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Der aktuelle Freitags-Kommentar der «Schweizerzeit» vom 14. November 2014

 

Den Gegnern der Gold-Initiative geht es um Machterhalt – und um viel Geld.

Goldene Nase

von Olivier Kessler, stv. Chefredaktor «Schweizerzeit»

Anstatt den Schweizer Franken wieder auf ein solides Fundament zu stellen, will sich das Anti-Gold-Kartell – bestehend aus Nationalbank, Classe politique, Wirtschaftsverbänden und Mainstream-Medien – eine goldene Nase verdienen. Sie setzen dabei auf Desinformation und riskieren nicht nur Arbeitsplätze und Altersvorsorge, sondern nehmen in Kauf, dass das ganze System an die Wand gefahren wird.


Symbolbild von Shutterstock

«Ohne Goldstandard gibt es keine Möglichkeit, Ersparnisse vor der Enteignung durch Inflation zu schützen. Dann gibt es kein sicheres Wertaufbewahrungsmittel (…) Die Finanzpolitik des Wohlfahrtsstaates macht es erforderlich, dass es für Vermögende keinen Weg gibt, sich zu schützen. Das ist das schäbige Geheimnis der Wohlfahrtsstaats-Tiraden gegen das Gold. Defizitfinanzierung ist schlichtweg eine Maßnahme zur ˂versteckten˃ Enteignung von Vermögen.»

Diese Worte stammen nicht etwa von einem Initianten der Gold-Initiative, sondern vom ehemaligen Präsidenten der US-Notenbank Fed, Alan Greenspan. Obwohl er bereits vor seinem Amtsantritt zu dieser Weisheit gelangte und auch nach seiner Amtsniederlegung wieder empfiehlt, Gold zu kaufen (so geschehen an einem Vortrag vor rund zwei Wochen vor dem Council on Foreign Relations), führte er im Amt des Zentralbank-Chefs diese Prinzipien ad absurdum. Wie kein zweiter stand er dort für die grenzenlose Ausweitung der Geldmenge und das Heruntermanipulieren der Zinsen.

Was Macht mit uns macht

Wie kommt es, dass amtierende Nationalbankpräsidenten ihre ganzen Überzeugungen über Bord werfen, sobald sie an die Macht gelangen? Ian Robertson, Professor für Psychologie am Trinity College in Dublin, ging der Frage auf den Grund, wie Macht unsere Persönlichkeit verändert. Er kam zum Schluss: «Macht macht uns egozentrischer und weniger geneigt, die Sichtweise anderer Menschen zu teilen. … Sehr wahrscheinlich wird dadurch auf lange Sicht die Fähigkeit ausgelöscht, die eigene Sichtweise zu abstrahieren – eine potenziell tödliche Schädigung, wie jeder Schachspieler bestätigen kann, der nicht gelernt hat, sich das Brett von der gegnerischen Seite aus vorzustellen.»

Zwangshafte Glücksspieler leiden unter dem Irrglauben, den Fall der Würfel kontrollieren zu können. Selbst geringe Macht verstärkt die Anfälligkeit auf diese Illusion, wie Nathanael Fast und Deborah Gruenfeld von der Stanford University gezeigt haben. So glauben Mächtige eher daran, Zufallsereignisse wie den Verlauf der Wirtschaft minutiös steuern zu können – z.B. durch Zentralbankeninterventionen. Braut sich dann eine Finanz- und Wirtschaftskrise über dem Land zusammen, versichern diese Vertreter jeweils, man habe diese Krise nicht vorhersehen können – obwohl die Warner vor gefährlicher Nationalbank-Politik jeweils kaum noch zu überhören waren und überzeugende Argumente für ihre Befürchtungen präsentierten.

Diese Unbeirrbarkeit und Faktenresistenz zieht sich durch fast alle Fronten der Mächtigen hindurch. Ob nun Medien, Politik, Wirtschaftsverbände oder Nationalbank: Überall ist der Aberglaube tief verankert, dass man die Mächtigen nur machen lassen müsse und es diese besser wüssten als das «ahnungslose Stimmvolk». Aus diesem Grund wird seit einigen Wochen eine absurde Diffamierungskampagne gegen die Gold-Befürworter geführt – im Wissen darum, dass Gold die heute grenzenlose Macht der Elite einschränkt. Es geht um Macht – nicht um das Wohl der Schweizerinnen und Schweizer, wie man gelegentlich vorzugeben versucht.

Eigeninteressen dominieren

Die Nationalbank ist gegen die Gold-Initiative, weil sie um ihre grenzenlose Macht fürchtet, unendlich viel Papiergeld ohne jegliche werthaltige Absicherung drucken zu können. Sie hat Angst, sie müsse sich in Zukunft vermehrt an ordnungspolitischen Grundsätzen wie beispielsweise einer stabilen Währung orientieren und könnte nicht mehr mit Volksvermögen herumspekulieren.

Die Classe politique ist gegen die Gold-Initiative, weil die uneingeschränkte Macht der Nationalbank, Geld zu produzieren, den Druck von den Politikern nimmt, der überbordenden Staatsverschuldung entgegenzutreten. Sie glauben, ihre Schulden dank der SNB auf Kosten der Allgemeinheit weginflationieren zu können. Auch die Kantone sind bereits durch die Geldausschüttungen der SNB korrumpiert und rechnen fest mit diesen Geldströmen aus der Druckerpresse, obwohl es nicht vornehmliche Aufgabe der SNB ist, Gewinn zu erwirtschaften, sondern die Währung stabil zu halten.

