag gegeben, die sich anscheinend besorgt gibt. Dazu muss man wissen, dass in Schweden “Bestialismus” seit 1944 keine Straftat mehr darstellt. Nun, irgendwie muss man sich die bis zu sechs Monate andauernden Nächte im Polarkreis eben um die Ohen schlagen. Es wurde aus dem “Bangkok Post”-Bericht nicht bekannt, wie viele Bären und Wölfe sich unter den Opfern befanden.

Fanden Sie das ekelhaft? Ich auch. Aber wie wäre es mit diesem: Mein teurer Kolumnistenkollege Stickman (www.stickmanbangkok.com) bescheinigt, er hätte neulich in der “Cowboy One Go-Go” (Soi Cowboy) ein äusserst angeregtes Telefongespräch belauscht. Eine der dortigen Maiden unterhielt sich mit ihrem Boyfriend während sie im Bikini auf der Bühne unter den abwesenden Blicken kreuzworträtselnder Männer in Jogginganzügen tanzte. Fast zehn geschlagene Minuten lang erklärte sie ihrem Liebsten, dass sie nicht mehr in der Bar arbeiten würde. Die laute Musik im Hintergrund käme lediglich dadurch zustande, dass sie sich mit einigen Freundinnen gegenwätig in einem Karaokeschuppen vergnüge. Man fragt sich mit Recht woher der Boyfriend stammte, der sich diesen Bären aufbinden liess. Womöglich schickte er ihr gleich am nächsten Tag 10.'000 Baht zur Begleichung der Rechnung in der luftschlossmässigen Karaoke-Bar.

Keineswegs möchte ich damit andeuten, dass alle rosarot-bebrillten Liebeskasper (danke für diesen Ausdruck, Roy!) gehirnlose Geldautomaten wären. Kollege Stickman versorgte mich nämlich auch mit einem Leserbrief an seine Internetseite, der mir die Augen öffnete. Ein Amerikaner versorgte seine Barmaid drei Jahre lang mit 20'000 Baht monatlich. Diese Summe durfte von ihr mittels der zur Verfügung gestellten ATM-Karte vom US-Konto abgehoben werden. Selbstredend stellten sich von Zeit zu Zeit “Notfälle” ein, z. B. wenn das Girl zum wiederholten Mal ihr Handy verlor und deshalb “etwas mehr” abheben musste. Letztendlich siedelte der Amerikaner nach Thailand über und kürzte das monatliche “Gehalt” der Angeheuerten…. Verzeihung! …. Angehimmelten auf “nur” 15'000 Baht. Schiesslich wohnte sie mit ihm zusammen und er befand sein Vorgehen dementprechend angemessen. Sie nicht. Der Amerikaner beschrieb ihre Reaktion auf die Gehaltskürzung als “mindere Revolution”. Allerdings wurde er in der Zwischenzeit auch auf ihre “katastrophale Verschwendungssucht” aufmerksam. Angeblich besitzt die Maid über 20 Paar Markenjeans, mehr Schuhe als Imelda Marcos, und Goldschmuck, der Tut Ankh Amuns Totenschatz in den Schatten stellen würde. Dementsprechend zog der Leserbriefschreiber in Erwägung, die Diäten der nunmehro nicht mehr so Angehimmelten auf magere 10'000 Baht herunterzuschrauben. Er fragte bei Kollege Stickman an, ob sie ihn aufgrund dessen womöglich als “Geizhals” ansehen würde. Die Frage war natürlich rhetorisch. In stilvoller Manier treibt es der anscheinend etwas Minderbemittelte sogar noch weiter. Er plant, sich in Korat, der Heimatprovinz der so unsäglich Übervorteilten, ein Haus zu bauen. Das Landdokument läuft auf ihren Namen. Er ersucht um den Rat von Kollege Stickman, ob er dann den Salär der (noch) Treuherzigen auf “vielleicht 5'000 Baht monatlich” dezimieren könne. Immerhin bezahle er ja für alles andere. Stickmanns Antwort? “Du Idiot!”

Solange aber die “Vollmond-Parties” weiterhin wie gewohnt ablaufen ist mir das alles sowieso schnurzpiepsegal.


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