Das »Unwort« und weitere Anekdoten

In den letzten beiden TIP-Ausgaben wütete die Debatte (hauptsächlich zwischen Kollege Ruffert und unserem resoluten Chefredakteur Roy) ob es legitim und angemessen ist, wenn wir den geliebten Premierminister gelegentlich als »Führer« titulieren. Kollege Kawi brachte dazu gar eine lange, gut argumentierte und recherchierte Kolumne, die allerdings grossteils auch seine eigene, persönliche Meinung dokumentierte, so wie das eben die Natur einer Kolumne ist. Da ich mich selbst des öfteren des Edelprädikats »Führer« bediene, wenn ich über Herrn Thaksin schreibe, möchte ich an dieser Stelle noch meinen eigenen Senf beisteuern. Kollege Kawi meinte, wer das »Unwort« in den Mund nimmt, es niederschreibt und es – Schockschwerenot! – womöglich als Umschreibung für Thailands Ministerpräsidenten verwendet, mache sich nicht nur lediglich persönlicher Beleidigung schuldig sondern würde damit zudem beweisen, dass er das nationalsozialistische Kapitel deutscher Geschichte nicht bewältigt habe. Immerhin hinterliesse die Bezeichnung »Führer« einen bitteren Nachgeschmack bei vielen Deutschen. Ich bin indes exakt gegensätzlicher Meinung. Wem es schwerfällt, das »Unwort« über die Lippen zu bringen, hat seine Geschichte nicht verarbeitet und leidet unter dem sogenannten »Erbschuldsymptom«. Nach über 60 Jahren sollte es den jüngeren Generationen der Deutschen durchaus möglich sein, ohne unangenehme Schuldgefühle über die Vergangenheit zu reden. Nur offene Diskussion im Rahmen eines gesunden Demokratieverständnisses verhilft dazu, Vergangenes gebührend zu analysieren und damit dazu beizutragen, dass sich solch ein tragisches Kapitel nie mehr wiederholt.

Das erinnert mich an den kürzlichen Besuch meines alten Schulfreundes Ralf, den ich an unserem sonntäglichen Stammtisch einführte, der überwiegend aus Engländern, Australiern und Amerikanern besteht. Irgendwann kam das Thema »Nationalsozialismus« auf, das sodann offenherzig diskutiert wurde. Ich bemerkte, dass Ralf die Unterhaltung unangenehm war, obschon niemand in der Runde einen beschuldigenden Finger auf Ralf oder mich zeigte. Auch den anderen am Tisch fiel Ralfs Verhalten auf. Ralf gestand: »Zuhause in meinem Freundeskreis würde dieses Thema nie auf den Tisch kommen«. Die Antwort, die er erhielt, war augenöffnend: »Das sollte es aber. Speziell Deutsche sollten dazu fähig sein, darüber offen und sachlich zu reden«. Ralf stimmte dem zwar zu, befand aber gleichzeitig, dass »Nationalsozialismus halt noch immer ein Tabu« wäre, vor allem unter Deutschen.

Lange Rede, kurzer Sinn. Herr Thaksin Shinawatra ist nicht nur der »Führer« der Thai-Rak-Thai-Partei, sondern sieht sich auch als »Führer« des Landes. Wenn ich ihn also bisweilen als »Führer« bezeichne, so beherbergt das sicherlich eine unterschwellige Anspielung auf unseren eigenen Adolf; und das nicht gänzlich unbeabsichtigt, wohlgemerkt. Wer sich unter den geneigten Lesern diesen Schuh aber nicht anziehen möchte, oder wem das »Unwort« an sich unangenehm ist, ersetze es bitte durch das englische Wort »leader«. Das bedeutet nichts anderes als »Führer«, scheint aber bei vielen Lesern weniger anrüchige Assoziationen hervorzurufen. »Leader« ist übrigens auch das Wort, das regelmässig in der thailändischen Presse als Bezeichnung für Herrn Thaksin verwendet wird. Und damit habe ich wohl auch alles zu diesem Thema gesagt.

