gulli:newsletter

Ausgabe 6/2012

gulli wünscht euch einen schönen Sommer

Liebe Community, genießt den Sommer und erholt euch gut. Kommt gesund und munter wieder vom Urlaub zurück.
Bis bald, euer gulli:Team

Deckel drauf ...

Die gulli:Monatsglosse für Juni

Der Juni stand ganz im Zeichen von König Fußball. Erst gestern ging erneut ohne deutsche Beteiligung das Spektakel des Finales zwischen den glücklosen Italienern und den übermächtigen Spaniern zu Ende. Doch daneben ereignete sich in der Wirtschaft, Politik und Gesellschaft so einiges, worüber es sich aufzuregen lohnt. Wir fassen die "Highlights" des letzten Monats zusammen.

So, alle mal stramm stehen, hier spricht die Bundeswehr! Zwischen den Alpen, Sylt und dem Hindukusch werden wir jetzt auch ganz offiziell im Cyberspace vertreten. Die Cyberwar-Expertentruppe der Bundeswehr erklärte sich zu Beginn des Monats einsatzbereit. Man habe eine gewisse "Anfangsbefähigung" zur Abwehr und Durchführung von Angriffen über das Internet erworben, teilte man offiziell mit. Was man darunter verstehen soll, wurde bislang nicht bekannt gegeben. Allerdings bleibt zu bedenken, dass wir am Hindukusch eigentlich nichts verloren haben. Und auch die Bundeswehr unterliegt dem Hackerparagrafen, oder etwa nicht? Der aber verbietet es jedem wie auch immer gearteten Cyber-Krieger, die Systeme Dritter zu infiltrieren. Schon ließ ein erster Ministeriumssprecher verlauten, dass man auch im Cyberraum die Erlaubnis haben sollte, zu operieren. Aha. Das klingt fast so, als ob wir mal wieder alle gleich vor dem Gesetz sind. Allerdings dürfen manche Institutionen noch etwas gleicher als alle anderen sein. Nun denn. Dass die Damen und Herren jetzt zum virtuellen Einsatz bereit sind, beruhigt uns derweil ungemein. Hätte man aber nicht lieber etwas anderes verkünden sollen? Der Begriff "Anfangsbefähigung" klingt in etwa so, als habe man vor, Script-Kids in einer Tarn-Uniform agieren zu lassen. Ob diese Pressemitteilung eine gute Idee war?

Ein Eigentor geschossen haben sich auch die lieben Nachbarn in Großbritannien. Die wollen nicht nur alle Briefe und Pakete von außen fotografieren. Nein, auch jeglicher Datenverkehr im Internet soll laut dem Communications Data Bill Draft systematisch überwacht werden. Bye bye verschlüsselte Verbindungen! Per Man-in-the-middle-Angriff will man jegliche Verschlüsselung im Internet außer Kraft setzen, damit die Behörden im Klartext nachvollziehen können, was sich die Briten so alles gegenseitig schreiben. Schon bei einem einzigen Verdachtsfall werden dann alle Kunden- und sonstigen Daten vom betroffenen Unternehmen herausgerückt. Und wer soll das überprüfen? Die Schiedsrichter spielen hier ausgerechnet Laienrichter, die die juristische Tragweite der Entscheidung nicht überblicken können. Tja, wenn wir Pech haben, wird der Gesetzentwurf im nationalen Parlament abgelehnt und die lieben Kollegen geben das dann an ihre Mitstreiter von der EU weiter. Mit etwas Verzögerung könnte das also irgendwann EU-weit eingeführt werden. Na, herzlichen Glückwunsch! Auch wenn ich Mitleid mit den lieben Inselbewohnern habe - fast wünsche ich mir, dass das Gesetz im UK durchkommt, damit wir hier abseits der Insel noch etwas Zeit gewinnen.

Den Musikpiraten kann man zumindest nicht vorwerfen, dass sie keinen Mut hätten. Statt die Klage der GEMA wegen eines früheren Albums abzuwarten, rufen sie eiligst zum nächsten Free! Music! Contest auf. Wenn da wieder ein Musiker mit einem Pseudonym auftritt und man der GEMA nicht widerlegen kann, dass dieser nicht vielleicht möglicherweise doch irgendwann mal ein Mitglied der Verwertungsmonopolistenkette war, kriegt Christian Hufgard schon bald wieder Post aus Berlin beziehungsweise München. Merke: die GEMA ist alles und überall. Vielleicht sollte man das nächste Album "Ring frei zur nächsten Klage" statt freemixter oder free beer nennen. Für das Cover halte ich einen Richterhammer für angemessen, prost!

