Papst Franziskus verglich islamistischen Terror jüngst mit Straftaten von Christen. „In fast jeder Religion gibt es immer eine kleine Gruppe von Fundamentalisten – bei uns auch“, hatte er erklärt, als ihn Journalisten fragten, warum er den Islam nicht im Zusammenhang mit islamistischem Terror nenne. So, wie es unter Muslimen Kriminelle gebe, gebe es auch kriminelle Katholiken: „Der eine tötet seine Freundin, der andere tötet seine Schwiegermutter, und das sind alles getaufte Christen.“ Dazu ein Kommentar von Martin Lohmann.

Irren ist menschlich, und auch ein Papst ist Mensch. Franziskus legt Wert darauf, besonders menschlich zu erscheinen. Und so sagt Bergoglio viel Gutes, aber eben nicht immer Kluges und Richtiges. Jetzt hat er viele irritiert – mit einem unglücklichen Vergleichsversuch, als er auf den Terror im Namen des Islam angesprochen wurde. Wohlwollend könnte man sagen: Nicht alles, was hinkt, ist ein Vergleich. Kritisch müsste man sagen: Si tacuisses (Wenn Du doch geschwiegen hättest)!

Verharmlosung von Terror wäre gefährlich

Denn es ist schon ein Unterschied, ob ein Katholik, Jude oder Muslim ein Verbrechen begeht, oder ob das massenhafte Verbrechen im Namen einer Religion verübt und – mangels gebotenem Protest – fast schon „gerechtfertigt“ erscheint. Selbst Päpste und Bischöfe haben schon Verbrechen verübt. Doch niemals konnte das im Namen des Papsttums oder der Christenheit geschehen. Insofern ist eine sicher gut gemeinte Beschwichtigung von Franziskus nicht frei von der Gefahr der Verharmlosung – was ja nicht des Papstes erster Auftrag wäre. Und: Auch ein Papst kann irren, ist nicht – schon gar nicht in allem, was er so sagt – unfehlbar.

Notwendige Differenzierung nicht außer Acht lassen

Gut gemeint ist eben häufig alles andere als gut – wenn man wichtiges Wissen und notwendige Differenzierung außer Acht lässt. Bergoglio, der ja unüberlegte Geschwätzigkeit nicht mag, sollte vor seiner nächsten schnellen Antwort in so brisanten Fragen seinen vatikanischen Islamexperten Professor Samir Khalil zu Rate ziehen. Klug wäre das. Denn dieser Jesuitenpater und ägyptische Theologe ist einer der führenden Orientalisten und Islamwissenschaftler in der katholischen Kirche. Und der warnte jetzt ziemlich eindeutig vor einer Verharmlosung des Islam.

Was jetzt nottut

Vermutlich wollte Franziskus ganz irenisch darauf hinweisen, dass man den islamistischen Terror im Namen des Islam nicht mit dem gesamten Islam oder gar „den“ Muslimen gleichsetzen darf. Gut so! Sein produziertes Missverständnis durch zu rasches Reden könnte jetzt als Chance genutzt werden, dass Franziskus möglichst alle Islamgrößen einlädt zu einer gemeinsamen Verurteilung von Gewalt, Menschenverachtung und Terror. Und: dass niemand bei einem Verbrechen in seinem Namen rufen darf „Gott ist groß!“ Das wäre ein dringend notwendiges Zeichen. Auch, weil wir wissen, dass Gewalt und Mord im Widerspruch zum Wesen Gottes stehen. So könnte aus dem missglückten Vergleich ein Licht zu mehr Frieden werden. Das tut not!

Der Autor, Martin Lohmann, ist katholischer Theologe, Historiker und Journalist.


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