Wirtschaftsverbände – vor allem die Vertreter der Exportindustrie – sind gegen die Gold-Initiative, weil sie fürchten, die Stützung des Mindestkurses zum Euro (und damit die Umverteilung von den Sparern, Rentnern und den Konsumenten zu den Exporteuren) würde durch das Volksbegehren erschwert. Dabei schimmert nicht gerade viel Sachverstand durch. Die Gold-Initiative steht einem Mindestkurs zum Euro nämlich nicht im Weg. Sie sorgt lediglich dafür, dass diese Stützung nicht auf Kosten des werthaltigen Fundaments unserer Währung passiert.

Unkritische Medien

Und warum sind die Medien gegen die Gold-Initiative? Es handelt sich bei dieser Ablehnung um eine skurrile Mischung aus SVP-Hass, Verbandelung mit der Classe politique und staatsinterventionistischer Ideologie. Praktisch täglich fliegen uns in dieser heissen Phase des Abstimmungskampfes Contra-Artikel um die Ohren, die an Faktenverdreherei und Unkenntnis der Materie kaum noch zu überbieten sind. Ein Beispiel gefällig?

In einem Interview mit «20 Minuten» behauptet Thomas Jordan, Präsident der SNB, doch tatsächlich: «Zu wenig Gold war in der Wirtschaftskrise nie das Problem». Kundige Journalisten hätten nun insistiert und daran erinnert, dass diejenigen, die für die globale Geldschwemme und die damit verursachte Blasenbildung an den Immobilienmärkten in den USA verantwortlich waren, die Finanzkrise nicht hätten herbeiführen können, wenn ihre grenzenlose Geld-Druckerei durch goldene Fesseln unterbunden worden wäre. Wäre das Geld an Gold gebunden gewesen, wäre eine solch radikal-expansionistische Geldpolitik gar nicht möglich gewesen. Kritische Journalisten hätten nachgehakt und Jordan zur Rede gestellt, ob die heutige Geldmengenausdehnung denn nicht die exakt gleichen Fehler wiederholt, die vor der Finanzkrise durch die Notenbanken begangen worden sind.

Stattdessen fragt Laura Frommberg, Interviewerin von «20 Minuten» im Anschluss an Jordans zweifelhaftes Statement, weshalb denn die Zustimmung im Volk zur Initiative so gross sei. Jordan unterstellt den Stimmbürgern darauf, dass sie aus rein emotionalen, nicht aber aus sachlichen Gründen Sympathien zur Gold-Initiative hätten. Hier schliesst sich der Kreis: «Macht macht uns egozentrischer und weniger geneigt, die Sichtweise anderer Menschen zu teilen». Vor dieser Diagnose ist auch der SNB-Präsident offensichtlich nicht gefeit.

Falsch verstandene Unabhängigkeit

Die Gegner der Gold-Initiative haben nicht nur gewichtige Eigeninteressen, sie verteidigen diese auch mit unredlichen Argumenten. Hauptargument ist, dass die Vorlage die Unabhängigkeit der Nationalbank gefährde. Diese Behauptung ist nicht nur falsch, sondern beinhaltet auch ein falsches Verständnis ebendieser «Unabhängigkeit».

Gewiss: Es gibt triftige Gründe, weshalb eine Nationalbank unabhängig sein sollte, da die Druckerpressen in der Geschichte oftmals von der Politik missbraucht wurden, um Begehrlichkeiten der Classe politique zu finanzieren. Anstatt sich die erhofften Mittel ehrlich und transparent durch Besteuerung zu beschaffen, wählten viele Staaten in der Vergangenheit wie auch heute den einfacheren Weg der direkten oder indirekten Staatsfinanzierung durch die Notenbanken. Wer sich hier für die Unabhängigkeit der Notenbanken einsetzt, hat Recht. Damit ist aber die Unabhängigkeit von den Begehrlichkeiten der Politik gemeint – nicht die Unabhängigkeit von ordnungspolitischen Grundsätzen wie etwa der Stabilität der Währung.

Unabhängig sein durch eine stabile Währung

Die Gold-Initiative will ebendiese Stabilität der Währung durch einen minimalen Gold-Anker gewährleisten. Wer hier für die Unabhängigkeit der SNB plädiert und gleichzeitig die Gold-Initiative ablehnt, fordert implizit die totale Narrenfreiheit der Nationalbank. Ein paar wenige Köpfe sollen also ohne jegliche institutionelle Einschränkung über das Schicksal der Schweizer Währung befinden können. Das ist nicht nur fragwürdig, sondern auch totalitär.

Macht muss kontrolliert werden, denn sie korrumpiert. Eigeninteressen der Machtmenschen verdrängen die Interessen der Normalsterblichen. Die eigennützigen Spekulationen mit Fremdwährungen des damaligen SNB-Präsidenten Philipp Hildebrand lassen grüssen.

Unsere schweizerische Unabhängigkeit können wir nur mit einer stabilen Währung bewahren. Und eine stabile Währung sichert man sich nicht durch pausenloses Geld-Drucken ohne werthaltige Absicherung. Aus diesem Grund gilt es, auch die geistige Unabhängigkeit zu behalten – entgegen der inhaltsleeren Propaganda des Anti-Gold-Kartells. Oder um es in den Worten des irischen Dramatikers George Bernard Shaw zu sagen:

„Sie haben die Wahl zwischen der natürlichen Stabilität von Gold und der Ehrlichkeit und Intelligenz der Regierungsmitglieder. Und mit allem notwendigen Respekt für diese Gentlemen, ich rate Ihnen, solange das kapitalistische System währt, entscheiden Sie sich für Gold.“


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