Hitler als Prince Harry

Huu banknote

Doch weil wir gerade so schön bei der Sache sind: Der Spiegel berichtete kürzlich, die deutsche Post hätte eine Postkarte an Adolf Hitler an den Bundestag geliefert. Die Karte wurde vor über 60 Jahren in Grossbritannien abgeschickt und war wie folgt adressiert: »To Fuehrer Adolf Hitler, Reichstag, Berlin, Germany«. Es wurde nicht bekannt welche Nachricht die Karte enthielt, aber ein Sprecher der deutschen Bundespost liess verlauten: »Solange eine Adresse existiert, wird der entsprechende Brief oder - in diesem Fall - die Karte auch ausgeliefert. Das ist unabhängig davon, ob der Adressat noch am Leben ist oder nicht«. Gemäss Spiegel fanden einige Bundestagsabgeordnete diesen Standpunkt der Post »geschmacklos«. So sind wir Deutschen aber halt; immer korrekt.

Haben Sie schon einmal ihr Handy verloren, geneigter Leser? Im Taxi, in der Bar, oder vielleicht wurde es ihnen von der Herzdame gandenlos entwendet bevor sie das Weite suchte? Sie können zwar ihre Sim-Karte sperren lassen, aber das hindert den Entwender oder Finder nicht daran, sich eine neue Sim-Karte zu kaufen und das teure Handy mit der eingebauten Kamera und all diesen anderen, fantasievollen Spezialfunktionen weiter ungehindert zu benutzen. Das muss aber nicht sein. Man kann den entsprechenden Herrschaften einen gehörigen Strich durch die Rechnung machen. Jedes Handy, unabhängig von der Marke, kommt mit einer individuellen Seriennummer. Um diese abzurufen, pressen Sie die folgende Kombination: »*#06#«. Die Seriennummer erscheint in Ihrem Display. Schreiben Sie diese nieder. Wenn Ihnen das Handy abhanden kommt, rufen Sie Ihre Telefongesellschaft an und lassen Sie diese Seriennummer sperren. Die Folge dieser Tat ist offensichtlich. Wer immer im Besitz Ihres Handys ist, kann nun so viele Sim-Karten ausprobieren wie er möchte. Das Handy funktioniert einfach nicht mehr. Ein wertloses Stück Schrott.

Eine klevere Marketingidee erreichte mich von Bangkok’s exklusivem Restaurant und Klub »Hu’u«, dem bevorzugten »Hangout« von Fotomodellen und deren Hofstaat. In dem winzig kleinen Umschlag befand sich eine Art Banknote, die sehr stark an einen US$-Schein erinnert (siehe Foto) und den Besitzer zu einem Preisnachlass von 100 Baht berechtigt. Keine fürstliche Summe, wenn man bedenkt, dass die Preise in »Hu’u« für Otto Normalverbraucher relativ unerschwinglich sind. Zumindest fand ich das eine witzige Idee, glaube aber nicht, dass ich das »Falschgeld« in nächster Zukunft verwenden werde.

Etwas anzüglicher (oder auszüglicher) gab sich ein Flugblatt, das mir bei einem Bummel in der Sukhumvit Soi 33 in die Hand gedrückt wurde. Ausgeteilt von der Afrikathematischen “Livingstone’s Lodge” in derselben Soi, pries das Flugblatt eine bevorstehende “Swimming Pool Party” an. Potentielle Gäste wurden dazu ersucht, im Badeanzug oder in Badehose aufzukreuzen und im ausgedehnten Schwimmbecken des Etablissements in trauter Eintracht zu frohlocken. Als zusätzlicher Kundenfänger wurde eine “Shareball Competition” (frei übersetzt: “Verteile Deine Bälle-Wettbewerb”) angepriesen. Keine Ahnung welche Art “Bälle” hier angesprochen wurden. Ausserdem konnte man sich an einer “Girl Tennis in the Pool”-Veranstaltung ergötzen (siehe Foto). Bei diesem Gedanken lief mir zwar das Wasser im Mund zusammen, ich blieb der Party aber dennoch fern.