Weitere Schüsse aufs Tor unternahmen auch die Mitglieder des Ministerrates der EU. Die plädieren mal wieder für die Einführung von Netzsperren. Ach ja, die Vorratsdatenspeicherung dürfen wir natürlich auch nicht vergessen. Die ist auch ganz wichtig und deswegen soll Deutschland sie auch endlich wieder einführen. Lasst sie also kommen, die schöne neue Datenspeicherungs-Welt. Da spielt es keine Rolle, dass die Effizienz beider Methoden schon häufiger von Experten widerlegt wurde. Was man sammeln kann, das muss man auch sammeln, scheint man dort zu denken.

Dem Schriftsteller Tom Clancy muss man bei seiner Tätigkeit zumindest bescheinigen, dass es bei seinen Geschichten um waschechte Kriminelle geht. Die deutschen Ermittlungsbehörden bekommen ja noch nicht einmal das hin. Da machen sie mit viel Brimborium eine bundesweite Razzia - und wen trifft es am Ende? Eine Handvoll Kinder und Jugendliche, die mit einem simplen Programm die GEMA-Server für ein paar Stunden in die Knie gezwungen haben. Die wollte mit Ausnahme der Mitglieder dieser Vereinigung eh niemand besuchen. Kleiner Tipp am Rande, liebe Ermittler: der Spruch "viel' Feind', viel' Ehr'" trifft nur zu, wenn die Feinde a) alt genug sind, um Alkohol im Kiosk kaufen zu dürfen und b) ein bisschen mehr angestellt haben, als auf ein Knöpfchen zu drücken. Aber vielleicht wollten die Damen und Herren Ermittler erst einmal klein anfangen, bevor sie sich zu den Großkopferten hocharbeiten. Und was sagt die GEMA? Die können wie immer nichts dafür, wenn nach ihren Anzeigen gegen unbekannt Ermittlungen angestellt und Durchsuchungen durchgeführt werden. Aber die GEMA kann ja auch nichts für stark verteuerte CD-Rohlinge oder USB-Sticks. Ach ja, und damit, dass ab 2013 die meisten Clubs dicht machen oder aber Preise wie auf Ibiza einführen, hat die GEMA natürlich auch nichts zu tun. Das hätte ich fast vergessen zu erwähnen, Schande über mich. Wenn ihr also ab Januar den doppelten Eintrittspreis oder für ein Bier 10 Euro zahlen müsst, fragt bitte wen auch immer, aber nicht die GEMA. Die Ärmsten sind die reinen Opferlämmer und stets an allem unschuldig, ganz ehrlich.

Neuigkeiten gab es auch von Seiten The Pirate Bay. Einerseits möchten die beiden einzigen noch nicht untergetauchten Betreiber vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte ziehen. Sie sehen ihr Recht auf freie Meinungsäußerung und Weiterleitung von Daten durch die Verurteilungen auf höchster juristischer Ebene behindert. Was das mit dem Angebot von Magnet-Links zu tun hat, dafür wird der entsprechende Jurist studiert haben. Anders kann es nicht sein, dass dieser den Zusammenhang glaubhaft darstellen kann. Aber gut, dafür hat der gute Mann oder die Frau das ja auch schließlich studiert. Die beiden Herren wurden jüngst auch in Stockholm zu einer Strafe von 500.000 Schwedischen Kronen verurteilt, weil sie sich nicht die Auflagen der Urteile hielten. Fredrik Neij (TiAMO) und Gottfrid Svatholm (Anakata) antworteten bereits. Sie bezahlten schon die letzten Strafen nicht; die neue Strafe werden sie ebenso wenig begleichen. Bleibt abzuwarten, wann sie ihren Mitbegründern in Vietnam Gesellschaft leisten und Flattr von dort aus leiten werden. Dort ist es auf jeden Fall deutlich wärmer als in Schweden. Die lästigen Zahlungsaufforderungen müsste man dann auch nicht mehr in Empfang nehmen.

In diesem Sinne wünschen wir allen Lesern weiterhin eine gute Zeit oder aber einen schönen Urlaub. In den nächsten Wochen werden wir zumindest so schnell keinen 22 Männern mehr beim Nachlaufen eines kleinen runden Balles zuschauen. Viele Männer werden deswegen traurig, die meisten Partnerinnen hingegen eher glücklich sein. Die Kehrseite der Medaille aber ist: Die Politiker haben jetzt leider umso mehr Zeit, massig Blödsinn anzustellen. Aber wir wollen mal das Beste hoffen und verbleiben in diesem Sinne bis zur nächsten Monatsglosse!

Ghandy am 03. Juli 2012

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