Livingstone Pool Party

Stattdessen begab ich mich auf eine private Party in der Soi Ruamrudee, die von der Ploenchit Road abzweigt. Diese regelmässigen Feiern sind inzwischen zum Markenzeichen der Soi geworden und werden von einer Hausgemeinschaft ausländischer Medienleute veranstaltet. Hinz und Kunz, die auch nur irgendwie mit der Industrie in Zusammenhang gebracht werden können, trifft in der Soi zusammen. Alkohol fliesst reichlich. An jenem Abend durfte ich die Bekanntschaft eines deutschen Mädchens mit dem leicht skandinavisch anmutenden Namen Inga machen. Wenn Sie mit Wagneropern vertraut sind, geneigter Leser, dann verstehen Sie sicher, was ich damit meine, wenn ich Inga als “Walküretyp” bezeichne. Gross, durchtrainiert und mit blonden Rattenschwänzen. Das einzige was fehlte, waren das wallende Gewand, der gehörnte Wikingerhelm und die unvermeidliche Lanze. Nachdem ihre Zunge durch den beständig fliessenden Alkohol gelockert war, vertraute Inga mir an, dass sie verheiratet wäre. Allerdings befände sich ihr teurer Gatte gegenwärtig auf Kurzurlaub mit der “Freundin” in Vietnam. Diese Bemerkung liess meine Augenbrauen in Erstaunen in die Höhe schnellen. Ob ihr das nichts ausmache, fragte ich sie. “Mitnichten”, entgegnete die Walküre, “der bringt sowieso keinen mehr hoch.” Na, wenn das nicht blindes Vertrauen in den Göttergatten war.

Dieses blinde Vertrauen können wir einem in Thailand ansässigen Amerikaner nicht nachsagen. Zumindest zeigte er ungewöhnliche Zivilcourage. Kollege Stickman (www.stickmanbangkok.com) berichtete den Fall. Der schon etwas über die Lenzjahre hinausgeschrittene Ami nahm sich ein Mädchen aus einer Bangkoker Bar mit nach Hause. Nachdem er mit seinem “Geschäft” getan war, verzog er sich in die Dusche. Wenige Minuten später hörte er, wie die Zimmertür ins Schloss fiel. Im Adamskostüm stürzte er aus dem Badezimmer. Ein schnelles Überprüfen der Effekten brachte zu Tage, dass seine wertvolle Spiegelreflexkamera verschwunden war. So war das Girl. Noch immer splitternackt sprintete er kurzerhand die Treppen hinab und hinaus auf die Strasse. Dort erblickte er die Dame in etwa 200 Metern Entfernung. Leider erblickte sie ihn auch und ging augenblicklich in Galopp über. Das beeindruckte unseren Ami wenig und er nahm Geschwindigkeit auf. Als er die Maid endlich zu fassen bekam, zerrte er sie zurück und lieferte sie an den Wachmann aus, welcher auch alsbald die verschwundene Kamera aus deren Rucksack sicherstellte. In unvergleichlicher Gutmütigkeit liess er es darauf bewenden und schickte die verschämt dreinblickende Dame ihres Weges. Hätten Sie genauso gehandelt, geneigter Leser, oder die Polizei gerufen?

Zu guter Letzt vielleicht noch ein Trick, der mir neulich zu Ohren kam, und der einigen Hausmädchen in Hotels anscheinend zu mehr als teuren Kameras verhilft. Sie wohnen in einem gediegenen Hotel und heute checken Sie aus. Während Sie Ihr Frühstück einnehmen, betritt das Hausmädchen ihr Zimmer, um aufzuräumen; in anderer Absicht als Sie annehmen. Das Mädchen säubert Ihr Zimmer. Gleichzeitig sucht sie sich ein besonders teures Stück aus Ihrem Gepäck aus, das sie achtsam in eine finstere Ecke des Wandschrankes plaziert. Sie kommen vom Frühstück zurück und packen ihre Habseligkeiten eiligst ein. Die Wahrscheinlichkeit ist gross, dass Ihnen das im Wandschrank versteckte Stück dabei entgeht. Falls nicht, reklamieren Sie an der Rezeption. Der Manager durchsucht Ihr Zimmer und entdeckt das vermisste Teil. Woraufhin Sie beschämt anerkennen, dass das ganze ein Missverständnis war. Falls nicht, machen Sie sich auf den Weg zum Flughafen. Währenddessen kommt das Hausmädchen auf Ihr ehemaliges Zimmer zurück und bringt das jeweilige Gut unter ihre eigenen Fittiche. Ein Trick, der so mancher Hotelmaid das magere Gehalt aufbessert. Und dennoch: Die weitaus meisten Hausmädchen sind vertrauenswürdig. Aber Sie wurden gewarnt!


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